Seebrücke: 300 Menschen demonstrieren in der Aachener City

Initiative Seebrücke protestiert auch in Aachen : „Stoppt das Sterben, nicht die Retter!“

Rund ein Jahr ist es her, dass die Initiative Seebrücke Aachen das letzte Mal auf die Straße gegangen ist, um gegen die europäische Flüchtlingspolitik und Kriminalisierung der Seenotrettung zu demonstrieren. Jetzt fand erneut eine Demonstration statt – aus gegebenem Anlass.

Vergangene Woche war Carola Rackete, Kapitänin der Seenotrettungsorganisation „Sea-Watch“, auf der italienischen Insel Lampedusa verhaftet worden, nachdem sie ein Verbot der italienischen Behörden missachtete und über 40 gerettete Migranten an Land brachte. Inzwischen ist Rackete wieder frei, die Ermittlungen gegen sie laufen noch. Ihre Verhaftung rückte die dramatische Lage auf dem Mittelmeer und die Haltung Europas in Fragen der Seenotrettung und Flüchtlingspolitik wieder in den Mittelpunkt der gesellschaftlichen Debatte.

Aufgrund dieser Geschehnisse gingen am Samstag deutschlandweit über 30.000 Menschen auf die Straße (siehe Politikteil). In Aachen fanden sich rund 300 Menschen am Marktplatz zusammen, um für die privaten Seenotretter auf dem Mittelmeer zu demonstrieren. Kathi Grudin, Gründungsmitglied der Seebrücke Aachen, stellte in ihrer Rede vor dem Rathaus frustriert fest: „Unsere Forderungen sind immer noch die gleichen. Immer noch irren Schiffe übers Meer, finden keinen Hafen, in dem sie anlegen dürfen und immer noch ertrinken Menschen.“

Auch Kapitänin Rackete wendete sich in einer kurzen Audio-Botschaft an die Demonstrantinnen und Demonstranten. Momentan gebe es gar nicht so viele Menschen, die die riskalnte Flucht übers Meer wagten. Auch gebe es rund 60 deutsche Kommunen, die Geflüchtete aufnehmen würden – und doch müssten Menschen im Mittelmeer sterben. „Wenn man dafür keine Lösung finden kann, ist das wirklich beschämend!“, erklärte Rackete. Sie appellierte außerdem an die Engagierten der Seebrücke: „Solange wir zusammenhalten, können wir etwas verändern!“

Vom Marktplatz aus setzte sich der Demonstrationszug in Richtung Driescher Gässchen in Bewegung, um von dort über den Bushof zum Elisenbrunnen zu ziehen. Die Demonstranten skandierten „Seenotrettung ist kein Verbrechen!“ und schwenkten Plakate mit bekannten Sprüchen: „Stoppt das Sterben, nicht die Retter!“ Vom Elisenbrunnen ging es am Theater vorbei bis zur Jakobstraße und wieder zurück zum Markt.

Auch Europarat- und Bundestagsmitglied Andrej Hunko von der Linken sprach sich in seiner Rede klar gegen die aktuelle europäische Politik aus. „Die Rücksendung von Geflüchteten in die Folterlager Libyens ist völkerrechtswidrig“, erklärte er. Die Rettung und Aufnahme von Geflüchteten sei keine Frage. Die gegenwärtigen Geschehnisse rund um die Kapitänin der „Sea-Watch 3“ symbolisierten „die momentane politische Erosion, durch die Errungenschaften unserer Demokratie zur Disposition gestellt werden.“ Das gelte es zu verhindern. Denn, so Hunko: „Wir dürfen das Gebot der Menschlichkeit niemals verlieren!“

Hier geht es zur Bilderstrecke: Hunderte bei „Seebrücke“-Demo in Aachen

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