Aachen: Skandal auf Aachener Recyclinghof: Belegschaft gefeuert

Aachen : Skandal auf Aachener Recyclinghof: Belegschaft gefeuert

Skandal auf einem Aachener Recyclinghof: Weil sie unter dem dringenden Verdacht stehen, einen schwunghaften illegalen Handel mit alten Elektrogeräten betrieben zu haben, hat der Aachener Stadtbetrieb jetzt neun Mitarbeiter fristlos gefeuert — nicht weniger als die komplette Belegschaft der Abgabestelle im Stadtteil Eilendorf.

Wie die Stadt mitteilt, wurden außerdem Strafanzeigen „gegen einen externen Dritten und andere wegen des Verdachts der widerrechtlichen Aneignung von Elektroaltgeräten“ erstattet. „Wir haben die Sache der Staatsanwaltschaft übergeben“, erklärt Stadtsprecher Bernd Büttgens.

Staatsanwalt Jost Schützeberg bestätigt, dass es „konkrete Anzeigen gegen einen Externen und vier Mitarbeiter des Stadtbetriebs“ gebe. Doch könne sich dies noch ändern. „Wir stehen am Anfang der Ermittlungen und müssen den Sachverhalt erst klären“, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Bei der Stadtverwaltung, wo man von einer offenkundigen „kriminellen Energie“ der Beteiligten spricht, ist man sich in dieser Sache allerdings sehr sicher. Vor knapp zwei Wochen, als erste Verdachtsmomente aufkamen, waren die neun Mitarbeiter vom Dienst suspendiert worden. In den folgenden Ermittlungen und Gesprächen mit den Verdächtigen habe sich der Anfangsverdacht dann „bestätigt“, heißt es bei der Stadt.

Man sehe es „als erwiesen an, dass es auf dem Recyclinghof zur unerlaubten Annahme von Sach- und Geldwerten kam“. Soll heißen: Das komplette Team des Recyclinghofes soll alte Elektrogeräte abgezweigt und gegen Bezahlung oder Geschenke an Zwischenhändler abgegeben haben, wobei es nach Informationen unserer Zeitung einen Hauptabnehmer gab — eben jenen „Externen“, gegen den sich eine der Strafanzeigen richtet und für den ab sofort auf dem Recyclinghof ein Hausverbot gilt.

Aufgeflogen ist der illegale Schnäppchenkauf von Elektroschrott laut Stadt, nachdem es „interne Hinweise“ auf Unregelmäßigkeiten gegeben hatte. Nach Informationen unserer Zeitung war auch aufgefallen, dass die städtischen Erlöse aus dem Versilbern der Elektrogeräte gesunken waren.

Wie hoch der Schaden ist, wie viel Geld die Verdächtigen möglicherweise in die eigenen Taschen gewirtschaftet haben, sei noch nicht abzusehen, heißt es. Aber der Schaden sei sicher „nicht unerheblich“. Auch wie lange die illegalen Geschäfte liefen, ist unklar. Mitte September habe es erste Verdachtsmomente gegeben, aber „es gibt klare Hinweise, dass das deutlich weiter in die Vergangenheit hineinreicht“, sagt Büttgens.

Mehr von Aachener Zeitung