Exotische Schlange taucht in Sief auf: Schlange auf dem Bauernhof sorgt für Aufregung

Exotische Schlange taucht in Sief auf : Schlange auf dem Bauernhof sorgt für Aufregung

Natürlich ist Ingrid Kronenberg ein ganz schöner Schrecken in die Glieder gefahren, als sie am vergangenen Samstag eine respektable Schlange direkt vor der Tür ihres landwirtschaftlichen Hofes in Sief entdeckte.

Diesmal nämlich handelte es sich keineswegs um eine größere Ansammlung von Zweibeinern am hauseigenen Milchautomaten. Sondern um ein (beinahe) ausgewachsenes Exemplar namens Pantherophis guttatus, auch Kornnatter genannt.

„Zufällig war tatsächlich gerade ein Tierarzt als Kunde da, der Mann hat dann versucht, die Schlange mithilfe eines Besenstiels einzufangen“, erzählt Ingrid Kronenberg. „Das Tier war allerdings ziemlich munter und ließ sich so ohne weiteres nicht bändigen…“

Die wackere Dame tat schließlich das einzig Richtige. Sie rief die Feuerwehr an. Die rückte in Gestalt zweier freundlicher Helfer in einem speziell ausgerüsteten Transportfahrzeug an. Die Männer hatten keine allzu große Mühe, den schleichenden Exoten – Körperlänge rund 80 Zentimeter – einzufangen und ihn umgehend in die Reptilienauffangstation in Stolberg zu verfrachten.

Dort freilich sorgen derlei entfleuchte Exilanten dieser Tage durchaus für weniger Aufregung. „Kornnattern sind keine Giftschlangen und für Menschen völlig ungefährlich“, betont Amine Fehr, Leiterin der 2014 gegründeten Einrichtung in Büsbach. Sie stehen zudem nicht unter Artenschutz, können in einschlägigen Zoohandlungen erworben werden, müssen aber selbstverständlich in ausreichend ausgestatteten Terrarien gehalten werden.

„Eigentlich kann es kaum passieren, dass eine solche Schlange ausbüxt. Viel wahrscheinlicher ist, dass sie einfach ausgesetzt worden ist“, meint die Expertin. Zumal das Tier dem ersten Anschein nach keine Verletzungen aufwies und recht gut genährt daherkam. „Weitere Untersuchungen, etwa auf Parasitenbefall, haben wir allerdings noch nicht vornehmen können, da die Natter erst einmal ein wenig zur Ruhe kommen soll“, erklärt Amine Fehr. Offensichtlich handele es sich um ein Jungtier; ausgewachsene Exemplare werden immerhin bis zu 1,50 Meter lang und bringen maximal rund 800 Gramm auf die Waage. In freier Wildbahn sind Kornnattern eigentlich nur in Nordamerika unterwegs.

Doch die Tiere erfreuen sich als etwas andere stumme Hausgenossen auch in der Region zunehmender Beliebtheit – was keineswegs jedem gefällt. „Wir raten grundsätzlich davon ab, sich solche exotischen Reptilien anzuschaffen, zumindest wenn man sich nicht ernsthaft und gründlich damit beschäftigt hat, wie eine artgerechte Haltung gewährleistet werden kann“, meint etwa Herbert Fleu vom Vorstand des Nabu in Aachen. So komme es eben nicht selten vor, dass die Tiere – zumal in der Ferienzeit – schlichtweg ihrem Schicksal überlassen werden. Was im Zweifelsfall natürlich auch ein entsprechendes Bußgeld nach sich ziehen kann, wenn sich der Halter ermitteln lässt.

Allein in der Stolberger Auffangstation werden momentan ein bis zwei Reptilien oder Amphibien pro Tag in Empfang genommen, schätzt deren Leiterin – von der Schildkröte über den Gecko und allerlei Leguane bis hin zur Boa constrictor, die Anfang des Monats in Düren-Nierderzier auftauchte. In diesem Fall ermittelt allerdings sogar die Kripo, da die ungleich imposantere Würgeschlange offensichtlich mit einem Messer schwer verletzt worden war und einer Notoperation unterzogen werden musste.

Gefährliche Haustiere müssen grundsätzlich beim Veterinäramt der Städteregion angemeldet werden. „Und gerade wer über die Anschaffung eines Reptils nachdenkt, sollte sich generell vorher gut informieren“, unterstreicht Barbara van Rey von der Pressestelle der Städteregion. „Man sollte sich stets erkundigen, wie groß es werden kann, ob es Gesellschaft von Artgenossen braucht, ob man es dauerhaft angemessen versorgen kann. Es gibt zum Beispiel Echsen, die bis zu zwei Meter lang werden. Und eine Landschildkröte kann über 60 Jahre alt werden…“

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