Aachen: Schüler präsentieren russischen Gästen Hommage an Anne Frank und Lena Muchina

Aachen : Schüler präsentieren russischen Gästen Hommage an Anne Frank und Lena Muchina

Alles begann mit einem Besuch in Kostroma, den Eva David-Ballero, Lehrerin am Anne-Frank-Gymnasium (AFG), mit dem Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft mit der Stadt in Russland unternahm: David-Ballero wusste, dass die Russen an einem Austausch interessiert sind, denn Deutsch wird dort viel unterrichtet.

Und so fand sie mit dem Gymnasium in Kostroma schnell eine neue Partnerschule für das AFG. Von Anfang an wollte David-Ballero auch ein Theaterprojekt im Zuge des Austauschs machen. Sie verfasste eine Bühnenfassung, die die Tagebücher von Anne Frank und Lena Muchina aufarbeitet. Nun feierte das Stück „Überleben“ unter der Leitung von Lehrerin Ruth Rebière in der Aula des Anne-Frank-Gymnasiums Premiere.

Am Theaterprojekt sind 13 russische und acht deutsche Schüler im Alter von 14 bis 17 Jahren beteiligt. Während der Premiere in Deutschland leben die russischen Gäste für zehn Tage bei den Familien der deutschen Schüler. Im September dann reisen die Gymnasiasten nach Kostroma und führen dort mit den russischen Schülern ihr Stück auf.

Trotz des Themas sei das Theaterstück nicht nur politisch-historisch ausgelegt, sondern auch literarisch. Die Bühne wird während des Stücks dreigeteilt, links sieht man die Geschichte Anne Franks, rechts die Geschichte Lena Muchinas. In der Mitte der Bühne treffen die beiden Jugendlichen sich dann in der Gegenwart.

Die Geschichte der Lena Muchina, die ihre Erlebnisse im belagerten Leningrad in einem Tagebuch aufzeichnete, haben die russischen Schüler übernommen. Dasselbe machen die deutschen Schüler mit der Geschichte Anne Franks, die ihre Erlebnisse mit dem Nationalsozialismus ebenfalls in einem Tagebuch festhält, aber im Gegensatz zu Muchina nicht überlebt und dem Holocaust zum Opfer fiel.

So wie in Deutschland nicht jeder die Geschichte der Lena Muchina kennt, so ist der Name Anne Frank auch in Russland nicht besonders bekannt. Ohne aber diese Geschichte zu kennen, könne man die heutige Situation in Russland nicht verstehen, so David-Ballero. „Es gab nicht nur Stalingrad, sondern auch Leningrad, wo über eine Millionen Menschen starben, und niemand redet darüber und kein Geschichtsbuch berichtet darüber.“

Ruth Rebière betont ebenfalls die Wirkung des Austauschs hinsichtlich des momentanen Konflikts zwischen Russland und Westeuropa: „Wir versuchen auf menschlicher Basis diese Konflikte auszumerzen, wir haben schon ganz viele Schüler, die im September mit nach Kostroma möchten, das ist für mich ein tolles Zeichen.“ Auch die russische Lehrerin aus Kostroma Natalia Titova freut sich: „Wir haben hier große Arbeit geleistet, das hilft bei der Völkerverständigung zwischen Russland und Deutschland.“

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