Aachen: Schwertbad: Freitag soll Entscheidung fallen

Aachen : Schwertbad: Freitag soll Entscheidung fallen

Die Zahl zeigt eindrucksvoll, welche Rückendeckung die Kurklinik auch weit über die Grenzen Burtscheids hinaus genießt: Fast 3000 Unterschriften für den Erhalt des Hauses überreicht der Betriebsrat des „neuen“ Schwertbades, in dem die alte Rehaklinik gleichen Namens mit der benachbarten Rheumaklinik fusioniert worden ist, am Donnerstagmittag dem Geschäftsführer.

Und Detlef Hambücker, der das Haus am Burtscheider Markt leitet, bedankt sich freundlich, nimmt die Unterschriften und geht. Aber was soll der Mann auch sagen? Denn die Entscheidung, ob der traditionsreiche Kurstandort geschlossen oder erweitert werden soll, fällt nicht in Aachen, sondern im rheinland-pfälzischen Waldbreitbach. Dort residiert die katholische Marienhaus-Unternehmensgruppe, der die Burtscheider Rehaklinik gehört. Und dort trifft sich am heutigen Freitag der Stiftungsvorstand, um den Daumen über dem Schwertbad zu heben oder zu senken.

Damit endet dann voraussichtlich ein beispielloses Tauziehen um das Haus mit rund 270 Mitarbeitern, in dem es nächtelange Verhandlungen sowie etliche Fristen und Ultimaten gab und das in nicht wenigen Mitarbeitern das Gefühl weckte, Opfer einer knallharten Erpressung zu werden. Denn ein Teil der Belegschaft — genauer gesagt die rund 100 ehemaligen Rheumaklinik-Beschäftigten — sollen den Fortbestand der Klinik mit einem „freiwilligen“ Gehaltsverzicht erkaufen. 325.000 Euro sollen so pro Jahr eingespart werden. Gelingt dies, plant die Marienhaus-Gruppe sogar einen 30-Millionen-Euro-Neubau, gelingt es nicht, wird der Laden dichtgemacht. Bis Donnerstag sollten die Mitarbeiter die neuen Verträge unterzeichnen.

Und Freitag soll das lange Bangen ein Ende haben — und damit auch eine extreme Ausnahmesituation, die bei vielen Mitarbeitern zu „Fassungslosigkeit“ und „Ohnmacht“ geführt habe, wie Theresa Küppers in zahllosen Gesprächen festgestellt hat. Sie arbeitet für das Bistum Aachen als Seelsorgerin in den Burtscheider Kurkliniken und hatte zuletzt alle Hände voll zu tun. Dass jeder Einzelne mit seiner Entscheidung das Schicksal von 270 Mitarbeitern beeinflusse, sei eine bedrückende Situation, sagt Küppers: „Viele stecken in einem Dilemma, das nicht zu lösen ist.“

Alle Hände voll zu tun hatte auch der Betriebsrat, der den Gehaltsverzicht mit dem Arbeitgeber in einer Betriebsversammlung fixiert und „einige Zugeständnisse erkämpft“ hat, wie Betriebsrätin Anne Labusch sagt. Fast rund um die Uhr wurden seitdem die Kollegen beraten, Freitagmittag ab 12 Uhr will man noch einmal eine Mahnwache in der Burtscheider Fußgängerzone einrichten.

Ungefähr zur gleichen Zeit dürfte sich in Waldbreitbach der Daumen heben oder senken. Eine Tendenz ist am Donnerstag noch nicht zu ermitteln. „Wir sind dabei, die Rückmeldungen aus der Belegschaft auszuwerten“, erklärt Unternehmenssprecher Heribert Frieling. Die 3000 Aachener Unterschriften dürften aber kaum als „Rückmeldung“ gewertet werden.

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