Rundgang durch die Aachener Galerien

Kunstgeschichten : Von Opfern und Diven

„Das kleine Opfer“ nennt die Aachener Malerin Uta Sartorius ihr Bild einer topmodisch gekleideten und geschminkten Frau aus den 90er Jahren. Doch nicht etwa die Frau ist das (Mode-)Opfer, das unreflektiert jedem Trend hinterherrennt, sondern die kleine tote Maus auf dem Beistelltisch. Sie lässt ihr Leben in den Laboren der Schönheit.

Auch das Gemälde „Blaxit“, frisch gemalt in diesem Frühling, zeigt ein Opfer. Die Friedenstaube liegt tot auf dem Rücken, die Invasion der schwarzen Vögel umschwebt eine Frau in Abendrobe.

Während Uta Sartorius, die an der damaligen Aachener Werkkunstschule bei dem Bauhaus-Professor Carl Schneiders studierte, sich auf die eher dunklen und politischen Seiten der Mode konzentriert und dabei Stil-Ikonen präsentiert, schaut ihre Ausstellungspartnerin Hilly Kessler auf Frauen in ihrer Emanzipationsgeschichte und Rolle ganz allgemein. Individuell und facettenreich malt die Wahl-Luxemburgerin etwa Frauen wie aus den 20erund 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Aufbruchstimmung und Lust auf Neues kennzeichnen Frisuren und Kleidung, Bewegung, Ausdruckstanz und die lange Zigarettenspitze stehen für die selbst erkämpfte Freiheit, zu tun und zu lassen, was frau will. Doch auch hier kommt neben Mode und Styling Politik ins Spiel. „Epigenetische Bilder“ nennt die Künstlerin ihre Miniportraits von Frauen aller Hautfarben, die den Hintergrund für ein fast formatfüllendes, halbtransparentes Porträt einer Frau bilden und auf die genetische Verwandtschaft aller Frauen auf der Welt verweisen. Die Ausstellung „Von Diven und Damen“ hängt bis zum 30. Mai zwischen einigen meist klassischen Skulpturen des verstorbenen Düsseldorfer Bildhauers Clemens Pasch, der zu den bedeutenden Nachkriegskünstlern zählt, im stimmungsvollen Atelier Pasch im Tuchwerk Soers, Strüwerweg 116. Geöffnet ist mittwochs und freitags von 15 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr. Die Finissage findet am Donnerstag, 30. Mai, um 15 Uhr statt.

Computergrafische Malerei und Fotografie zeigt die Galerie Hexagone mit Arbeiten von Edith Suchodrew, die sich gerne der Magie des Kosmos und der Nacht widmet. Zu epochenübergreifenden Werken werden die meist großformatigen Bilder durch Glitzersteine, die die Künstlerin auf ihre Arbeiten klebt und damit an Edelsteine erinnert, die im Mittelalter auf wertvollen Objekten angebracht wurden, um ihren Wert und ihre Bedeutung zu betonen. Die Ausstellung „Die majestätische Nacht ist wieder erwacht…“ hängt bis zum 12. Juni im Haus an der Wilhelmstraße 16 und kann mittwochs bis freitags von 12.30 bis 18 Uhr und samstags von 12.30 bis 15.30 Uhr oder nach Vereinbarung unter 0175/6736849 besichtigt werden.

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