Aachen: Scheibenstraße: Der nächste Bunker steht zum Verkauf

Aachen: Scheibenstraße: Der nächste Bunker steht zum Verkauf

Boomendes Bunkergeschäft: An der Ecke Scheibenstraße/Hein-Janssen-Straße steht das nächste monumentale Kriegsrelikt in Aachen zum Verkauf. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben bietet das 1941 errichtete Bauwerk seit Anfang Oktober feil. Die Kaufpreisvorstellung beläuft sich auf 1,1 Millionen Euro.

Dafür würde man auf einem Grundstück von 1105 Quadratmetern einen Koloss aus rund 20 000 Tonnen Beton und Stahl mit 2300 Quadratmetern Nutzfläche erhalten. Anders als bei den Bauprojekten an der Rütscher Straße und der Sandkaulstraße, wo die mächtigen Kriegsbauwerke komplett abgerissen wurden, oder an der Lütticher Straße, wo rein äußerlich nicht mehr viel von einem Bunker zu sehen ist, ist daran auch nicht zu rütteln. Denn das Objekt an der Scheibenstraße ist denkmalgeschützt und genießt einen nahezu umfassenden Bestandsschutz. Ein Abriss ist also ausgeschlossen, wie Monika Krücken, die Leiterin der städtischen Denkmalpflege, unterstreicht: „Das ist uns sehr wichtig.“

Wie das Ganze trotzdem noch für potenzielle Käufer rentabel und vielleicht sogar zum bombigen Geschäft werden kann, soll das Aachener Planungsbüro Cortis für die Bundesanstalt ausloten. Die Planer haben bei der Stadtverwaltung eine Bauvoranfrage eingereicht und erste Überlegungen angestellt, wie und in welchem Umfang man auf dem Flachdach des Bunkers Wohnungen bauen kann. „Das machen wir, damit Investoren eine gewisse Planungssicherheit haben“, sagt Marie-Kathrin Zimmermann, die das Projekt bei der Bundesanstalt betreut. Am vergangenen Mittwoch gab es für erste Interessenten bereits einen Besichtigungstermin. „Und wir verzeichnen schon jetzt eine gewisse Nachfrage.“

Gut möglich, dass sich diese bald noch verstärkt. Denn das Projekt werde in diesen Tagen auch auf der Münchener Immobilienmesse Expo Real vorgestellt, erzählt Architekt Günter Cortis. Das Büro Cortis plant, dem Bunker zwei etwas nach hinten verspringende Geschosse aufs Dach zu setzen. „Bebaubar ist das Dach auf jeden Fall“, sagt der Architekt, „es hängt nur noch an der Frage, ob ein oder zwei Geschosse möglich sind.“ Die Tendenz scheint dabei zur größeren Lösung zu gehen. Zwar ist die Bauvoranfrage noch nicht abschließend beschieden, doch sind aus Sicht der Stadt „zwei Staffelgeschosse möglich“. wie Rita Klösges vom städtischen Presseamt auf AZ-Anfrage bestätigt. Als Zugang zu den Dachwohnungen will Cortis die alten Eingänge nutzen und Treppen und Aufzüge einbauen.

Die Fassade des Bauwerks soll nicht angetastet werden, was einem besonderen Kunstprojekt entgegenkommt. Denn der Bunker, der direkt nach dem Krieg als Wohnraum diente und bis vor fünf Jahren noch zu Zivilschutzzwecken vorgehalten wurde, ist um die Jahrtausendwende von dem Vaalser Künstler Gerd Lebjedzinski und Aachener Schülern mit Motiven aus der Aachener Stadtgeschichte bemalt worden. In ihrem Exposé weist die Bundesanstalt darauf hin, dass das Kunstwerk zwar nicht Teil des Denkmals sei, das Urheberrecht des Künstlers aber weiter bestehe. Mit dem Erwerb gingen auch die Wandmalereien in den Besitz des Käufers über — mit allen Rechten und Pflichten, wie es in dem Exposé heißt. Apropos Besitz: Mit dem Verkauf an der Scheibenstraße ist das bombige Bunkergeschäft für den Bund in Aachen wohl beendet. Die Bundesanstalt besitzt ansonsten nur noch die Musikbunker in der Goffartstraße und der Junkerstraße — und die sollen nicht angetastet werden.