Aachen: Sitz 25 erzählt Theatergeschichte

Aachen : Sitz 25 erzählt Theatergeschichte

Der rote Cord von Sitz 25 ist an vielen Stellen schon etwas abgewetzt. Über 70 Jahre ist er alt. Damals stand er noch im großen Saal des Aachener Theaters. Heute hat er einen Ehrenplatz im Theatercafé. Denn Sitz 25 ist kein gewöhnlicher Theaterstuhl: Er ist eine Kunstinstallation und erzählt ein Stück Theatergeschichte.

1972 haben Franz Buchholz und seine Frau den Stuhl im Stadttheater erstanden. Seither schlummerte er in ihrer Wohnung, bis Franz Buchholz vor zwei Jahren eine Idee kam: Er wollte die Bildersammlung seines Vaters Cornell Buchholz, der zwischen 1928 und 1943 Bibliothekar im Stadttheater war, mit dem Stuhl zusammenbringen. Über drei Monate hat er getüftelt, Bilder ausgesucht und bearbeitetet, Bildunterschriften geschrieben und nach passender Musik geforscht. Dann war er fertig: ein Kurzfilm.

So zeigt Sitz 25 auch einen 25-minütigen Film, der zunächst auf einem Fernseher zu sehen war und nun auf einem kleinen Monitor gezeigt wird, der an der Rückenlehne montiert ist. Die Bilder veranschaulichen nicht nur, wie es zwischen 1922 bis 1944 im Theater ausgesehen hat, sondern sie zeigen auch zahlreiche Schriftstücke und Künstler: „Durch diese Installation wird klar, dass zahlreiche Stücke in Aachen das erste Mal aufgeführt wurden und viele Künstler sogar weltberühmt waren“, sagt Michael Schmitz-Aufterbeck, der Intendant des Aachener Theaters.

Ohne Wilhelm Firgau hätte der Stuhl jedoch nicht seinen Weg ins Theater gefunden. Er war derjenige, der die Kunstinstallation im Atelier von Buchholz entdeckt hatte. Durch sein Engagement und die Unterstützung der Theaterinitiative Aachen fand der Stuhl schließlich in den Musenhort.

„Wir haben großes Glück, dass Herr Buchholz die Idee und vor allem das Material für solch eine Installation hatte“, sagt Schmitz-Aufterbeck. Für ihn sei der Stuhl nicht nur ein Symbol, sondern auch eine Bereicherung für die Atmosphäre im Theatercafé. Und auch für Buchholz ist die Installation ein wichtiges Erinnerungsstück: „Meinen Vater habe ich durch den Krieg kaum kennengelernt, doch durch die Bildersammlung bin ich ihm selbst ein Stück nähergekommen.“