Aachen: Schüler unterwegs auf Spuren des Ersten Weltkriegs

Aachen : Schüler unterwegs auf Spuren des Ersten Weltkriegs

Den Knall jener Explosion, die im Juli 1916 die Schlacht an der Somme eröffnete, soll man angeblich noch in London gehört haben. Mehr als 100 Jahre später standen die Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums (GSG) an der Abbruchkante des 21 Meter tiefen Lochnagar-Kraters.

Im Mai begann dort ihre mehrtägige Exkursion zu Gedenkstätten des Ersten Weltkriegs, die sie in einer Vielzahl von Projekten vertieft haben.

„In der heutigen Zeit, in der wieder Großmächte unkontrollierbaren Druck auf andere Länder ausüben und Mittelmächte ihren ‚Platz an der Sonne’ suchen, wollen wir diesen Tendenzen das friedliche Zusammenleben auf der Basis des Grundgesetzes entgegenstellen“, betonte Schulleiter Jan-Dirk Zimmermann.

Gleichaltrige aus England dabei

In einer kurzen Präsentation stellten die Schüler daher ihre ganz eigenen Erfahrungen vor, die sie auf ihrer Reise gemacht haben. Und nicht ohne Grund waren neben den 40 Schülern des GSG ebenso viele von der englischen Partnerschule Gable Hall dabei. Jene Orte gemeinsam zu besuchen, an denen die Soldaten der beiden Länder früher aufeinander geschossen hätten, sei ein starkes Symbol der Versöhnung gewesen, wie die stellvertretende Schulleiterin des GSG, Ilma Sturms, sagte.

So besuchten die Schüler neben dem Lochnagar-Krater auch den deutschen Soldatenfriedhof Langemark, den britischen Friedhof Tyne Cot und das Kriegsmuseum Flanders Fields in Ypern. „Wir wollten aber einen Ansatz verfolgen, bei dem die Schüler auch selbstständig die Geschichte des Ersten Weltkrieges und die Rolle ihres Herkunftslandes erforschen“, erklärte Sturms.

An einer Schule, an der mehr als 60 Nationalitäten vertreten sind, ist das eine ergiebige Erfahrungsquelle, wie die zahlreichen Schilderungen zeigten. Mert Can Cinar ergründete etwa die Geschichte des Osmanischen Reiches, das sich zu jener Zeit im Zerfall befand. Oder beispielsweise Afnaan Sarhan aus Ägypten und Aiman Ahmad aus Pakistan, die beide aus ehemaligen britischen Mandatsgebieten stammen, deren Soldaten zu Hunderttausenden für Großbritannien in den Krieg ziehen mussten.

Mit finanzieller Unterstützung aus dem Bundesprogramm „Demokratie Leben“ und privater Spender wie der Manfred-Roth-Stiftung sei dieses Projekt mit dem Namen „Forget Never“ überhaupt erst möglich geworden, sagte Zimmermann. Dabei sei vielen Schülern noch einmal bewusst geworden, weshalb der Frieden einen solch hohen Stellenwert hat und warum dieser verhängnisvolle Konflikt die Bezeichnung Weltkrieg trägt.

Für die damalige junge Generation kam dieses Wissen zu spät, wie die Schüler im Kriegsmuseum in Ypern erfahren haben. Die dort ausgestellten Geschossgranaten sind mit bunten Farben und Symbolen gekennzeichnet, weil die Soldaten in diesem Krieg oft schon so jung starben, dass sie nicht einmal lesen und schreiben lernen konnten.