Sozialdezernentin der Städteregion wird Hochschulpräsidentin

Abschied nach dreieinhalb Jahren : Das Kapitel Städteregion ist am Freitag beendet

Nicht einmal vier Jahre gehört Professor Edeltraud Vomberg als Sozialdezernentin zur Führungsriege der Städteregion, und schon zieht es sie wieder weg. Im September 2015 war sie von der Hochschule Niederrhein zur Städteregion gekommen, wo sie seit 1997 als Professorin im Fachbereich Sozialwesen geforscht und gelehrt hatte. Nun geht die gebürtige Mönchengladbacherin und Wahl-Aachenerin zurück an eine Hochschule.

Zum 1. Juni wird die 59-Jährige Präsidentin der Hochschule Düsseldorf und damit Chefin von mehr als 750 Beschäftigten und verantwortlich für mehr als 10.600 Studierende.

„Nein, ich bin nicht auf der Flucht“, sagt sie und lacht herzlich. Es sei auch nicht geplant gewesen, so schnell wieder zu wechseln. Zumal noch längst nicht alles, was sie in den vergangenen dreieinhalb Jahren zusammen mit ihrem Team auf den Weg gebracht habe, vollendet sei. „Aber die Herausforderung, eine so große Institution wie die Hochschule Düsseldorf an erster Stelle führen und weiterentwickeln zu können, ist einfach zu reizvoll.“ Dass der Ausblick aus ihrem künftigen Büro nicht so schön sein wird wie aus ihrem jetzigen in der achten Etage des Verwaltungshochhauses an der Zollernstraße in Aachen, kann sie angesichts der auf sie zukommenden großen Aufgaben sicher verschmerzen.

Als Edeltraud Vomberg vor gut dreieinhalb Jahren zur Städteregion kam, galt sie als Quereinsteigerin, obwohl sie 18 Jahre lang in einer Hochschule tätig war und ihr der Umgang mit öffentlichen Geldern, widerstreitenden Interessengruppen sowie das Zusammenspiel von Politik und Verwaltung von daher vertraut waren. Diese Erfahrungen haben ihr geholfen, sich schnell in einer kommunalen Verwaltung zurechtzufinden, nun wird sie die Erfahrungen aus der Städteregion in ihrer neuen Funktion einbringen.

Und davon hat sie nach eigener Aussage reichlich gesammelt. Denn die Jahre waren durchaus turbulent „Ein ganz großes Thema in dieser Zeit waren Flüchtlinge“, sagt Vomberg. Im Ausländeramt, das bis Herbst 2017 zu ihrem Dezernat gehörte, stieg der Arbeitsaufwand enorm. „Das lag nicht nur an der stark zunehmenden Zahl ausländischer Menschen, die in die Städteregion kamen, sondern auch an der schwierigen Rechtslage.“ Zudem sei es für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht einfach, einerseits geltendes Recht umzusetzen und andererseits den geflüchteten Menschen gerecht zu werden. „Das passt nicht immer zusammen. Wir haben damals viele Veranstaltungen für Ehrenamtliche und Helfer angeboten, zum Teil zusammen mit der Stadt Aachen“, erinnert sich die Sozialdezernentin.

Die Weiterentwicklung des Integrationskonzeptes fiel auch in diese Zeit. „Das Kommunale Integrationszentrum hat ein Handlungskonzept erarbeitet, das als ein gemeinsames Leitbild für die Städteregion verstanden werden soll. Es hat an vielen Stellen zu einer Intensivierung der Zusammenarbeit mit den Kommunen geführt“, betont Edeltraud Vomberg. Das Kommunale Integrationszentrum ist mit vielen unterschiedlichen Angeboten vor Ort und unterstützt oder initiiert Integrationsangebote. Mit den Vertretern der Kommunen habe die Städteregion bei der Erstellung des Leitbildes sehr eng zusammengearbeitet, schließlich seien es die Akteure vor Ort, die die Handlungsempfehlungen umsetzen sollen. Die Städteregion könne nur Anstöße geben.

Was jeweils vor Ort gebraucht wird und was vorrangig bearbeitet werden muss, wisse man in den Kommunen viel besser. Das gelte auch für das große Feld der integrierten Sozialplanung. „Da haben wir als Städteregion umfangreiches Datenmaterial erhoben und analysiert. Doch was damit im Einzelnen geschieht, ist in vielen Aspekten Sache der Kommunen.“ Die Städteregion unterstütze diese aber auf Wunsch, wo immer es gehe. Da, wo es um übergreifende Themen geht, agiert die Städteregion in Zusammenarbeit mit den Kommunen.

Bewegung ist während der Amtszeit von Edeltraud Vomberg auch in das Thema Fachseminar für Altenpflege gekommen. „Das war von der politischen Gemengelage her das schwierigste Thema“, gesteht Vomberg. Lange sei offen gewesen, ob und wie der Bund die Pflegeausbildung reformiert. Die gewünschte Zusammenarbeit mit dem Rhein-Maas-Klinikum Würselen sei aufgrund der dortigen, nun überwundenen, Turbulenzen ins Stocken geraten. Zudem habe man in der Städteregion den Ausbau des Fachseminars verknüpft mit dem Neubau der Schule. „Es hat allerdings einiger Überzeugungsarbeit bedurft, das zu entkoppeln“, sagt die scheidende Sozialdezernentin im Rückblick.

Bald Pläne für den Neubau

Inzwischen aber sei alles auf einem guten Weg, das Bildungszentrum für Pflege und Gesundheit (BZPG) ist gegründet, und die Pläne für den Neubau der Schule in Bardenberg nehmen voraussichtlich bald Gestalt an.“

All dies sind Themen, die Edeltraud Vomberg inhaltlich weiterentwickeln würde, hätte es nicht den Ruf der Düsseldorfer Hochschule gegeben. Als Präsidentin wird die 59-Jährige in den kommenden sechs Jahren – so lange dauert ihre Amtszeit – deren Geschicke lenken. Den Kontakt zur Städteregion wird sie dabei nicht verlieren, ihrer Wahlheimat Aachen bleibt sie treu.