Serienproduktion des „e.GO Life“ soll ab Herbst in Aachen starten

Aachen: Der „e.GO Life“ nimmt ab Mai in Rothe Erde Fahrt auf

Ein neuer Standort für die mobile Zukunft ist so gut wie perfekt: Auch mit dem Zeitplan zum Start der Serienproduktion für das lokale technologische Eigengewächs namens „Life“ hat die e.GO Mobile AG bislang bestens die Kurve bekommen.

Auf dem ehemligen Philips-Gelände in Rothe Erde hat die erste, hochmodern ausgestattete Produktionshalle zur Fertigung des wegweisenden Elektroflitzers „made in Aachen“ Gestalt angenommen. „Noch im Mai wollen wir in der Testphase mit der Herstellung von etwa 100 Fahrzeugen beginnen“, erklärte Unternehmensvorstand Professor Dr. Günther Schuh am Montag auf Nachfrage.

Dabei gehe es zunächst vor allem darum, die Straßenzulassung zu erhalten. Gegen Ende des Jahres sollen somit die ersten strombetriebenen „Life“-Kleinwagen — entwickelt und konzipiert auf dem RWTH-Campus Melaten — von den Bändern auf die öffentlichen Fahrbahnen rollen.

Offizieller Startschuss am 13. Juli

„Wir hoffen, dass wir zur offiziellen Eröffnung am 13. Juli neben ersten Kunden, die bereits Fahrzeuge bestellt haben, auch Ministerpräsident Armin Laschet und Oberbürgermeister Marcel Philipp begrüßen können“, sagte Schuh. Einen entscheidenden Anschub erhielt das Großprojekt schließlich nicht zuletzt durch einen Landeszuschuss in Höhe von knapp drei Millionen Euro.

Und auch in personeller Hinsicht — Stichwort „Manpower“ — wird bei den Aachener Autobauern dieser Tage geklotzt statt gekleckert. „Wir haben in kurzer Zeit etliche neue Kollegen einstellen können, eine Vielzahl von Bewerbungen wird derzeit noch gesichtet“, so Unternehmenssprecherin Christine Häußler. Momentan zählt e.GO Mobile rund 200 Mitarbeiter, auf absehbare Zeit soll der Stamm der Beschäftigten um das Zehnfache auf rund 2000 anwachsen.

Denn bereits 2019 sollen am Standort Rothe Erde rund 10.000 „Life“-Modelle produziert werden. Auch der Bau einer zweiten von insgesamt drei geplanten e.GO-Produktionshallen schreitet auf dem Philips-Gelände voran. Dort sollen ab kommendem Herbst auf rund 4000 Quadratmetern die Aluminium-Chassis in Serie hergestellt werden, die vorläufig noch am Forschungsstandort auf dem RWTH-Campus produziert werden. „Ab 2020 wollen wir, dann im Zwei-Schicht-Betrieb, rund 20.000 Fahrzeuge pro Jahr bauen“, sagte Schuh.

Bei der Fertigung helfen neueste computergesteuerte Prozesse, hochpräzise Messarme kommen bei der Gestaltung der Karosserien zum Einsatz, über spezielle Echtzeit-Systeme werden die jeweiligen Produktionsbausteine automatisch aktualisiert. Per Monitor können dreidimensionale Montageanleitungen abgerufen werden.

Gemeinsam mit der Triwo AG, die den „Techno Park Aachen“ auf dem alten Industrieareal inzwischen betreibt, investieren die Autobauer in die ersten beiden Standorte rund 47 Millionen Euro; weitere 60 Millionen sollen laut Schuh in die Schaffung eines großen dritten Werkes fließen. Dort soll dann auch die Serienproduktion des geplanten „e.GO Mover“ realisiert werden.

2862 Fahrzeuge bereits bestellt

Unterdessen wächst auch die Nachfrage nach dem batteriebetriebenen Stadtmobil „Life“ langsam, aber kontinuierlich. „Bis zum vergangenen Sonntag haben wir genau 2862 Vorbestellungen entgegengenommen“, berichtete Christine Häußler. Das Elektroauto ist ab 15.900 Euro zu haben und verfügt über eine Leistung von 20, 40 oder 60 Kilowatt (27, 54 oder knapp 82 PS). Der kleinste „Life“-Flitzer schafft unter realen Bedingungen immerhin 104 Kilometer Strecke, die Reichweite der beiden größeren Modelle beträgt 114 bzw. 154 Kilometer, bevor die nächste Ladestation angesteuert werden muss — also nicht zwangsläufig im direkten Umfeld des brandneuen Produktionszentrums im Aachener Osten.