Aachen: Saubere Luft und weniger Lärm: Thema der Elektromobilität

Aachen : Saubere Luft und weniger Lärm: Thema der Elektromobilität

Feinstaub? In Aachen kein Problem mehr. Zumindest in Bezug auf die EU-Grenzwerte. Stickoxide? Die sind allerdings weiterhin ein ganz dickes Problem, denn die Aachener Werte bleiben dummerweise konstant deutlich über den erlaubten Grenzen. Umweltzone? Gibt es seit mehr als einem Jahr, hat aber diesbezüglich nichts gebracht.

Was auch nicht zu erwarten war. Die grüne Plakette bekommen Fahrzeuge ab Euro-4-Norm. Diese wie auch jene dier Stufe 5 waren noch auf die Feinstaubreduktion fokussiert. Erst Stufe 6 nimmt die Stickoxide in den Fokus. Die bekommen nur Fahrzeuge — insbesondere Diesel —, bei denen der Ausstoß der gesundheitsschädlichen Verbindung deutlich reduziert ist. Oder sein sollte.

Denn durch den Abgasskandal ist klar geworden: Selbst viele moderne Fahrzeuge etlicher Hersteller stoßen weit mehr Stickoxide aus, als sie es der Norm nach eigentlich dürften. Und die Luft bleibt schlecht. Was tun? Aachen will die Elektromobilität forcieren, will sogar Modellkommune im Rahmen des Landesprojekt „Emissionsfreie Innenstadt“ werden. Und um da voranzukommen, hat im OB-Büro kürzlich Axel Costard — vormals im Presseamt — seinen Job als Beauftragter für E-Mobilität aufgenommen.

Gefördert wird dies drei Jahre lang vom Land. Weswegen NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) am Montag zur öffentlichen Vorstellung Costards ins Rathaus kam. Wobei allen Beteiligten klar ist: Erstens muss es eigentlich zügig mit der Schadstoffreduktion gehen, denn die EU sitzt Deutschland mit der Androhung von Strafzahlungen im Nacken. Zweitens braucht hingegen zumindest der Ausbau der E-Mobilität mit diversen Rahmenbedingungen noch eine ganze Weile. Woraus drittens folgt, dass es noch ein gutes Stück des Weges ist.

Oberbürgermeister Marcel Philipp sagte diesbezüglich, dass bis Ende 2018 15 neue Elektrobusse in der Aseag-Flotte rollen sollen. Bei insgesamt 200 Bussen muss da aber noch einiges folgen. Zudem müssen die Ladekapazitäten ausgebaut werden. Auch nicht einfach, wie der AZ-Bericht vom vergangenen Samstag belegt. Denn rechtlich unklar ist, ob es in Parkhäusern wegen möglicher Brandgefahr überhaupt Ladestationen geben darf. Philipp betonte, diesbezüglich müsse es eine Klarstellung des Landes geben, um Rechtssicherheit zu haben.

Und das Land ist aufmerksam geworden. Minister Remmel bekundete, nach seinem Kenntnisstand spreche die Landesbauordnung nicht gegen die Ladestationen in Parkhäusern an sich. Es gebe aber aus Feuerwehrsicht Bedenken wegen der Fahrzeugtechnik. Das solle nun mit dem TÜV und den Autoherstellern abgeklärt werden, um besagte Sicherheit zu erlangen.

Remmel unterstrich, dass Aachen wie einst beim „Erneuerbare Energien Gesetz“, das hier mit der Solarstromvergütung seinen Anfang nahm, einmal mehr eine Vorreiterrolle einnehme. Der „Streetscooter“, den jetzt die Post baue und der möglicherweise demnächst frei verkäuflich sein könnte, sei aus der RWTH heraus entstanden. Der jüngst auf der Cebit präsentierte Stadtflitzer „EGo“ sei ein weiterer Meilenstein. Die E-Mobilität sei in Aachen „ein besonderer Leuchtturm“ — und die Aachener seien „Pfadfinder“ in diesem Bereich.

Gleichzeitig betonte Remmel: „Es darf nicht so sein, dass am Ende normale Autobesitzer durch den Abgasskandal die Zeche zahlen müssen.“ Schließlich drohen in Städten mit anhaltend hohen Stickoxidwerten Fahrverbote für Dieselfahrzeuge. Hier müsse der Bund klar regeln, dass den Betroffenen angesichts der mittlerweile auch von Gerichten als „illegal“ eingestuften Abschalttechnik Schadensersatz beziehungsweise der Fahrzeugtausch zustehe.

Axel Costard sagte, es gebe eine ganze Reihe von Projekten voranzutreiben, wobei auch immer nach Fördertöpfen Ausschau gehalten werden soll. Zudem sollen sich die Akteure wie Stadt und Hochschulen noch besser vernetzten.

Und da der Minister gerade da war, gab es vom OB auch noch einen kleinen Seitenhieb. So seien auch die Landesbehörden in Aachen herzlich eingeladen, sich an Projekten wie dem Job-Ticket zu beteiligen. Da verweigern sich beispielsweise Justiz- und Finanzbehörden bisher beharrlich. Nur die RWTH mache in großem Stil mit. Und ein Passus im aktuellen Luftreinhalteplan wurde seitens des Landes auch gestrichen: Dass bei Ausschreibungen für Landesbaustellen — etwa im Straßenbau — emissionsarme Maschinen vorausgesetzt werden sollen. Wie gesagt: Es gibt noch viel zu tun. Auf vielen Ebenen — nicht nur bei der E-Mobilität.

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