Schulausschuss Aachen diskutiert hitzig über Bonussystem

Digitale Ausstattung an Schulen : Opposition befürchtet „Zweiklassengesellschaft“

Ein Koffer iPads für ein Medienkonzept: Das geplante Bonussystem hat im Schulausschuss eine hitzige und emotionale Diskussion ausgelöst. Denn nur Gesamtschulen und Gymnasien sollen von dem Zuschuss profitieren, während andere Schulformen leer ausgehen. Die Opposition befürchtet deshalb eine „Zweiklassengesellschaft“ an den Schulen.

Sie sind handlich, fahren auf Rollen und sollen einen modernen Unterricht ermöglichen. Doch die mobilen Tabletkoffer, die einigen Aachener Schulen im Gegenzug für ein Medienkonzept in Aussicht gestellt werden, haben im Schulausschuss eine Wirkung erzielt, die deutlich über die eigentliche Funktion der mobilen Endgeräte hinausgeht: Hitzig und emotional diskutierten die Schulpolitiker über die digitale Ausstattung im Unterricht. Schlagworte wie „Chancengleichheit“ und „Gleichmacherei“ fielen ebenso wie die eindringliche Warnung vor einer „Zweiklassengesellschaft“.

Hintergrund ist das Bonussystem, das die Politik bereits im vergangenen Jahr beschlossen hat und dessen konkrete Umsetzung am Dienstag im Schulausschuss diskutiert wurde. Dieses sieht vor, dass Schulen, die ihr Medienkonzept bis zum Ende des laufenden Schuljahres vorlegen und ohne große Änderungen genehmigt bekommen, pro Zug 2000 Euro zusätzlich für die Ausrüstung mit mobilen Medienkoffern erhalten. Schulen, die ihr Medienkonzept bis Ende des Schuljahres 2019/20 einreichen, sollen 1000 Euro pro Zug erhalten.

Doch nicht alle Schulformen profitieren von dem System. Lediglich Gymnasien und Gesamtschulen erhalten den Zuschlag – ein Umstand, den die Opposition scharf kritisierte. „Wir schaffen eine Zweiklassengesellschaft an unseren Schulen“, warnte Ulla Griepentrog, schulpolitische Sprecherin der Grünen, eindringlich und forderte, dass das Bonussystem auf alle Schulformen ausgeweitet wird. Schließlich benötigten Haupt- und Realschulen ebenso zusätzliche Mittel, um die Digitalisierung ihres Unterrichts voranzubringen, wie die anderen Schulformen – wenn nicht sogar noch mehr.

Chancengerechtigkeit

In diesem Zusammenhang stieß sich insbesondere Michael Sahm von den Piraten an einer Schenkung des Fördervereins des Einhard-Gymnasiums von insgesamt 32 iPads im Wert von knapp 15.500 Euro. „Das widerspricht meiner Vorstellung von Chancengerechtigkeit“, meinte Sahm, nicht nur, weil die Gymnasien sowieso schon von dem Bonussystem profitierten, sondern auch, weil die Elternschaft am Einhard-Gymnasium über eine höhere Finanzkraft verfüge als Eltern an vielen anderen Schulen. Stefan Aulers (CDU) Kommentar, dass „das Leben nun mal leider nicht gerecht“ sei, sorgte im Gegenzug bei der Opposition für fassungsloses Kopfschütteln.

Matthias Fischers (Linke) Forderung, dass die Stadt für das Bonussystem deutlich mehr Geld in die Hand nehme – rund 1,5 Millionen Euro statt der geplanten 164.000 bis 204.000 Euro –, um weitere Schulformen einzubeziehen, stieß bei der schwarz-roten Mehrheit auf wenig Resonanz. „Die Ungerechtigkeit ist doch, dass manche Schulen turnusgemäß erst später ausgestattet werden“, erläuterte Holger Brantin als schulpolitischer Sprecher der CDU. Denn seit Jahren läuft die IT-Ausstattung strikt nach Zeitplan und festgelegten Intervallen ab. Da die Gymnasien demnach etwa erst im Jahr 2021 an der Reihe seien, hätten sie trotz eingereichten Medienkonzepts bis dahin keine Technik erhalten. Haupt- und Realschulen wurden hingegen im vergangen Jahr auf Basis ihrer Medienkonzepte ausgestattet. „Mit dem Bonus soll die Motivation der Schulen aufrechterhalten werden“, sagte Brantin, während Bernd Krott (SPD) betonte, dass der Schulträger selbstverständlich den Auftrag habe, „alle Schulen nach dem gleichen Standard auszustatten“.

Mit Blick auf die Grundschulen – diese können sich zwar einen standardisierten Medienkoffer im Wert von 5000 Euro anschaffen, diese Mittel werden aber später mit der turnusmäßigen Ausstattung verrechnet – legte die große Koalition in der Sitzung auch einen gemeinsamen Ratsantrag zur Medienausstattung im Primarbereich vor. „Wir wollen verhindern, dass Grundschulen zum Zweit- und Drittverwerter ausrangierter Technik werden“, erläuterte Brantin. Deshalb soll die Verwaltung auf Basis der genehmigten Medienkonzepte eine Zeitplanung zur Ausstattung der Grundschulen samt entsprechender Kostenberechnungen erarbeiten.

Mit einer zusätzlichen Finanzspritze sollten die Einrichtungen trotzdem nicht rechnen. Der erweiterte Antrag der Grünen, das Bonussystem auf alle Schulformen auszudehnen, wurde gegen den Willen aller Oppositionsparteien mehrheitlich abgelehnt. Stattdessen folgte der Schulausschuss mit vier Enthaltungen (Grüne, Linke, FDP) dem Verwaltungsvorschlag. Zusätzliche Mittel für iPads werden also nur an Gesamtschulen und Gymnasien fließen.

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