So ging man dem Ablass aus dem Weg

So ging man dem Ablass aus dem Weg

Als Fundgrube der Forschung erwies sich die alte Abtei in Kornelimünster für die Studenten der Architekturgeschichte der RWTH Aachen. Bereits im Herbst 2017 begannen sie, die Klosteranlage akribisch unter die Lupe zu nehmen und kamen dabei laut Marcel Schumacher, Leiter des dort beheimateten Kunsthauses NRW, zu spannenden Ergebnissen. Sie legten den Fingerzeig auf zugemauerte Türen sowie heute verschwundene Treppen, die gerade in Zeiten der Hochkonjunktur des Ablasshandels eine ganz besondere Bedeutung hatten. Schritt für Schritt rekonstruierten sie die damalige Verbindung zwischen Klosterresidenz und benachbarter Kirche.

Und die bestand laut Marcel Schumacher vor allem deshalb, um betuchte Pilger von der Wohnung des Abtes quasi inkognito in die Kirche schleusen zu können, wo sie dann unbehelligt von neugierigen Blicken um Ablass ihrer Sünden bitten konnten. Dort wo Verbindungstüren den Durchgang auf eine Empore der Kirche erlaubten, erinnern heute zum Teil nur noch rot gefärbte Backsteine an die verborgenen Wege. Auch alle anderen Verbindungselemente wie die hölzerne Brücke, die Kirche und Abtei verband, oder die Empore selbst wurden längst wieder entfernt. Als der Ablasshandel im 19. Jahrhundert an Bedeutung verlor, wurde offensichtlich auch die Sonderbehandlung reicher Pilger überflüssig.

Mittelalterliche Gestaltung

„Außerdem wollte man die Kirche wieder mittelalterlich gestalten und entfernte entsprechend alles, was dabei nicht ins Bild passte“, erklärt Marcel Schumacher. Er ist begeistert von dem, was die Studenten unter Leitung von Prof. Anke Naujokat, Lehrstuhl für Architekturgeschichte, ans Licht brachten. Die Studenten selbst haben eine Ausstellung konzipiert, die die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit vorstellt. Und geforscht wurde laut Schumacher bislang mit Blick auf die alte Reichsabtei in Kornelimünster so gut wie gar nicht. „Dabei kommt der Klosteranlage durch ihre prunkvolle Ausstattung durchaus eine herausragende Stellung zu“, schwärmt Schumacher und zeigt auf die prächtigen Deckenmalereien im Speisesaal der Abtswohnung. „Auch die sind bislang noch nicht dokumentiert worden“, meint er und verweist gleichzeitig auf druckfrische Poster und Fotos, die nun zum Tag des offenen Denkmals erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Adlige Pilger empfangen

Kornelimünster hat seine prächtige Abtei vor allem dem Ehrgeiz des im 18. Jahrhundert regierenden Fürstabts von Kornelimünster, Hyazinth Alfons von Suys, zu verdanken. Die barocken Abteigebäude wurden 1721 im Stil einer Schlossanlage geplant und in 30 Jahren realisiert. Der Abt sorgte so für den seiner Meinung nach adäquaten Rahmen, um adlige Pilger empfangen zu können und ihnen die in der Kirche gehüteten Reliquien zu präsentieren. „Die Finanzierung führte zu einem 30 Jahre lang währenden Rechtsstreit zwischen dem Fürstabt und seinen Untertanen“, erzählt Schumacher. Denn die hielten die Pläne ihres Abtes für völlig überzogen.

Weitere Infos unter www.kunsthaus.nrw