Aachen: SinnLeffers plant einen gewaltigen Neubau

Aachen: SinnLeffers plant einen gewaltigen Neubau

Bauen kommt größer in Mode. Dass jedoch das Hagener Textilunternehmen SinnLeffers schon wenige Monate nach der offiziellen Aufhebung seines Insolvenzverfahrens gewaltige Investitionen für das 157 Jahre alte Mutterhaus in Aachen plant, dürfte in der Branche für einiges Aufsehen sorgen.

Sinn-Geschäftsführer Friedrich Göbel, verantwortlich für nunmehr 20 deutsche Filialen und 1300 Beschäftigte, gelang gerade erst der Weg aus der Insolvenz. Jetzt will er den Standort Aachen — im Schulterschluss mit den finanzstarken Eigentümern der Immobilien — für die nächsten Jahrzehnte zukunftsfähig machen. Zentraler Bestandteil des Plans ist, das markante, aber betagte SinnLeffers-Gebäude an der Ecke Großköln-/Mostardstraße in unmittelbarer Marktnähe komplett abzureißen und — natürlich größer — an selber Stelle neu zu errichten. Derzeit beträgt die Verkaufsfläche gut 5500 Quadratmeter. Der Neubau soll dann bis zu 10.000 Quadratmeter bieten. „Aachen zählt schon lange zu den drei Top-Standorten unseres Unternehmens. Hier liegt der Ursprung der Sinn AG. Und hier üben wir über die Stadtgrenzen hinaus eine hohe Anziehungskraft bis in die Benelux-Länder aus“, sagt Göbel im AZ-Gespräch.

Markanter Bau mit großer Tradition: SinnLeffers will das komplette Modekaufhaus abreißen und einen deutlich größeren Neubau errichten — auch auf der gegenüberliegenden Seite der Großkölnstraße. Foto: Michael Jaspers

Glänzende Zahlen

Freut sich auf den großen Wurf: Johannes Liebens, Leiter des Aachener Stammhauses SinnLeffers.

Im Westzipfel hatten die Gebrüder Sinn beim Verkauf von Kurzwaren ihre ersten Einzelhandelsstandorte neben Köln etabliert. Vor zehn Jahren zählte Sinn sogar 47 Niederlassungen in Deutschland mit fast 2400 Mitarbeitern. Danach geriet man immer wieder in Schieflage — obwohl vor allem die Aachener Dependance unter der Leitung von Johannes Liebens glänzende Zahlen schrieb. Anderswo sah es düster aus. Erst seitdem Göbel am Ruder bei SinnLeffers steht, nimmt das Modeflaggschiff wieder deutlich Fahrt auf.

Gewaltiges Neubauprojekt geplant: Friedrich Göbel, der Deutschlandchef von SinnLeffers.

Dazu gehört, Schwerpunkte zu setzen — und Verkaufsfläche an modernsten Standards auszurichten. Das wäre bei einer „Revitalisierung“, also belebenden Sanierung, schon allein wegen der verschachtelten Gebäudestruktur und der zu niedrigen Deckenhöhen kaum möglich. Im Jahr 2015 — also vor dem Insolvenzverfahren — hatte SinnLeffers bereits eine Erweiterung der Geschäftsräume entlang der Mostardstraße angedacht. Damals wollte man die dortigen Parkplätze mit zwei Etagen auf etwa 1400 Quadratmetern überbauen. Das Vorhaben wurde ad acta gelegt. Stattdessen soll es nun der ganz große Wurf werden.

Das stattliche Eckgrundstück gehört jeweils zur Hälfte einer Aachener Familie sowie einem spanischen Investor. Dem Vernehmen nach wurde man bereits in der Stadtverwaltung und der Kommunalpolitik vorstellig, um die Machbarkeit des ambitionierten Neubauvorhabens abzuklopfen — gefolgt von entsprechend positiven Signalen. Theoretisch sei ein Abriss bereits im kommenden Jahr machbar, der Neubau könnte bis zum Jahr 2021 stehen, heißt es. Aber selbstverständlich muss ein derartiges Projekt mit allen Beteiligten abgestimmt werden, dies könnte wohl etwas länger dauern.

Zeitgleich stehen auch drei Immobilien gegenüber von SinnLeffers auf der Großkölnstraße zur Disposition — darunter das ehemalige Roxy-Kino. Darin betreibt das Modehaus inzwischen ein trendiges „Marken-Outlet“, daneben seit Samstag eine spezielle Boutique für Cocktailkleider. Alle Zeichen stehen auf Expansion. Die Eigentümer der Häuser, darunter eine Versicherungsgesellschaft, denken hier offenbar ebenfalls an Abriss — und Neubauten für hochwertigen Einzelhandel. „Es ist dringend erforderlich, diesen zentralen Teil der Altstadt aufzuwerten. Auf größeren Flächen können wir unser Portfolio so ausspielen, wie es wünschenswert ist. Das Potenzial ist ohne jeden Zweifel da“, erklärt Johannes Liebens, Geschäftsführer des Aachener Stammhauses. Derzeit wird überlegt, wo SinnLeffers während der Abriss- und Bauzeit einen Interimsstandort nutzen könnte.

Mit dem Neubauvorhaben wäre eine weitere entscheidende Aufwertung der seit Jahren schwächer frequentierten Großkölnstraße verbunden. Etwas tiefer, stadtauswärts, sollen ein Lebensmittel-Discounter sowie ein Boarding House in einem von der List-Gruppe projektierten Neubau anstelle der abrissreifen Pfeiffer-Immobilien entstehen. Die Nordhorner Projektentwicklungsgesellschaft List Develop Commercial GmbH & Co. KG hatte die Schrottimmobilien vor einigen Wochen von Peek & Cloppenburg gekauft. Wann indes der von P&C seit langem angekündigte Neubau eines Weltstadthauses in der Adalbertstraße realisiert wird, bleibt weiterhin offen.

SinnLeffers will übrigens in naher Zukunft nur unter dem gerade in Aachen fest verankerten Namen Sinn firmieren — Leffers verschwindet. Für das Modehaus brechen an der Ecke Großkölnstraße/Mostardstraße neue Zeiten an. Darauf bauen nicht nur Göbel und Liebens, sondern auch die Einzelhändler in der Nachbarschaft — keineswegs nur Modegeschäfte.