Silvester: Auch die UWG Aachen fordert eine Zone ohne Feuerwerk

Antrag der Deutschen Umwelthilfe : Silvesternacht in Aachen ohne Böllerei?

Ins neue Jahr starten, ohne selbst ein paar Raketen in die Luft zu jagen? Das fordert zumindest die Deutsche Umwelthilfe. Der formelle Antrag, dass auch in Aachen die Silvesterknallerei zumindest eingeschränkt wird, ist am Montagabend bei der Stadt eingegangen. Ein ähnlicher Antrag der UWG liegt bereits seit Januar vor.

Die Post kam am Montagabend: Um 18 Uhr ging der formelle Antrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) bei der Stadt Aachen ein, die private Böllerei in der Silvesternacht zu verbieten beziehungsweise zu beschränken, wie das städtische Presseamt jetzt bestätigte. Zu diesem Zeitpunkt war die Meldung schon längst über die etablierten sowie die Sozialen Medien verbreitet und natürlich auch rasant schnell kommentiert worden.

Der offizielle Dienstweg scheint in dieser Hinsicht noch etwas träger und vor allem langsamer zu sein. Für die DUH ist dieser Antrag ein weiterer Baustein für die Luftreinhaltung. Neben Aachen bekamen deutschlandweit 30 weitere Städte Post, darunter Stuttgart, Gelsenkirchen, Köln und Dortmund. Sie alle gelten nach Ansicht der Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation als besonders feinstaubbelastet.

„Jedes Jahr aufs Neue verursacht die archaische Böllerei zum Jahreswechsel ‚dicke Luft‘ in unseren Städten, wie sie sonst in Smog-Hochburgen asiatischer Metropolen beklagt wird“, erklärte Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch in einer Pressemitteilung. Ganz auf die bunten Lichter sollen die Anwohner in der Silvesternacht aber auch nach Ansicht der Umwelthilfe nicht verzichten müssen. Die Feuerwerke könnten auch von professionellen Veranstaltern außerhalb der Stadtzentren organisiert werden. Möglich sei auch die Einrichtung von Gebieten, in denen privat geböllert werden dürfe.

„Wir werden den Antrag natürlich bearbeiten“, sagte Evelin Wölk vom städtischen Presseamt am Dienstag auf Anfrage unserer Zeitung. Eine inhaltliche Stellungnahme werde folgen. Diese soll dann auch einen Ratsantrag berücksichtigen, den die UWG bereits im Januar gestellt hat.

In diesem fordert die Unabhängige Wählergemeinschaft, die mit Christoph Allemand im Rat vertreten ist, eine feuerwerksfreie Zone auf dem gesamten Aachener Stadtgebiet – und zwar schon zum Silvesterabend 2019/20. Als „Kompensationsmaßnahme“ schlägt die UWG in ihrem Antrag eine schadstoffarme Variante eines „zentralen ‚Lichtereignisses’“ vor: kein klassisches Feuerwerk, sondern vielmehr eine Art Lasershow, ähnlich der erfolgreichen Veranstaltung „Dom im Licht“. Damit soll laut Ratsherr Allemand nicht nur die Feinstaubbelastung reduziert, sondern auch die Ansammlung von Müll vermieden werden. Das würde nicht nur den Menschen, sondern auch der Tierwelt zugute kommen.

„Für die Tiere sind Silvesterknaller erheblicher Stress“, bestätigte am Dienstag auch Lutz Vierthaler, Vorsitzender des Tierschutzvereins für die Städteregion Aachen. Und zwar nicht nur für Haustiere, sondern auch für Wildtiere. Belastend seien dabei nicht nur die lauten Knallgeräusche, sondern auch die Lichtblitze, erläutert Vierthaler.

Von dem Vorstoß der Deutschen Umwelthilfe, die bereits im Januar angekündigt hatte, ein Böllerverbot in deutschen Großstädten mit hoher Feinstaubbelastung durchzusetzen und dazu notfalls auch vor Gericht zu ziehen, erhofft sich die UWG nun Rückenwind. Eine Stellungnahme der Verwaltung dazu, ob und, wenn ja, wie ein Böllerverbot in der Silvesternacht umzusetzen sei, steht noch aus.

Unabhängig davon bereite die UWG zu diesem Thema eine Petition vor, berichtet Allemand. Ab Herbst wolle man Unterschriften für ein Böllerverbot sammeln. Er sieht die breite Öffentlichkeit auf seiner Seite. Schließlich werden 16 Prozent der jährlich im Straßenverkehr entstehenden Feinstaubmenge an Silvester innerhalb weniger Stunden freigesetzt, betont er. „Das sind Argumente, die in der Summe jeden vernünftigen Menschen überzeugen sollten.“