Aachen: Schon 1500 Unterschriften gegen Baupläne am Eselsweg

Aachen: Schon 1500 Unterschriften gegen Baupläne am Eselsweg

Auf Seite 49 des städtischen „Masterplans 2030“ findet sich ein Foto, das ein Grüpplein joggender Freiluftfans auf dem Eselsweg zeigt. Es illustriert den siebten Abschnitt des kapitalen Konvoluts unter der Überschrift „Freiraum: Grüne Finger — grüne Inseln“.

Seine Kernaussage unterstreichen die Anwohner jetzt aus gegebenem Anlass — unter anderem mit inzwischen rund 1500 Unterschriften. Irma von Agris und Lutz Dechamps wollen im Namen der Bürgerinitiative „Erhalt des Landschaftsschutzgebiets Eselsweg — Beverau“ weiterhin massiv mobil machen gegen aktuelle Überlegungen zur Bebauung eines rund 100.000 Quadratmeter umfassenden Areals zwischen Nellessenpark, Adenauerallee und Kornelimünsterweg, das jüngst von einem privaten Investor erworben wurde.

„Im besagten Masterplan hat ein externer Gutachter bereits vor fast anderthalb Jahrzehnten dargelegt, dass der Fläche hinter der Dr.-Leo-Löwenstein-Kaserne eine elementare Funktion als Kaltluftschneise zukommt“, betont Dechamps. „Außerdem handelt es sich hier um ein wichtiges Naherholungsgebiet.“

Dennoch habe die Verwaltung bei der ersten Offenlage des neuen Flächennutzungsplans ein fatales Szenario zur Errichtung von bis zu 350 Wohneinheiten jenseits des Eselswegs entwickelt. Das Konzept stellt freilich zunächst nur eine Diskussionsgrundlage dar, erste politische Weichenstellungen sind vor Herbst nicht zu erwarten. Und die Bezirksvertretung Mitte plädierte bereits im Frühjahr für eine zweite Variante, derzufolge das Areal landwirtschaftliche Nutzfläche bleiben soll.

„Trotzdem werden wir den Eindruck nicht los, dass das Projekt durchgedrückt werden soll“, sagt Irma von Agris. „Die erste Bürgerfragestunde wurde direkt am Tag nach der Veröffentlichung der Pläne Ende Juni angesetzt“, kritisiert Dechamps, „da blieb nicht gerade viel Zeit zur Vorbereitung.“ Und: „Nur bis 1. August können wir uns mit entsprechenden Eingaben gegen das Vorhaben wehren.“ Diese Frist werde man allerdings nutzen — auch wenn sie mitten in die Urlaubszeit gelegt worden sei. Viele Verbündete habe die Initiative beileibe nicht nur rings um die Adenauerallee gefunden.

„Wenn die Aue bebaut würde, wäre die Frischluftzufuhr bis ins Frankenberger Viertel und Richtung Adalbertsteinweg nicht mehr ausreichend gewährleistet“, argumentiert Dechamps. Und: Auch als Refugium seltener Tier- und Pflanzenarten und wichtiger Regenwasserspeicher dürfe das Areal nicht angetastet werden. Von Agris: „Wir können von Glück reden, dass wir Experten in unseren Reihen haben, die all dies jetzt nochmals dokumentieren.“ Und selbstverständlich werde man in Kürze die Diskussion mit der Politik suchen beziehungsweise vertiefen.

Durchaus denkbar, dass die Bürger damit die eine oder andere offene (Fraktions-)Tür einrennen. So habe der Grünen-Ratsherr und Planungsexperte Michael Rau bereits bekundet, dass seine Partei sich für den Erhalt der Freifläche einsetzen werde, berichtet Irma von Agris. Und auch Harald Baal, CDU-Ratsherr und Vorsitzender des städtischen Planungsausschusses, steht dem Bauvorhaben mehr als skeptisch gegenüber. „Ich persönlich gehe nicht davon aus, dass dort eine Bebauung möglich sein wird“, sagte Baal der AZ.

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