Schulzentrum Laurensberg: Seit 40 Jahren prägt Anne Frank das Schulleben

Schulzentrum Laurensberg : Seit 40 Jahren prägt Anne Frank das Schulleben

Vor 40 Jahren erhielt das Anne-Frank-Gymnasium seinen Namen und zog vom Brüsseler Ring in das nagelneue Schulzentrum am Hander Weg in Laurensberg. Am Samstag wird das 40-Jährige mit einem großen Schulfest gefeiert.

Im Anne-Frank-Gymnasium hängt in einem Flur ein großes Foto der Namensgeberin der Schule. Es ist nicht das Bild des jüdischen Mädchens, das in aller Welt bekannt ist. Vielmehr zeigt die Reproduktion eines alten Fotos die fünfjährige Anne Frank in Aachen. Das Kind sitzt auf einer sogenannten Fotowaage, die damals offenbar an der Komphausbadstraße stand. Gut 24 Kilo bringt das Mädchen, das im September 1934 in die Kamera lächelt, damals auf die Waage. Anne Frank hat da keine elf Jahre mehr zu leben bis zu ihrem Tod im Konzentrationslager Bergen-Belsen.

Im Gedenken an das Schicksal des Mädchens trägt in Aachen seit 40 Jahren ein Gymnasium den Namen Anne Franks. Diese rund Zahl feiert das Anne-Frank-Gymnasium am Samstag, 21. September, mit einem großen Fest. Vor 40 Jahren erhielt die Schule aber nicht nur den Namen Anne-Frank-Gymnasium, sie öffnete auch am neuen Standort im Schulzentrum Laurensberg ihre Türen. Das Gymnasium allerdings gibt es schon viel länger.

Gegründet wurde es 1955. Die Waldschule Breuer am Brüsseler Ring war ursprünglich ein privates Gymnasium mit Internat. 1970 ging die Schule in städtische Trägerschaft über. 1979 zog das Gymnasium unter dem neuen Namen Anne-Frank-Gymnasium an den Hander Weg, gemeinsam mit der Realschule von der Lütticher Straße und der Hauptschule aus Vetschau, die beide ebenfalls den Namen Anne Franks übernahmen. Kuriosität am Rande: Der jetzige Schulleiter Wolfgang Gurzan bewohnte ab 1977 ein Studentenzimmerchen ausgerechnet in der Villa am Brüsseler Ring, in der das Gymnasium, das 2014 sein Arbeitsplatz werden sollte, untergebracht war.

Dieses Bild zeigt Anne Frank im Alter von fünf Jahren in Aachen. Aufgenommen wurde es im September 1934 an der Komphausbadstraße von einer sogenannten Fotowaage. Foto: dmp Press/Ralf Roeger

Der Umzug von der gemütlichen Schule am Brüsseler Ring in das moderne, große Haus in Laurensberg vor 40 Jahren muss einigermaßen turbulent gewesen sein. Das Gebäude war noch nicht ganz fertig, der Schulhof war nach heftigen Regenfällen eine Schlammwüste. „Man hatte offenbar große Angst, dass die Schüler in der neuen Umgebung nicht klarkämen“, berichtet Gurzan. „Anfangs mussten sich die Kinder klassenweise am Hander Weg aufstellen und wurden von den Lehrern in ihre Klassen begleitet.“

Und dann ging in den 1980er Jahren der Kampf um die Gesamtschule los. Weil es in Aachen keine politische Mehrheit für diese neue Schulform gab, wurde die Gründung von der Bezirksregierung verordnet. Auch ein Gymnasium sollte darin aufgehen. Und als sich Laurensberg als Standort herauskristallisierte, „da stand es für das Anne-Frank-Gymnasium auf Messers Schneide“, sagt Gurzan. Schüler, Eltern und Lehrer kämpften aber letztlich mit Erfolg für den Erhalt ihrer Schule.

Das ist längst Geschichte. Seit vielen Jahren arbeiten Anne-Frank-Gymnasium und Heinrich-Heine-Gesamtschule nun schon in einem Gebäude nebeneinander. Ohne Konflikte geht das nicht ab. Um Reibereien möglichst zu vermeiden, haben die Schulen sogar unterschiedliche Pausenzeiten. Schließlich wären sonst rund 1500 junge Leute gleichzeitig auf dem Schulhof. Aber es gibt auch gemeinsame Veranstaltungen und eine gut funktionierende Zusammenarbeit bei den Leistungskursen in der Oberstufe. Kleine Leistungskurse in Fächern wie Kunst, Pädagogik oder Physik kämen wohl sonst oft nicht zustande, sagt Gurzan: „Von der Zusammenarbeit profitieren beide Schulen.“

Punkten kann das Anne-Frank-Gymnasium aus Sicht des Schulleiters mit dem großen Außengelände, mit guten Sportanlagen und einem Leistungskurs Sport, den auch längst nicht jede Schule zu bieten hat. Die aktuell „nur“ 50 Fünftklässler in einer eigentlich dreizügigen Schule bereiten Gurzan dagegen durchaus Sorgen. „Wir sind fast eine reine Stadtteilschule“, sagt er. „Und wenn zum Beispiel die Zubringerschulen in Laurensberg und Richterich schwächere Jahrgänge haben, dann merken wir das sofort.“

Vor diesem Hintergrund geht die Schule daran, ihr Profil weiter zu schärfen. „Wir sind eines der wenigen Gymnasien mit Informatik als Unterrichtsfach in den Klassen 5 und 6“, sagt Gurzan. Umgesetzt wird das seit gut einem Jahr im Rahmen eines Landesprojekts. „Informatik ist bei uns also von der Klasse 5 bis zur 12 durchgehend möglich“, sagt Gurzan. Und im nächsten Schuljahr soll im siebten Schuljahr die erst iPad-Klasse an den Start gehen.

Anne Frank, die Namensgeberin der Schule, spielt im Alltag eine große Rolle. „Anne Frank ist eine gute Identifikationsfigur für junge Leute“, sagt Gurzan. „Wir lesen natürlich ihr Tagebuch, die Neunerklassen fahren ins Anne-Frank-Haus nach Amsterdam, in der Oberstufe ist das Dokumentationszentrum in Vogelsang ein Ziel.“ Im Geiste Anne Franks werde sozialer Einsatz großgeschrieben, beschreibt der Schulleiter. Es gibt Aktionen zugunsten des UN-Kinderhilfswerks Unicef, es gibt Unterstützung für Flüchtlinge im Stadtteil und Engagement gegen Rassismus. Im Rahmen des Festtags am 21. September wird die Schule offiziell als Fair-Trade-Schule ausgezeichnet. Und im Projekt „75 Jahre Befreiung und Demokratie“ folgen Schüler aus Aachen und dem niederländischen Heerlen gemeinsam den Spuren des Zweiten Weltkriegs. Und spätestens da schließt sich wieder der Kreis zu Anne Frank, der Fünfjährigen, die 1934 in Aachen auf einer Fotowaage sitzt.

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