Aachen: SEK-Einsatz in Aachen: Ein „Bumm“ und einige Festnahmen

Aachen : SEK-Einsatz in Aachen: Ein „Bumm“ und einige Festnahmen

„Wahrscheinlich IS-Typen“, mutmaßt der Mann, der interessiert in die Eckenerstraße blickt. Doch so wirken die gefesselten Männer, die gerade von einer ganzen Kompanie Polizisten aus einem Haus an der Ecke Trierer Straße — in Nachbarschaft der dortigen Tankstelle — geführt werden, nicht gerade.

Sie sehen eher wie der Typ „Bodybuilder-Kante“ aus. Und zumindest einer von ihnen hat ziemlich geschwollene Augen. Das mag daran liegen, dass kurz zuvor Spezialkräfte der Polizei das Haus gestürmt haben.

In der Buschstraße soll es nach 19 Uhr einen zweiten Polizeieinsatz gegeben haben. Foto: Ralf Roeger

Es ist ziemlich genau 17 Uhr, als es deutlich vernehmbar „bumm“ macht. Vermutlich haben die vermummten Polizisten bei der Stürmung eine Blend- oder Tränengasgranate eingesetzt. Rundherum sind etliche Polizeifahrzeuge aufgefahren. Die Einfahrt zur Eckenerstraße wird für Autofahrer wie Passanten gesperrt. Auf dem Dach eines Hauses hat sich ebenfalls ein Polizist postiert.

Ein Haus wurde gestürmt und mehrere Personen festgenommen. Foto: Stephan Mohne

Mehrere Rettungswagen der Feuerwehr stehen überdies parat. Aus den Fenstern der Nachbarhäuser lugen Schaulustige, die sich fragen, was denn da abgeht. Anhand der Masse der eingesetzten Beamten kann man mutmaßen, dass es sich bei den Männern, die sie im Visier haben, nicht nur im körperlichen Sinne um „schwere Jungs“ handelt.

Ein Haus wurde gestürmt und mehrere Personen festgenommen. Foto: Stephan Mohne

Nachdem das Haus gestürmt ist, kommen Rettungssanitäter und der Notarzt zum Einsatz. Offenkundig müssen die Bewohner nach dem Einsatz der Granate behandelt werden. Mit einem Rettungswagen wird aber niemand abtransportiert.

Ein Haus wurde gestürmt und mehrere Personen festgenommen. Foto: Stephan Mohne

Von der Trierer Straße aus kommt ein Mann, der den Festgenommenen von der Körperstatur her ziemlich ähnlich sieht. Er läuft direkt in die Polizeiabsperrung und fragt verdutzt: „Was ist denn hier los?“ Wo er denn hinwolle, will ein Polizist wissen. „Zu den Kumpels“ in besagtem Haus, antwortet der Mann. „Mitkommen!“, erwidert der Polizist. Der Mann wird gleich an einer Hauswand gründlich durchsucht und festgesetzt.

Einige Stunden vorher: Gegen Mittag fahren Einsatzfahrzeuge auf das Gelände des Technischen Hilfswerks an der Eckenerstraße. Es werden mehr und mehr. Allerdings sind es keine THW-Fahrzeuge. Vielmehr sind aus mehreren Landesteilen Polizisten zusammengezogen worden. Auch die Rettungskräfte treffen sich dort mit der Polizei. Die „Sammelstelle“ liegt mithin nur wenige hundert Meter vom späteren Einsatzort entfernt.

Doch die Verdächtigen bekommen davon offensichtlich nichts mit. Zu dem Einsatzort rollen schließlich zuerst die nicht als Polizeifahrzeuge erkennbaren Transporter der Spezialkräfte, die für solch einen Einsatz wie üblich schwer bewaffnet als erste zum Einsatz kommen. Nach dem Groben übernimmt anschließend die Aachener Kripo die Feinarbeit, während Kräfte mehrerer Einsatzhundertschaften aus verschiedenen Städten für die Absperrungen sorgen.

Auf der Trierer Straße rollt zu dieser Stunde der Berufsverkehr — und mancher Autofahrer steigt mal kurz in die Eisen, um zu sehen, was da abgeht. Die Tankstelle hat indes keine Umsatzeinbußen. Die Polizei hält die Zufahrt offen.

Schließlich werden besagte „Kumpels“ — drei an der Zahl —nach und nach aus dem Haus geführt. Einem hat man eine Decke über den Kopf gelegt, einem anderen eine Kapuze übergestülpt, bevor man sie in die „grüne Minna“ verfrachtet. Nach rund einer Stunde machen sich zunächst die Rettungskräfte auf den „Heimweg“, dann die einzelnen Abteilungen der Polizei. Die Männer werden schließlich ins Präsidium gebracht, wo sie vermutlich von Kripo und Staatsanwaltschaft verhört werden.

Letztere ist bei diesem Einsatz federführend. Auf AZ-Anfrage sagt Jost Schützeberg, Sprecher der Behörde, dass gegen die Verdächtigen bereits länger ermittelt werde. Sie stünden in dem dringenden Verdacht, mit Drogen zu handeln. Im Vorfeld habe man Haftbefehle erwirkt, die bei dem Zugriff vollstreckt werden sollten. Mehr kann die Staatsanwaltschaft an diesem Tag noch nicht sagen. Dem Vernehmen nach sollen aber bei der Durchsuchung des Hauses Drogen gefunden worden sein. Fest steht damit: Um „IS-Typen“ ging es bei dem Einsatz nicht.

Abends gibt es dann den nächsten Polizeieinsatz in Brand, nach AZ-Informationen in einem Haus in der Buschstraße. Augenzeugen zufolge wird dort auch ein Fahrzeug mit Spürhunden durchsucht. Ob die beiden Einsätze in einem Zusammenhang stehen, ist am späten Abend nicht zu klären.

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