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Betrugsversuch: „Schockanruf“ bei der Pressestelle der Aachener Polizei

Betrugsversuch : „Schockanruf“ bei der Pressestelle der Aachener Polizei

Da haben sich Betrüger offensichtlich die falsche Telefonnummer ausgesucht. Mit einem „Schockanruf“ wollten sie von Stefanie Kutsch eine hohe Geldsumme erpressen – die war als Polizeisprecherin aber bestens vorbereitet.

Wenn bei Stefanie Kutsch das Telefon klingelt, dann geht es meist um eine ziemlich konkrete Frage, die schnellstmöglich beantwortet werden soll. Das liegt in der Natur der Sache. Seit Anfang des Jahres arbeitet Stefanie Kutsch in der Pressestelle der Polizei Aachen. Und damit wird sie täglich mit Anfragen jeglicher Art von Medienvertretern konfrontiert.

Nicht immer sind diese neu oder originell. Die Themen wiederholen sich. Ein Dauerbrenner sind natürlich Betrugsarten jeglicher Art. Damit hat die Aachener Polizei fast täglich zu tun. Jetzt auch sehr persönlich, wie Stefanie Kutsch am Mittwoch in einer Pressemitteilung schreibt – mit sich selbst als unfreiwilliger Protagonistin.

Vor einigen Tagen nämlich hatte die Polizeisprecherin eine Frau am Apparat, deren Anliegen zwar nicht originell, aber zumindest mit dieser Adressatin bislang einzigartig war. Kutsch schildert den Vorfall in ihrer Mitteilung folgendermaßen: Gegen 9 Uhr saß sie im Homeoffice vor ihrem Dienstrechner und schrieb an einer Pressemitteilung, als ihr Handy klingelte. Da sie die Nummer nicht zuordnen konnte und die Rufumleitung vom Büro aufs Handy eingeschaltet war, ging sie von einem dienstlichen Anruf aus. Mit einem routinierten „Pressestelle Polizeipräsidium Aachen. Guten Morgen“ nahm sie den Anruf entgegen und war plötzlich selbst Teil einer der vielen Betrugsmaschen, über die sie schon so oft berichtet hatte.

Auf Englisch behauptete die Frau am anderen Ende der Leitung von „Europol" zu sein und begann ohne Umschweife, „sehr schnell, laut und dramatisch“ auf Stefanie Kutsch einzureden: Man ermittle aktuell, weil die Pressesprecherin in einen schlimmen Unfall verwickelt gewesen sei; „unverzüglich“ müsse deshalb eine Kaution gezahlt werden. Wie Kutsch auf Anfrage präzisiert, forderte die Frau eine Summe im fünfstelligen Bereich, nur so könne sie noch dem Gefängnis entkommen – einem „sehr düsteren und sehr kalten Gefängnis“, wie es hieß, möglicherweise drohe sogar Isolationshaft.

„Ich konnte mir in diesem Moment sehr gut vorstellen, dass sich Menschen bei solchen Schockanrufen unter Druck gesetzt fühlen“, berichtet Kutsch rückblickend. Da sie beruflich täglich genau mit dieser Art von Betrügereien zu tun habe, habe sie den „Horrorszenarien“, die die Anruferin in dem kurzen Telefonat ausmalte, in Ruhe zugehört, einen Schluck aus der Kaffeetasse getrunken – und der vermeintlichen Mitarbeiterin von „Europol“ gesagt, dass sie sich „sehr freue“, ihr Arbeit abzunehmen und ihrem Arbeitgeber – der Polizei Aachen – von dem Vorfall berichten werde. So viel Entgegenkommen war der Dame am anderen Ende der Leitung offenbar suspekt: Sie legte einfach auf.

Stefanie Kutsch arbeitet seit Anfang des Jahres in der Pressestelle des Aachener Polizeipräsidiums. Jetzt wurde sie selbst unfreiwillig Gegenstand ihrer eigenen Pressemitteilung.
Stefanie Kutsch arbeitet seit Anfang des Jahres in der Pressestelle des Aachener Polizeipräsidiums. Jetzt wurde sie selbst unfreiwillig Gegenstand ihrer eigenen Pressemitteilung. Foto: Polizei Aachen

Genau so sollte jeder oder jede reagieren, wenn Unbekannte oder auch vermeintlich Bekannte am Telefon Geld einfordern, betont Kutsch. In einem zweiten Schritt sollten Betroffene den Vorfall unbedingt zur Anzeige bringen.

Das passiere in letzter Zeit immer häufiger. Allein am Dienstag seien der Polizeileitstelle knapp 30 Betrugsversuche am Telefon gemeldet worden, sagt Stefanie Kutsch. Vom 1. Januar bis 31. August dieses Jahres seien bei der Polizei Aachen insgesamt rund 4300 Fälle zur Anzeige gebracht worden, darin enthalten seien aber auch Betrugsfälle am Computer. Konkrete Zahlen zur Enkeltrickmasche und/oder Schockanrufen konnte die Polizei Aachen am Mittwoch auf die Schnelle nicht nennen. „Wir müssen aber davon ausgehen, dass die Dunkelziffer sehr hoch ist“, so Kutsch.

Die Behördensprecherin betont: „Die Polizei und die Staatsanwaltschaft fragen niemals nach Geld, Schmuck oder persönlichen Daten“, und ergänzt: „Bleiben Sie skeptisch. Jeden Tag.“