Aachen: Saufgelage endet in einem Meer aus Müll

Aachen: Saufgelage endet in einem Meer aus Müll

„Unglaublich“, entfährt es einem völlig fassungslosen Vater, der an diesem Dienstagmorgen gerade seine Kinder über den Katschhof zur Domsingschule bringen will. „Das soll dann wohl die ‚Elite‘ sein“, schüttelt er verärgert den Kopf. Wenige Meter entfernt ist ein Mitarbeiter der Stadtreinigung ebenso fassungslos.

„So etwas habe ich noch nie gesehen“, sagt er. Der Katschhof ist an diesem Morgen vom Dom bis zum Rathaus, von der Krämerstraße bis zur Ritter-Chorus-Straße bedeckt mit einem Meer aus hunderten zerbrochenen Flaschen, tausenden kleinen und großen Scherben, weggeworfenen Bierdosen, Essensresten. Es ist ein widerliches Bild, das sich den morgendlichen Passanten bietet.

„Reichlich daneben benommen“

Was ist da geschehen? „Einführungswoche“ heißt es derzeit für 7500 neue Studierende an der RWTH. Auf besondere Weise eingeführt haben sich mehrere hundert von ihnen gleich an ihrem ersten Studientag. Das Ergebnis sieht man unter anderem — aber nicht nur — auf dem Katschhof. Hatten am Montagmorgen und -mittag noch die Begrüßungsveranstaltungen in den Hörsälen stattgefunden, so wurde danach Party gemacht. Was bei jedem Semesterstart der Fall ist.

Eine Horde allerdings hatte dann offenbar die Promillegrenze derart überschritten, dass die Sache Richtung Abend unschön umschlug. Es war gegen 22 Uhr, als sich schließlich rund 300 Erstsemester auf dem Katschhof versammelt hatten — im Gepäck nicht nur Biervorräte, sondern auch Musikanlagen. Als der „Spaß“ zwischen Dom und Rathaus offenkundig aus dem Ruder lief, rückten Mitarbeiter des Ordnungsamts mit Polizeiunterstützung an. „Die betrunkenen Studenten wurden des Platzes verwiesen, der Lärm wurde untersagt“, berichtet Elmar Rosen, stellvertretender Ordnungsamtsleiter. Im Polizeiprotokoll heißt es wörtlich, dass sich zu diesem Zeitpunkt bereits viele stark angetrunkene junge Leute „reichlich daneben benommen“ hätten. Der Platz sei da bereits „stark vermüllt“ gewesen, so Rosen.

Stark vermüllt ist der Platz naturgemäß dann auch am Dienstagmorgen noch, schließlich hat die Stadtreinigung den Unrat nicht mitten in der Nacht beseitigen können. Bereits um 6\.30 Uhr hat Angelika Krott, Mitarbeiterin der Domsingschule, Alarm geschlagen und auch selbst zum Besen gegriffen, weil sie eine Gefahr für die Schulkinder ausmacht. Dennoch müssen die Kinder auf weiten Teilen des Katschhofs einen Spießrutenlauf durch spitze Scherben und abgebrochene Flaschen veranstalten. Mit Kehrmaschinen, Besen und Schaufel mühen sich die Mitarbeiter der Stadtreinigung schließlich, den Müllberg zu beseitigen. Wobei die größte Herausforderung die zahlreichen in den Fugen des Kopfsteinpflasters steckenden Scherben darstellen. Die Mülleimer rund um den Platz sind hingegen gähnend leer.

Die Polizei registrierte im Verlauf des Abends weitere Anrufe verärgerter Anwohner, wie Polizeisprecher Paul Kemen sagt. Offenbar hatten sich die Studierenden vom Katschhof aus sternförmig auf die Socken gemacht, um an anderen Stellen weiter zu feiern — so etwa in der Annastraße, in der Pontstraße, an der Heinrichsallee, im Elisengarten und vor dem Parkhaus Büchel.

Dabei war es in Vorjahren eigentlich der Tag der „Erstsemesterrallye“, bei dem es Auswüchse gab. Der allerdings steht am Mittwoch erst noch bevor. Und eigentlich haben die organisierenden Fachschaften und die zentrale Hochschulverwaltung einiges dafür getan, dass die Party eben nicht stellenweise völlig ausufert. Da wurde viel ehrenamtliches Engagement an den Tag gelegt, um die Traditionsveranstaltung zu einem spaßigen Erfolg ohne Suff zu machen. Im vergangenen Jahr hatte das geklappt.

Jetzt haben schon vorab einige Hundert den Organisatoren einen Strich durch die Rechnung gemacht. An eine Absage der Erstsemesterrallye denkt man an der Hochschule jedoch nicht. „Wenn es bei einem Bundesligaspiel mal wieder Ärger gibt, wird ja auch nicht die ganze Bundesliga abgesagt“, so TH-Sprecherin Renate Kinny. In der Mehrheit würden sich die Studierenden zivilisiert benehmen. Zudem seien Vorfälle wie am Montagabend kein „RWTH-Problem“, vielmehr passierten solche Dinge auf zahlreichen Ebenen immer häufiger. Gleichwohl verurteile man solche Auswüchse natürlich, wie Renate Kinny sagt. Dass so etwas dem Image der TH in der Stadt nicht zuträglich ist, räumt sie ein: „Man hat eben nicht immer nur Positives zu vermelden.“

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