Streit zwischen Stadt und Investor: Showdown im Tauziehen um Camp Hitfeld

Streit zwischen Stadt und Investor : Showdown im Tauziehen um Camp Hitfeld

Das Areal würde die perfekte Kulisse für einen postapokalyptischen Film à la „Mad Max“ abgeben. Ödnis und Ruinen bestimmen das Bild auf rund 400.000 Quadratmetern im Aachener Süden. Seit Jahrzehnten herrscht Menschenleere, wo einst belgische Soldaten das Bild bestimmten.

Und im Boden schlummern Giftcocktails, von denen niemand so richtig weiß, was sie so alles enthalten. Ab und zu rückt die Feuerwehr an, weil mal wieder jemand gezündelt hat. Es lässt sich eben so schön unbeobachtet hantieren auf dem Areal, das man Camp Hitfeld nennt.

Mehr als 20 Jahre lang wollte niemand der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) die schadstoffstrotzende Betonwüste abkaufen. Bis Ende 2017. Da trat Projektentwickler Norbert Hermanns auf den Plan, legte 715.650 Euro auf den Tisch und kaufte rund 377.000 Quadratmeter zu je 1,90 Euro. Prompt entdeckte auch die Stadt ihre Liebe zum Camp, das sie über Jahrzehnte verschmäht hatte. Und machte ein Vorkaufsrecht geltend. Doch Hermanns’ „Camp Hitfeld Eco Life GmbH“ wollte es nicht mehr hergeben – und klagte. Am Donnerstag nun kommt es – apropos filmreif – eine Stunde vor „High Noon“ zum Showdown im Kampf um den einstigen Ladenhüter. Um 11 Uhr wird Brunhilde Küppers-Aretz, Vorsitzende Richterin der 5. Kammer des Aachener Verwaltungsgerichts, die Sitzung eröffnen, bei der die Streitfrage juristisch aufgearbeitet wird. Wer als Sieger aus dem Verfahren herausgeht, dürfte die Dollarzeichen in den Augen haben. Bis dato lagen nämlich weite Teile des Areals in der Schutzzone des Wasserwerks Eicher Stollen. Doch dann kamen bei der Stawag Überlegungen auf, den Stollen aufzugeben.

Das war ziemlich genau zu dem Zeitpunkt, als der vordergründig überraschende Run auf die Brache begann. Mittlerweile ist es beschlossene Sache, dass der Eicher Stollen nur noch als Notreserve dienen wird, was voraussichtlich eine deutliche Verkleinerung der Schutzzone nach sich zieht.

Wie genau diese aussehen soll, bespricht die Stawag gerade mit der Bezirksregierung. Erste Gutachterentwürfe, die unserer Zeitung bekannt sind, zeigen eine Schutzzone, die Camp Hitfeld „zufällig“ fast komplett außen vor lässt. Vor allem jene Bereiche, bei denen man mittlerweile mit der Ansiedlung von Gewerbe liebäugelt – wie es auch im neuen Flächennutzungsplan ausgewiesen werden soll. Das war mit der Schutzzone nicht möglich, weswegen man zuletzt neben der Renaturierung von ungefähr der halben Fläche ein großes Solarfeld vorgesehen hatte.

Entsprechend den neuen Ideen hatte die Stadt das 2005 beschlossene Vorkaufsrecht dergestalt rückwirkend zum 30. Oktober 2017 – am 30. November kaufte Hermanns die Grundstücke – geändert, dass man eine „städtebauliche Entwicklung für (...) verträgliche gewerbliche Nutzungen in Betracht“ ziehe. Gegen diese Satzung führt die Klägerseite zahlreiche Argumente ins Feld. Schon formell sei sie unwirksam, weil man im Vorfeld gar nicht angehört worden sei. Zudem müsse man das Interesse der Stadt als gering einstufen, weil sie vorher nie die Gelegenheit genutzt habe, zu kaufen. Die Stadt bestreitet dagegen alle Argumente der Kläger.

War jüngst noch zu hören, dass es eine außergerichtliche Einigung geben könnte, so ist davon jetzt keine Rede mehr. Auf Nachfrage heißt es bei der Stadt lediglich, man wolle vor Gericht alle Argumente offen austauschen. Vielleicht will man auch hören, in welche Richtung die Richter tendieren, um dann doch noch einen Vergleich auszuhandeln. Schließlich wäre Hermanns so oder so daran gebunden, wie ein Bebauungsplan für das Areal später aussieht. Auf der anderen Seite hätte die Stadt keinen direkten Zugriff auf die Entwicklung. Es könnte also einen Deal geben, bei dem man sich aufeinander zu bewegt.

Der könnte nach Informationen unserer Zeitung so aussehen: Hermanns entwickelt das Gewerbegebiet und stellt es dann einem von der Stadt favorisierten Zweck zur Verfügung. Konkret ist die Rede von einem Gewerbecampus mit Schwerpunkt Elektromobilität. Gespräche darüber hat es auf höchster Ebene nach Informationen unserer Zeitung längst gegeben. Von Endzeitstimmung wäre dann jedenfalls keine Spur mehr in Camp Hitfeld.