Aachen: Schräge Töne im Aachener Dom: Orgel wird saniert

Aachen: Schräge Töne im Aachener Dom: Orgel wird saniert

Normalerweise zieht Michael Hoppe mit Freuden alle Register seines Könnens. Der Musikprofessor ist schließlich Organist am Aachener Dom und versteht es vortrefflich, das imposante Instrument nach seiner Pfeife tanzen zu lassen.

Im Moment mischen sich allerdings schräge Töne in sein Spiel — und das hat mitnichten der Musiker zu verantworten. Die Orgel macht den Verantwortlichen Kummer, Verschmutzung und Schimmelbefall fordern einen Dreiklang ganz unmusikalischer Art — den aus gründlicher Reinigung, fachmännischer Restaurierung und gewiefter Spendenakquise. 110\.000 Euro müssen innerhalb kurzer Zeit gesammelt werden, damit der Dom sowohl bei den Liturgien als auch bei den Konzerten mit Wohlklang gefüllt wird.

Imposanter Pflegefall: Die Domorgel, die aus drei Komplexen besteht, muss gereinigt und saniert werden. Domorganist Prof. Michael Hoppe (kleines Bild) erklärte gestern, welche Teile von Schimmel befallen und verdreckt sind. Foto: Michael Jaspers

Hoffnungsschimmer

„Das Domklima ist stabil“ — Dombaumeister Helmut Maintz erklärt den sensiblen Umgang mit Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Foto: Michael Jaspers

Immerhin gibt es bereits einen echten Hoffnungsschimmer beim Blick auf die Finanzen: „Da die Orgel zum Weltkulturerbe Aachener Dom gehört, ist sie ins Bundesprogramm zur Sanierung und Modernisierung national bedeutsamer Orgeln gerutscht“, freut sich Hoppe. Und das bedeutet, dass aus diesem Topf bereits 110 000 Euro sicher fließen — wenn das Domkapitel den selben Betrag an Eigenmitteln aufbringt. Die Gesamtkosten für die Sanierung betragen also 220\.000 Euro.

Die Orgel ist im Grunde ein Komplex aus drei verschiedenen Instrumenten, die sowohl separat als auch zentral bespielt werden können. Das ist besonders wichtig, wenn die Sanierungsarbeiten von Januar bis März 2018 über die Bühne gehen. Denn auf Musik sollen die Mess- und Konzertbesucher keineswegs verzichten. Die Maßnahme ist unumgänglich, denn die Schäden sind erheblich und die Funktionstüchtigkeit ist bereits eingeschränkt. „Beim Nordost-Werk sind die Windladen und Pfeifenraster stark von Schimmel und Schmutz befallen, der Zahn der Zeit nagt am Gebälge, der Winddruck ist nicht mehr stabil, und das Leder in der Südost-Orgel ist angegriffen“, listet das Domkapitel die beeindruckende Schadensliste auf, die auch für den Laien den Handlungszwang offensichtlich macht. Von den insgesamt 9000 Pfeifen ist rund ein Drittel befallen.

Immerhin bietet die aktuelle Schadenslage auch Chancen. So können im Rahmen der Sanierung drei neue Register eingebaut werden, die dem Domorganisten neue Klangmöglichkeiten eröffnen. Und die Belastung der Luft durch Staub und Abluft soll in einer Studie in Kooperation mit der RWTH erforscht werden. Allerdings ist auch hier die Finanzierung noch mit Fragezeichen versehen. Die Kosten liegen geschätzt im mittleren sechsstelligen Bereich . . .

Bemerkenswerte Tradition

Die Orgeltradition im Dom ist bemerkenswert lang und reicht 1200 Jahre zurück. In Aachen stand die erste Orgel nördlich der Alpen. Die heutige Anlage stammt aus den Jahren 1847, 1939 sowie 1993\. Die komplette Orgelanlage steht unter Denkmalschutz, was einerseits gut ist, andererseits aber strenge Auflagen mit sich bringt. Dompropst Manfred von Holtum ist zuversichtlich, dass die notwendige Spendensumme in den nächsten Monaten zusammenkommt. Die Dauerspender werden jetzt angeschrieben. Und im Haupteingang unter dem Domturm steht eine Orgelpfeife, die mit Spenden gefüllt werden kann. Und die ist laut Dompropst nicht zu übersehen.

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