Aachen: Sie behalten kühlen Kopf im Vorweihnachts-Trubel: Verkehrskadetten

Aachen: Sie behalten kühlen Kopf im Vorweihnachts-Trubel: Verkehrskadetten

Michael Günter erinnert sich genau. Es geschah an einem Samstagmorgen, die Verkehrskadetten hatten allerhand zutun: Da kippte ein Mann, gerade einmal 28 Jahre alt, vor der Sparkasse am Münsterplatz einfach um — Herzversagen. Günter, zufällig in der Nähe, eilte zur Hilfe. Fünf Jahre später, wieder ein Samstagmorgen im Advent. An den Ampeln bilden sich Autoschlangen.

Michael Günter, 38, Leiter der Verkehrskadetten, bespricht in der Einsatzzentrale der Apag-Parkhäuser am Bushof mit Kollegen den Tagesablauf.

Es ist ein Tag wie geschaffen für die Verkehrskadetten: Der Weihnachtsmarkt zieht Touristen von weit her an; und die allermeisten reisen mit dem Auto an. „Die Leute haben nun ihr Weihnachtsgeld auf dem Konto“, sagt Günter — trotzdem sitzt der Geldbeutel nicht überall besonders locker, wie die erste Bilanz der Händler am Sonntagabend zeigen wird.

In der Apag-Leitstelle beobachten die Parkhauswärter auf acht an der Wand hängenden Monitoren die über 600 Kameras, die in den Parkhäusern und an anderen Knotenpunkten hängen. Zwar herrscht in der Zentrale meist geschäftige Ruhe. Doch an Tagen wie heute nutzen die Besucher oft die Sprechanlagen — mal um ein Problem im Parkhaus zu schildern, mal um bloß den Weg zu erfragen.

Für die Parkhausbetreiber ist es eine logistische Herausforderung, die Massen möglichst reibungslos und zügig zu den Stellplätzen zu lotsen. Deshalb ist Herbert Sliwinski, technischer Geschäftsführer der Apag, froh, auf die Verkehrskadetten setzen zu können. Dann wird der Überwachungsraum der Parkhäuser auch zur Einsatzzentrale der gelb gewandeten Helfer. Günter koordiniert von dort aus 30 Verkehrskadetten.

Von 11 Uhr an sind die Männer und Frauen unterwegs. Er und seine Mitstreiter wollen den Verkehr sicherer und angenehmer machen. Tausende Stunden stehen die Verkehrskadetten dafür pro Jahr an Kreuzungen und Einfahrten, an Tagen wie heute von morgens bis abends — ehrenamtlich. Die „Öcher Jonge und Öcher Mädchere“, wie Günter sie nennt, haben dafür besondere Befugnisse. Sie dürfen Straßen sperren, wenn diese überfüllt sind, weisen Autofahrer auf großen Parkplätzen zu den freien Flächen — oder müssen sogar Leben retten, wie Günter es vor fünf Jahren tat.

Den Mann konnte er damals wiederbelebt an die Rettungskräfte übergeben. „Solche Fälle sind natürlich die absolute Ausnahme“, sagt Günter. „Aber wenn viele Menschen auf engem Raum unterwegs sind, entstehen nicht selten stressige Situationen.“

Übersicht behalten, Anweisungen geben, Konflikte lösen: Es sind diese Fähigkeiten, die die Verkehrskadetten darüber hinaus lernen. Viele sind Jugendliche, die so soziale Kompetenzen vermittelt bekämen: „Manchmal kommen die Eltern nach einigen Monaten auf mich zu und sagen: ‚Mensch, was haben Sie da für einen selbstbewussten Menschen aus meinem Kind gemacht‘“, sagt Günter.

Er verweise dann auf die Arbeit seines ganzen Teams, in dem aus Kollegen Freunde würden und aus der Arbeit ein Hobby werde. Oft verbrächten die Kadetten nach einem langen Tag gemeinsam den Feierabend. Außerdem absolviere jeder eine theoretische und praktische Ausbildung, zu der Konfliktmanagement und Erste Hilfe gehört. Seit dem Herzversagen des jungen Mannes vor fünf Jahren besitzen die Verkehrskadetten auch eine Defibrillator — man möchte für alles gewappnet sein.

Diesmal kommt er zum Glück nicht zum Einsatz. Ein vergleichsweise harmloserer Zwischenfall sorgt jedoch am Sonntagmorgen für einige Aufregung: Um 9.52 Uhr rücken Experten der Stawag Richtung Adalbertstraße aus. Zwischen Galeria Kaufhof und Peterstraße ist ein Wasserrohr mit 15 Zentimetern Durchmesser geborsten, berichtet Stawag-Sprecherin Eva Wußing am Nachmittag.

Gegen 10.40 Uhr kann die Leitung provisorisch geschlossen werden. In der Zwischenzeit haben sich ausgerechnet am verkaufsoffenen Sonntag etliche Gehwegplatten vor den Geschäften angehoben — einige bleiben bis zum Abend ohne Wasseranschluss. So hält dieses zweite Adventswochenende nicht für alle nur Gutes bereit; eine eher durchwachsene Bilanz zieht aus Jörg Hamel, Geschäftsführer des Handelsverbands, am Sonntagabend.

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