Aachen: „Sommertour NRW 4.0“: Hannelore Kraft verteilt Komplimente

Aachen: „Sommertour NRW 4.0“: Hannelore Kraft verteilt Komplimente

„Gut, danke, habe ich verstanden“, sagt Hannelore Kraft. Sie nickt, lächelt. Schon zieht die NRW-Ministerpräsidentin — umringt von RWTH-Professoren, TV-Teams und Fotografen — zum nächsten Info-Punkt. Dutzende Stationen stehen an diesem Montagmorgen zum Auftakt ihrer mehrtägigen „Sommertour NRW 4.0“ auf dem Programm.

Dass die nordrhein-westfälische Regierungschefin vor allen anderen in Aachen den RWTH Campus auf Melaten besucht und sich knapp drei Stunden lang ausführlich erklären lässt, was Wissenschaft und Wirtschaft hier austüfteln, darf die Hochschule mit Rektor Professor Ernst Schmachtenberg an der Spitze durchaus als Kompliment empfinden. So wird Professor Günther Schuh in seinem Forschungsinstitut für Rationalisierung (FiR / Cluster Smart Logistik) am Campus Boulevard auch nicht müde, technologische Quantensprünge buchstäblich begreifbar zu machen. Eine Hightech-Hetzjagd. Wobei die Themen hochkomplex und für fachfremde Laien eigentlich kaum nachvollziehbar sind.

Eigentlich. Denn wie etwa neueste Sensor-Technik jedes einzelne von über 1000 Bauteilen mit „digitalen Schatten“ bei der Produktion eines Elektroautos beobachtet, steuert und beurteilt, erlebt Kraft vor Ort ganz real in der Demon-strationsfabrik. Damit könne endlich eine typische Fehlerquelle herkömmlicher Produktionsabläufe in Fabriken ausgeschlossen werden, betont Schuh. „Welches Material ist wo in welchem Zustand? Das war immer die Frage. Hier wissen wir es immer und reagieren direkt!“, verdeutlicht der FiR-Direktor. Alles vernetzt, mehr „4.0“ geht nicht.

Wer beim 4.0-Forschungsprojekt „ProSense“ bisher nur Bahnhof verstand angesichts „hochauflösender Produktionssteuerung auf Basis kybernetischer Unterstützungssysteme und intelligenter Sensorik“, erkennt anhand übersichtlicher Darstellung auf großen Bildschirmen des experimentellen Steuerstandes, wie Informationstechnologien und Co selbst ein turbulentes Produktionsumfeld im Griff haben — schneller und effizienter denn je. Nebenbei ordnet Professor Malte Brettel die Industrieaktivitäten der RWTH ein. Und schließlich stellt der Leiter des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik, Professor Reinhart Poprawe, eine Straße weiter im Forschungscampus Digital Photonic Production eine Schlüsseltechnologie in Sachen Industrie 4.0 vor: 3D-Druck, den Experten „Additive Manufactoring“ nennen. Fasziniert lässt sich Kraft vorführen, wie Hochleistungslaser Metall- und Keramikpulver aufschmelzen und ein dreidimensionales Werkstück schichtweise aufgebaut wird.

Die Ministerpräsidentin fragt viel, auch kritisch — zum Beispiel nach Auswirkungen für Arbeiter, die an extrem überwachten und fremdgesteuerten Produktionsmaschinen zu „gläsernen“ Mitarbeitern werden könnten. Schuh entgegnet, dass es genauso um Entlastung von Fachkräften gehe, denen in der vernetzten Fertigungswelt viel effizienter geholfen werden könne — weil etwa bei Qualitätsmängeln sofort Unterstützung bereit stehe.

Kraft verteilt nach der riesigen Informationsflut, die auf sie einfließt, ebenso große Komplimente. „Man sieht hier auf dem RWTH Campus, wie viel Potenzial in neuen Entwicklungen steckt“, lobt sie. Vieles wurde — unter anderem — mit Fördermillionen des Landes angeschoben. Aachen überzeugt die Ministerpräsidentin. „Wir sind stolz auf das, was Sie hier tun. Bitte machen Sie weiter!“, sagt sie. Sie nickt, lächelt — und tourt weiter...

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