Aachen: Schülergenossenschaft trifft sich zu konstituierenden Sitzung

Aachen: Schülergenossenschaft trifft sich zu konstituierenden Sitzung

Die meisten Erwachsenen kämen wohl ins Schwitzen, wenn sie aus dem Stand das Wirtschaftsmodell einer Genossenschaft erklären müssten. Für die Schüler der Gesamtschule Brand dürfte das kein Problem sein. Zumindest nicht für jene 13 Gründungsmitglieder der Ersten Aachener Schülergenossenschaft, die sich jetzt zu ihrer konstituierenden Sitzung getroffen haben.

Organisatorisch haben die jungen Gründungsgenossenschaftler schon einmal ordentlich vorgelegt. Die erste Sitzung, auf der es neben der Wahl des Vorstands und des Aufsichtsrats auch einige andere Tagesordnungspunkte abzuarbeiten gab, war so straff geplant, dass sie statt der geplanten zwei Stunden lediglich 20 Minuten dauerte.

Doch auch wirtschaftlich konnte Philipp Bräutigam, Schüler und frisch gewähltes Vorstandsmitglied, bereits erste Erfolge verkünden. „Wir haben uns zu Beginn überlegt, womit wir den Alltag der Mitschüler verbessern könnten und sind dann auf die Idee mit den Lernstation-Ordnern gekommen“, erklärte er. Der Trick dabei: jeder Schüler braucht so einen Ordner, bestückt mit Lernmaterialien, Heften und Notizblöcken. „Wir haben dann in den einzelnen Klassen Bestellzettel dafür verteilt und haben nun bereits knapp 200 dieser Ordner in verschiedenen Farben verkauft.“

Wie so eine Genossenschaft organisatorisch aufgebaut ist und wirtschaftlich arbeitet, konnten Bräutigam und seine Mitschüler zuvor bei der Aachener Bank quasi am lebenden Objekt lernen. Diese hatte in Kooperation mit der Gesamtschule interessierte Schüler eingeladen, bei einem Kurs das Genossenschaftsmodell näher kennenzulernen und danach in die Praxis umzusetzen.

Nach diesem Vorbild soll jetzt auch die Erste Aachener Schülergenossenschaft funktionieren, so Ulla Griepentrog, Abteilungsleiterin an der Gesamtschule. Sie wurde zugleich in den dreiköpfigen Aufsichtsrat gewählt und wird künftig darauf achten, dass in der Genossenschaft alles mit rechten Dingen zugeht.

„Das Ziel ist, dass sich jeder neue Jahrgang ein eigenes Produkt für die Mitschüler überlegt. Zudem war es uns wichtig, den Betrag von fünf Euro für einen Anteil möglichst niedrig zu halten, so dass sich das jeder Schüler leisten kann“, sagt sie.

Immaterielles Weltkulturerbe

Aber nicht nur Schüler, sondern auch einige Eltern bekundeten bereits kurz nach der Gründung ihr Interesse. „Damit kann ich mir meine künftige Rente ein wenig aufbessern“, scherzte etwa einer der Anwesenden. Damit betrieben sie auch ein wenig Kulturpflege, wie Jens Ulrich Meyer, Vorstand der Aachener Bank, sagte. Immerhin sei das Genossenschaftsmodell seit Kurzem offiziell anerkannt als immaterielles Weltkulturerbe.

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