Schutz vor sexueller Gewalt

Neues Beratungsangebot : Sexuelle Gewalt ist kein Problem allein der Frauen

Es war 2010, als bei den Aachener Sozialarbeiterinnen von „RückHalt“ zum ersten Mal ein Mann anrief. Das ist insofern bemerkenswert, weil die Beratungsstelle bis im Herbst vergangenen Jahres noch „Frauennotruf“ hieß.

Mittlerweile haben sich bereits mehr als drei Dutzend Männer auf der Suche nach Hilfe an die Beraterinnen gewandt, und es wurde schnell klar, dass hier offenbar ein dramatischer Missstand vorliegt. Nun wurde mit „RückHalt-M“ erstmals in der Städteregion eine Beratungsstelle eigens für von sexueller Gewalt betroffene Männer eingerichtet, die ab sofort ihre Arbeit aufnimmt.

Es war 2010, als bei den Aachener Sozialarbeiterinnen von „RückHalt“ zum ersten Mal ein Mann anrief. Das ist insofern bemerkenswert, weil die Beratungsstelle bis im Herbst vergangenen Jahres noch „Frauennotruf“ hieß. Mittlerweile haben sich bereits mehr als drei Dutzend Männer auf der Suche nach Hilfe an die Beraterinnen gewandt, und es wurde schnell klar, dass hier offenbar ein dramatischer Missstand vorliegt. Nun wurde mit „RückHalt-M“ erstmals in der Städteregion eine Beratungsstelle eigens für von sexueller Gewalt betroffene Männer eingerichtet, die ab sofort ihre Arbeit aufnimmt.Gerade weil sich die Stelle zuvor strikt an Mädchen und Frauen als Opfer sexueller Gewalt gewandt habe, sei das Team lange vor der Frage gestanden, welche Angebote man betroffenen Männern bieten könne, erklärt „RückHalt“-Geschäftsführerin Agnes Zilligen. Denn obwohl das Thema vor dem Hintergrund der Missbrauchsfälle im kirchlichen Umfeld stark in die öffentliche Wahrnehmung gerückt sei, seien die Hürden für Männer noch immer sehr hoch, um sich Hilfe zu holen. Das soll sich mit dem kostenlosen Angebot von „RückHalt-M“ nun ändern.

„Sexuelle Übergriffe beginnen dort, wo Grenzen überschritten werden. Das können bereits verbale Äußerungen sein, aber auch ungewollte Berührungen oder Belästigungen bis hin zu Vergewaltigung und Missbrauch“, betont Fachberaterin Nina Körner. Sie ist eine von zwei Ansprechpersonen im neuen Team, und das ist auch gleich die erste Besonderheit dabei. Die Hilfesuchenden können nämlich auswählen, ob sie sich lieber von einem Mann oder einer Frau beraten lassen möchten.

„Das ist ein wichtiger Aspekt, da manche eher den Kontakt zu einer Frau suchen, weil die erlebte Gewalt – etwa in der Kindheit – oft von einem Mann ausgegangen war“, sagt Said Giancoli, der als Psychologe im „RückHalt-M“-Team arbeitet. „Wir bieten dabei in erster Linie psychologische Beratung, um die Betroffenen zu stabilisieren und helfen beispielsweise bei Gängen zu Behörden, zur Polizei oder vor Gericht.“ Sie könnten zwar keine Trauma-Therapien anbieten, so ergänzt er, aber dabei helfen, wieder zu einem geordneten Alltagsleben zurückzufinden.

Dazu stehen in den Räumen von „RückHalt“ an der Franzstraße 107 in Aachen ab sofort separate Beratungsstellen für Frauen und Männer zur Verfügung. Noch ist dies die einzige Einrichtung dieser Art in der Städteregion und sie macht deutlich, dass eben auch Männer sexuelle Gewalt erleben und entsprechend spezialisierte Hilfe brauchen. Dazu muss vielleicht nicht nur die Gesellschaft noch an ihrem althergebrachten Bild vom „starken Mann“ rütteln, sondern auch die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen. Seit Monaten wartet das Team von „RückHalt“ nämlich bereits auf eine Antwort auf die Nachfrage, ob dieses Projekt mit einer Förderung aus Landesmitteln rechnen könne. Vorläufig ist man deshalb auf freiwillige Spenden angewiesen.

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