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Aachen: So sieht „pro futura“ für sich keine große Zukunft

Aachen : So sieht „pro futura“ für sich keine große Zukunft

Es scheint niemanden zu interessieren, was aus den katholischen Kindertagesstätten in Trägerschaft von „pro futura“ wird: Heinz Zohren, Geschäftsführer von „pro futura“, hatte schon vor geraumer Zeit einen Hilferuf an die Kommunal- und Landespolitiker sowie auch ans Bistum entsendet.

Die gut 30 Einrichtungen lassen sich mit der bestehenden Finanzierung durch das Kinderbildungsgesetz (KiBiz) nicht bezahlen. Es würden Rücklagen aufgebraucht, die nicht für den laufenden Betrieb vorgesehen seien. Keine Reaktion bei den Adressaten. Geschweige denn ein Hilfsangebot.

Ähnlich ergeht es jetzt auch den Zuständigen der Mitarbeitervertretung (MAV). Zwar war die Resonanz unter den Mitarbeitenden in den Einrichtungen auf die angestrengte Unterschriftenaktion für eine auskömmliche Refinanzierung der Einrichtungen groß. „Wir hatten fast 100 Prozent Rücklauf. Die, die nicht gerade in Elternzeit sind oder langfristig erkrankt, haben unterschrieben“, berichtet Gabriele Schölzel von der MAV. „Aber von den neu gewählten Bürgermeistern und auch vom Bischof Dr. Helmut Dieser, denen wir die Listen mit gut 400 Unterschriften geschickt haben, kam nicht einmal eine Eingangsbestätigung“, ärgert sich mit ihr ihre MAV-Kollegin Corina Gottfried.

„Geschehen ist nichts“

Die vergangene rot-grüne Landesregierung hatte eine umfassende Revision oder Neufassung des KiBiz bis zum Ende der Legislaturperiode 2017 versprochen. Geschehen ist fast nichts. Lediglich wurde als Sofortmaßnahme die Steigerung der Finanzierung von jährlich 1,5 Prozent auf drei Prozent angehoben. „Damit konnten aber nicht einmal die Gehaltserhöhungen kompensiert werden“, klagt Gottfried. Die seien wiederum nicht die Ursache für die Misere, sondern vielmehr sei das die strukturelle Unterfinanzierung.

So musste Zohren vor kurzem vor seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter treten, um zusätzliche Sparmaßnahmen zu verkünden. Zum Beispiel könne er die großzügige Krankheitsvertretung mit 100 Prozent nach bereits einer Woche nicht mehr halten. Sie wird auf 50 Prozent reduziert. Ebenso müsse er an die Freistellung der Einrichtungsleitungen ran. „Es schnürt sich unten zu. Denn natürlich muss die Verwaltungsarbeit gemacht werden und auch die Kinder stehen da, egal ob die Kollegin krank ist oder nicht“, erklärt Schölzel, was das für den Arbeitsalltag bedeutet. Der Personaleinsatz sei meist nur noch auf das gesetzliche Minimum beschränkt. Ebenso werden Ausbau und Erhalt der Einrichtungen nur noch angegangen, wenn eine Gefahrenquelle daraus zu erwachsen drohe.

Ein Vorwurf an ihren Chef ist das nicht. MAV und Geschäftsleitung von „pro futura“ ziehen an einem Strang. Sie haben stattdessen Politik und Bistum im Visier. „Letztlich ist die vielfältige Trägerlandschaft in Gefahr, denn nicht nur uns geht es so. Dabei betonen alle Politiker, dass sie genau diese erhalten wollen“, bangt nicht zuletzt Birgit Blankenheim, die mit der Verbundleitung Aachen-Ost/Eilendorf für vier Einrichtungen verantwortlich zeichnet, um die Zukunft der Arbeitsplätze bei „pro futura“.

Im Koalitionsvertrag der neuen NRW-Landesregierung ist eine dynamische Anpassung der Pauschalfinanzierung festgehalten. Ebenso ist von einem Träger-Rettungsprogramm die Rede sowie von der Beseitigung der „strukturellen Unterfinanzierung“ durch stufenweise Bereitstellung von zusätzlichen Landesmitteln. Das macht Schölzel, Gottfried und Blankenheim durchaus ein wenig Mut. Dennoch bleiben sie kritisch. Schon zu oft sind sie nicht gehört worden. „Aber wir lassen nicht locker“, betont Gottfried.