Aachen: Silvia Moss wird Powerfrau mit Ausrufezeichen

Aachen : Silvia Moss wird Powerfrau mit Ausrufezeichen

Am Ende gab’s köstliche Schokozipfel! Natürlich aus dem Hause Moss! Die süßen Naschmittel waren quasi der Zuckerguss über einen ganz besonderen Abend, an welchem der Zonta-Club ihren alljährlich ausgelobten Preis der sogenannten „Pau!erfrau met Hazz“ (mit Ausrufezeichen) an die diesjährige Preisträgerin Silvia Moss übergab.

Der Club widmet diese Auszeichnung nun im vierten Jahr Frauen, die sich durch außergewöhnliches Engagement für Aachener Bürgerinnen und Bürger auszeichnen. Bisherige Preisträgerinnen waren die Schauspielerin Jasmin Schwiers, Schwester Maria Ursula von den Aachener Franziskanerinnen und Monika Strack. Sie alle haben sich gerade in sozialen Bereichen immer wieder hervorgetan, Silvia Moss steht ihnen in nichts nach.

Zonta-Club Präsidentin Renate Weidner überließ nach der musikalischen Begrüßung durch vier Schülerinnen von St. Ursula das Rednerpult Bürgermeisterin Hilde Scheidt, die in herzlichen Worten die Wahl von Silvia Moss ausdrücklich befürwortete. In ihrer Rede stellte sie die Bedeutung dieser Ehrung heraus, gelte es doch, soziale Verantwortung gerade im unternehmerischen Kontext zu leben. Es sei nicht selbstverständlich, dass Mitarbeiter gerne zur Arbeit kommen, Vertrauen müsse aufgebaut und immer wieder bestätigt werden. Dabei bleibe Silvia Moss gerne im Hintergrund, ließe die Ergebnisse ihrer Umtriebigkeit lieber für sich sprechen. Die Verarbeitung fair gehandelter Zutaten in den Moss‘schen Backstuben ist dabei ebenso selbstverständlich wie der faire Umgang mit den Mitarbeitern.

Alsdann wurde im Haus der evangelischen Kirche an der Frère-Roger-Straße der runde Familientisch eröffnet, an dem neben Moss und Weidner noch Tante Marion Moss Platz nahm. Das eine oder andere „Ameröllchen“ wurde in launiger Runde erzählt und rundete das Bild eines Menschen ab, der stets auf das Wohl der Anderen bedacht ist und nicht viel Aufhebens darum macht. So erfuhren die Gäste, dass Moss bereits vor vielen Jahren für junge Mütter Arbeitsmöglichkeiten schuf, als noch niemand an Kinder-Ganztagesbetreuung dachte.

Früh in Bäckerei eingestiegen

Moss selber schilderte ihren Einstieg ins Unternehmen eher traurig, war doch die lange Krankheit ihrer Mutter ursächlich dafür, dass Klein-Silvia nicht ihren Traumberuf Tierärztin realisieren konnte, sondern ins kalte Wasser respektive in die warme Backstube geworfen wurde. „Ich kam zwar noch nicht an die Kasse — und rechnen konnte ich auch noch nicht so gut, aber es gab immer irgendwelche netten Menschen, die mir geholfen haben“, schildert sie die ersten unternehmerischen Schritte. Irgendwann war für sie klar, dass sich etwas ändern muss in der Art der Geschäftsführung. Und so installierte sie gegen die Überzeugung des Vaters das Filialsystem, dem in der Folge viele nacheiferten.

Sie selbst möchte durch ihr soziales Verhalten schlicht „etwas zurückgeben“, wie sie es nennt. Eigentlich müsse sich für sie nicht viel ändern, es gehe ihr gut und daran sollen andere partizipieren. Ausdruck dafür ist auch der Umgang mit den Backwaren von gestern: Der größte Teil geht an die Tafeln, die sozial schwachen Menschen helfen. Bisher verkaufte man auf dem Adalbertsteinweg das Gute von gestern zum halben Preis. Doch diese Filiale wurde jetzt nach langen Diskussionen geschlossen, um diese Waren ebenfalls den Tafeln zur Verfügung stellen zu können. „Der Bedarf steigt weiter“, stellte Moss fest. Was dann noch übrig bleibt, geht in die nächste Bio-Gasanlage. In den Müll verschwindet im Hause Moss nichts.

Flüchtlinge eingestellt

Natürlich stellt sich Moss auch den Herausforderungen der Flüchtlingskrise. Drei junge Menschen arbeiten im Unternehmen und erfahren entsprechende Unterstützung, Ende offen. Andere Projekte wie der Benefizlauf, Misereor oder der Kinderschutzbund wissen seit langem um die große Hilfsbereitschaft bei Moss. Der Glücksstern, von dessen Verkauf ein Euro an den Kinderschutzbund geht, hat in den vergangenen Jahren viele tausende Euro Unterstützung eingebracht. Jetzt kommen noch 500 Euro dazu. Denn das Preisgeld stiftet Silvia Moss natürlich.

Mehr von Aachener Zeitung