Safe Abortion Day. Debatte um Abtreibungen in Aachen

Safe Abortion Day : Film und Diskussion über Abtreibung

Der „Safe Abortion Day“, der Tag für den sicheren Schwangerschaftsabbruch, hat seine Ursprünge in der lateinamerikanischen Frauenbewegung der 1990er Jahre. Doch auch noch in 2019, und auch in Aachen ist das Thema Abtreibung ein wichtiges, sagt das Frauennetzwerk der Städteregion Aachen.

„In Aachen leiden ungewollt Schwangere unter der gesellschaftlichen Verurteilung und der rechtlichen Lage“, erklärt die Feministische Gruppe Aachen innerhalb des Frauennetzwerks der Städteregion Aachen in einer Pressemitteilung. Die Aktivistinnen schreiben weiter: Den Schwangerschaftsabbruch im Strafgesetzbuch zusammen mit Mord und Totschlag zu verhandeln, setzt Betroffene enormer Stigmatisierung aus.“ In Deutschland ist ein Schwangerschaftsabbruch illegal, jedoch straffrei.

Feministen fordern seit Jahren die Legalisierung von Abtreibungen, da die Straffreiheit alleine nicht reiche, um für die Frauen eine optimale medizinische Versorgung zu gewährleisten. Denn kein Arzt kann dazu gezwungen werden, Abtreibungen durchzuführen. Ein Schwangerschaftsabbruch ist nicht nur für die werdende Mutter, sondern auch für den Mediziner eine Gewissensfrage. Im Juni waren Berliner Ärztinnen zu Geldstrafen verurteilt worden, weil sie auf der Homepage ihrer Gemeinschaftspraxis die Dienstleistung „beworben“ hatten.

Das hat zur Folge, dass beispielsweise in Aachen nicht nur christliche Krankenhäuser wie das Marienhospital oder das Luisenhospital keine Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Auch das Universitätklinikum führt keine Abtreibungen bloß auf Verlangen der Mutter durch, weil eben kein Arzt dazu verpflichtet werden kann, gegen sein Gewissen zu handeln. Gleichwohl gibt es Eingriffe, wenn medizinische Gründe dafür sprechen.

In den Augen des Frauennetzwerks spricht diese Haltung der Krankenhäuser für eine „medizinische Mangelversorgung“ in Aachen. Doch es gibt ja auch noch niedergelassene Ärzte.

In der Tat ist es so, dass Frauen, bevor sie eine Abtreibung vornehmen möchten, zunächst ein Beratungsgespräch wahrnehmen müssen. So will es das Schwangerschaftskonfliktgesetz. „Die Länder haben die Aufgabe, ein ausreichendes plurales Angebot wohnortnaher Beratungsstgellen sicherzustellen, die die Frauen ergebnisoffen und neutral beraten sollen“, erklärt Sabine Schindler-Marlow von der Pressestelle der Ärztekammer Nordrhein. „Falls ein Schwangerschaftsabbruch gewünscht ist, halten die Beratungsstellen eine Liste mit Ärztinnen und Ärzten aus der Region vor, die die Abbrüche durchführen“, führt Schindler-Marlow aus. Anders ist die Situation bei sogenannten Spätabbrüchen, also nach zwölf Wochen Schwangerschaft. Diese müssen in einer Klinik durchgeführt werden – und für diese Fälle müssen Schwangere derzeit Aachen verlassen.

Auch wenn Krankenhäuser und Arztpraxen, die Abbrüche anbieten, dazu verpflichtet sind, diese ans Statistische Bundesamt zu melden, so liegen die Zahlen nur öffentlich nur auf Landesebene vor. Demnach haben 2018 knapp 21.400 Frauen in Nordrhein-Westfalen abgetrieben, was einen leichten Rückgang um 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet.

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