Aachen: Salvatorkirche als Bühnenkulisse entdeckt

Aachen: Salvatorkirche als Bühnenkulisse entdeckt

Mit großer Euphorie und Vorfreude spricht Mona Creutzer über die Erfüllung ihres lang gehegten Traumes, der nun endlich mit viel Arbeit in die Tat umgesetzt werden kann. Und das auch noch an einem so besonderen Ort. Hier, beim Blick über Aachen, gleicht es — um es mit Creutzers Worten auszudrücken — „einer glücklichen Fügung“.

Denn mit „In der Einsamkeit der Baumwollfelder“ von Bernard-Marie Koltès inszeniert das Theater K in der Regie von Mona Creutzer ein Stück über die abstrakte Struktur der Alterität in allen möglichen Formen. Mehr noch: Das Bühnenwerk wird auch noch pünktlich zum 25. Todestag Koltès in malerischer Kulisse präsentiert. An und in der Salvatorkirche am Lousberg wird der Zuschauer Beobachter eines philosophischen Traktats zwischen einem Kunden und einem Dealer.

„Das Besondere ist, dass hier große Textblöcke aufeinander prallen. Es entsteht ein indifferentes Moment, worum denn eigentlich gedealt wird“, erzählt Creutzer, die neben der Regie gemeinsam mit Jochen Deuticke das Zwei-Personen-Stück spielt. Koltès visionäres Stück, das 1987 uraufgeführt wurde, findet eine poetische und zugleich faszinierend klare Sprache, die die Verstrickungen des Menschen in der Logik der Ökonomie sichtbar macht.

Verwirrend, zugleich klar und dennoch nicht psychologisch: Das Rollenprofil der beiden Protagonisten sei nämlich keinesfalls ein psychologisches, wie Creutzer ergänzt. Und genauso zweifelhaft wie der Ort des Geschehens in der Handlung ist, so unklar ist auch der Wunsch des Kunden und umgekehrt der Bestand des Dealers. Geht es um materielle Dinge? Um Liebe, Drogen, illegale Ware? Sind die Wünsche erfüllbar? Und kann man gegen Einsamkeit etwas kaufen? All das ist ungewiss. Die Gespräche gleichen einem Schachspiel, in dem jeder Satz taktisch überlegt scheint.

Die Inszenierung findet nicht nur an drei Spielorten rund um die Kirche und in selbiger statt, sie wird zudem mit Video- und Fotoinstallationen von Loni Liebermann und Manfred Leuchter begleitet. „In der Einsamkeit der Baumwollfelder“ mündet in einer sensitiven Großwahrnehmung und ist trotz oder gerade wegen der räumlichen Veränderungen stets eine fesselnde Produktion, in der mit der Schönheit der Sprachführung zwei Menschen in formaler Perfektion und rätselhafter Tiefe aufeinander treffen.

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