Aachen: Sein Anliegen: Den Bürger mehr mitentscheiden lassen

Aachen: Sein Anliegen: Den Bürger mehr mitentscheiden lassen

Es gibt Dinge, an denen verschwendet Horst Schnitzler nicht viele Gedanken. Sein Alter zum Beispiel. Auf die Frage nach selbigem kommt der OB-Kandidat der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) mächtig ins Grübeln.

„Meine Kinder und meine Frau haben meinen Geburtstag immer auf dem Schirm. Ich häng‘ nicht so sehr daran“, sagt er, lacht und nippt an seinem Tee. Dann schießt ihm die Zahl doch noch durch den Kopf: 60.

Es sind andere Sachen, die den gebürtigen Aachener umtreiben. Deswegen sitzt er seit zehn Jahren im Rat, tritt zum dritten Mal als OB-Kandidat an. Dabei hatte er bis 2003 mit der institutionellen Politik nur wenig am Hut. „Politisch war ich dagegen immer“, betont er. Das mehr daraus wurde, liegt vor allem an seiner Tochter.

Horst Schnitzler ist ein Mensch der Bürgerinitiativen. Bis heute hin. 2003 protestierte er mit vielen weiteren Aachenern gegen die Orsbacher Nerzfarm. Auf dem Arm dabei: seine damals fünfjährige Tochter. Die fragte sodann den Papa: „Was machen wir hier eigentlich?“ Der Vater erklärte es so kindgerecht wie möglich. Die logische Schlussfolgerung seiner Tochter kam prompt wie folgenschwer: „Dann mach doch was dagegen, Papa!“ Für Schnitzler bedeutete dies Auftrag und Verpflichtung zugleich. Er engagierte sich verstärkt politisch, und kandidiert nun zum dritten Mal für den Stadtrat.

Hort Schnitzler ist ein Stadtmensch. Er liebt es, wie das Leben in seiner Heimat, dem Südviertel, pulsiert. Dort genießt er das Zusammensein mit seinen Nachbarn — sei es im Gemeinschaftsgarten „Hirsch-Grün“ in der Richard-straße, den er mit betreibt, oder bei einer der zahlreichen kulturellen Angebote. Und ab da wird es wieder politisch: Der UWG-Mann pocht auf eine bessere Förderung der freien kulturellen Szene. „Die muss in der Stadt besser verankert werden“, fordert er.

Darüber hinaus ist ihm die Schaffung von günstigem Wohnungen für sozial Schwache ein Anliegen. Allein durch den Bau der Aquis Plaza seien 7500 Quadratmeter Wohnraum in der City weggefallen, rechnet Schnitzler vor. „Nur halb so viel Ersatzwohnraum ist geschaffen worden, und der dann in völlig anderen Preisklassen.“ Hier sieht er die Stadt, aber auch die Investoren in der Pflicht. Schnitzlers Forderung: Investoren müssten in Abhängigkeit von der Größe ihres Bauvorhabens dazu verpflichtet werden, günstigen Wohnraum zu schaffen. „Das geht, wenn man will“, glaubt der Politiker.

Der Mediengestalter und -techniker, der unter anderem auch Schulverweigerer unterrichtet, ist ein Mann, der vor allem mehr Bürgerbeteiligung fordert. Sich selbst sieht er als Ratsherr in einer Art Schnittstellenfunktion. „Ich bin weiterhin bei zahlreichen außerparlamentarischen Initiativen in Aachen beteiligt. Das bedeutet mir viel. Die Themen, die die Menschen auf der Straße beschäftigt, möchte ich so in den Rat tragen.“

Horst Schnitzler ist der etwas andere Kommunalpolitiker. Er trägt Ohrring und kleidet sich leger. „Mit Liebe anders“, prangt auf seinem dunkelblauen Wahl-T-Shirt. Der positive Ansatz des Slogans gefalle ihm, sagt er. Ein ständiges Dagegen sei nämlich nicht sein Ding.

Schnitzler macht keinen Hehl daraus, dass ihm bewusst sei, dass er gegen starke Konkurrenz ins OB-Rennen geht. „Aber als UWG haben wir gute Außenseiterchancen. Wir können unsere Themen platzieren“, glaubt er. Das sage ihm — dem Stadtmenschen und aktiven Bürgerrechtler — sein Gefühl.

Und was löst beim Privatmenschen Schnitzler gute Gefühle aus? Wieder überlegt er lange. „Ich singe hin und wieder gerne Karaoke“, sagt er schließlich mit einem Schmunzeln. Dort gebe es für jeden Applaus. Im Politik-Alltag findet er so etwas eher selten.