Aachen: Softwareunternehmen „gypsilon“ feiert 50-jähriges Bestehen

Aachen: Softwareunternehmen „gypsilon“ feiert 50-jähriges Bestehen

Das Jahr 1967. E-Mails waren noch kein Thema. Mit den Begriffen „Software“ und „Hardware“ konnte wohl kaum jemand etwas anfangen. Laptop, Smartphone, Tablet, Apps? Zukunftsmusik. Dennoch: Die Anfänge der digitalen Revolution zeichneten sich ab.

Mitten in dieser spannenden Zeit wurde Aachens Software-Unternehmen „gypsilon software GmbH“ gegründet, damals noch unter dem Namen „Dr. Glasmacher + Dr. Sommer“. Der Zufall führte zur Gründung dessen, was man wohl heute ein typisches „Start-up“ nennen würde. Denn wie so oft wurde die Geschäftsidee aus einem ganz alltäglichen Problem geboren. Ein Aachener Textilunternehmer plante damals, neben Herrenhemden auch Kinderhemden zu produzieren.

Dafür war allerdings eine Stoffkalkulation nötig, um die verschiedenen Muster an die deutlich kleineren Größen anpassen zu können. So wurde er auf Dr. Werner Glasmacher und Dr. Dietmar Sommer aufmerksam, die nach ihrer Promotion eine Assistententätigkeit am Institut für Geometrie und Praktische Mathematik an der RWTH Aachen innehatten.

Er bat sie, eine Software für diese Kalkulation zu schreiben. Das sprach sich herum: Nach und nach kamen mehr Anfragen, so dass einer Firmengründung nichts mehr im Wege stand. Mitte der 1970er-Jahre wurden schließlich die Weichen für das Kerngeschäft, die Entwicklung von Software für das Rechnungswesen, gelegt.

Das Jahr 2017\. Die Digitalisierung ist mittlerweile in fast alle Lebensbereiche eingezogen. „gypsilon“ ist gewachsen und feiert sein 50-jähriges Firmenjubiläum. Mit über 700 Kunden setzt das Aachener Unternehmen auf Software für Rechnungswesen, die sowohl standardisiert als auch branchenspezifisch für Verlage, Immobilienverwaltungen und den Automobilhandel eingesetzt werden. Das Portfolio wurde im Laufe der Jahrzehnte um den automatisierten Eingangsrechnungsworkflow, ein Business-Intelligence-Werkzeug für das Controlling und den Support für das Entwicklungswerkzeug „Uniface“ erweitert.

Die Mitarbeiterzahl ist von zwei auf 38 gewachsen, darunter auch Auszubildende. Im Jahr 2000 folgte ein weiterer Meilenstein: Der Firmensitz wurde in die eigenen Räume in der Pascalstraße in Oberforstbach verlegt. Längst wird das Unternehmen in zweiter Generation geführt. Im Jahr 2005 übergab Gründer Werner Glasmacher den Staffelstab an seinen Sohn Michael, der bereits 1983 mit 19 Jahren neben seinem Mathematik-Studium im Unternehmen des Vaters einstieg. 2014 wurde die diplomierte Ökonomin Svea Sachs Teil der Geschäftsleitung. Die gebürtige Dresdnerin arbeitete zuvor bereits 14 Jahre für das Unternehmen — angefangen hatte sie im Support.

Auch wenn die gypsilon-Mitarbeiter größtenteils in der digitalen Welt unterwegs sind, die reale Welt kommt nicht zu kurz. „Wir legen viel Wert auf ein familiäres Arbeitsklima. Bei uns sind alle Türen ‚offen’. Wir kommunizieren untereinander lieber face to face als per E-Mail“, so Svea Sachs. Vor 15 Jahren wurde zudem in Kooperation mit zwei weiteren Unternehmen aus der Pascalstraße im Firmengebäude die Kita „Pascals Zwerge“ für unter 3-jährige Kinder eingerichtet.

Als Sponsor für die Alemannia Aachen ist das Unternehmen ebenfalls seit vielen Jahren aktiv. Und das Firmengebäude dient als Ausstellungsplattform für Künstler. So konnten schon fast 200 Ausstellungen realisiert werden. Auf ein Ritual sind die beiden Geschäftsführer besonders stolz: „Seit Anfang der 70er-Jahre frühstückt die gesamte Belegschaft von montags bis freitags jeden Morgen auf Kosten des Unternehmens um 10 Uhr gemeinsam. Das wissen sogar viele Kunden und rufen in dieser Zeit gar nicht erst an“, schmunzelt Michael Glasmacher.

Am 21\. September wird das Jubiläum groß gefeiert: Stilecht im Aachener Krönungssaal mit 350 geladenen Gästen.

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