Aachen: Schockierender Mangel in den Schultaschen der Kinder

Aachen: Schockierender Mangel in den Schultaschen der Kinder

Es muss ja nicht immer der teure Rucksack sein, den „alle anderen” haben und der zur Zeit so angesagt ist. Auch nicht der ausgefallene Schönschreibfüller.

Doch wenn es Eltern nicht möglich ist, ihren Kindern zum Schulstart Hefte und Stifte zu kaufen, weil das Geld zu knapp ist, muss Abhilfe her. Mit ihrer Einschulungsaktion versucht die Aachener Tafel seit zwei Jahren, Eltern und Kinder zum Schulstart bei den benötigten Materialien zu unterstützen.

Um noch zielgerichteter helfen zu können, traf sie sich anlässlich ihres zehnjährigen Jubiläums erstmals in einer großen Gesprächsrunde mit Vertretern von Kindertagesstätten und Schulen. Und tauschte sich mit den Fachleuten vor Ort aus, wie die Aktion am besten weiterentwickelt werden sollte.

22 Schulen und Kitas folgten dem Ruf von Jutta Schlockermann, Vorsitzende der Aachener Tafel, und teilten ihre Erfahrungen und Anregungen mit Bürgermeisterin Hilde Scheidt und Wolfgang Herff, Vorsitzender des Vereins Nele und Hanns Bittmann. Auf der Tagesordnung standen der Bedarf an Schulmaterialien und die Versorgung mit Lebensmitteln. Gerade letzteres Thema brachte Erkenntnisse zu Tage, die Schlockermann schockierten.

Nicht nur fehle es Schulen an so grundsätzlichen Materialien wie Linealen, auch seien vielerorts Schulleiter und Lehrer damit beschäftigt, Gelder aufzutreiben, um ihren Schülern eine warme Mahlzeit am Tag zu ermöglichen.

Ein Umstand, den Bürgermeisterin Scheidt nicht auf den Rücken der Lehrer und Erzieher sitzen lassen will. „Die Arbeitszeit muss beim Kind sein. Es ist nicht die Aufgabe von Schulen und Kitas Spenden zu sammeln.” Eine Kindergelderhöhung würde in dieser Hinsicht sehr helfen, glaubt die OB-Kandidatin der Grünen, die eine bundesweite Lösung fordert, die sich vom konservativen Ansatz abwende, dass Kindern ihr Mittagessen zuhause von der Mutter zubereitet werde. „Das ist keine Realität mehr.”

Die Aufgabe der Politik sei es, für eine schnelle und zudem unbürokratische Hilfe für bedürftige Kinder zu sorgen. Kein Kind oder Elternteil soll sich offiziell „outen” müssen, um versorgt zu werden. Dafür müsse auf Stiftungs-, Bürgerschafts-, und politischer Ebene gearbeitet werden. An ein Zurücklehnen in baldiger Zukunft ist nicht zu denken.

Im Gegenteil. Infolge der Finanzkrise werde die Situation noch schlimmer werden, prophezeit Scheidt und betonte die Notwendigkeit eines Bündnisses, um Aachener Kinder in diesen Zeiten aufzufangen. Eine Konkurrenz zwischen Kitas, Grundschulen und weiterführenden Schulen dürfe dabei jedoch nicht entstehen.

Die Verantwortung, ein entsprechendes Budget zu verwalten, soll seitens der Kitas und Schulen liegen. „Als Geldgeber ist es ein gutes Gefühl, dass mit dem Geld verantwortungsvoll umgegangen wird”, zeigte sich Herff beeindruckt. Seine Stiftung ist bereits mit rund 12000 Euro an der Aktion beteiligt, die dank des engagierten Inputs der Lehrer und Erzieher zum kommenden Schuljahr hoffentlich noch besser Aachener Kindern helfen kann.