Aachen: Runder Tisch: Energiearmut der Stadt und Städteregion Aachen

Aachen: Runder Tisch: Energiearmut der Stadt und Städteregion Aachen

Keine Heizung, kein warmes Wasser, kein Licht und der Herd bleibt kalt. Energiesperren — in der Städteregion Aachen ist von mehreren tausend betroffen Haushalten pro Jahr die Rede. Seit einem Jahr sucht der „Runde Tisch Energiearmut der Stadt und Städteregion Aachen“ nach Lösungen. Jetzt präsentierte er Ergebnisse.

2013 ermittelte die Bundesnetzagentur in einer deutschlandweiten Erhebung, dass 400 000 Strom — und Gassperren seitens der Energieanbieter durchgeführt wurden. Auch in der Städteregion sei von rund 4000 Sperrungen pro Jahr auszugehen, sagt Armin Carduck, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Sozialen Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen in der Städteregion. Grund für Energiesperren seien vor allem die steigenden Neben- und Energiekosten.

Insbesondere einkommensschwache Haushalte sind daher betroffen. Hinzu komme, dass in den letzten Jahren die staatlichen Abgaben auf Energie weiter gestiegen sind. In den letzten 15 Jahren stiegen die Energiekosten um rund 50 Prozent. Die Bezüge der Sozialleistungen hingegen wurden nicht angeglichen. „Wir sehen uns mit der Situation konfrontiert, einen finanziellen Mangel verwalten zu müssen.

Dass die Anteile für Energiekosten in den Regelsätzen dem Lebensstandard und der Realität nicht mehr entsprechen, können wir nicht ändern. Hier ist vor allem der Bundesgesetzgeber gefragt. Im Rahmen unserer Möglichkeiten haben wir unsere Hausaufgaben gemacht“, bemerkt Carduck.

Der „Runde Tisch Energiearmut der Stadt und Städteregion Aachen“, der von den sozialen Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen und der Verbraucherzentrale initiiert wurde, lud kommunale Sozialleistungsträger sowie die örtlichen Energieversorger EWV, Stawag und enwor ein, gemeinsam Lösungen zur Vermeidung von Energiesperren zu erarbeiten.

Das Ergebnis: Von nun an gelten einheitliche Rahmenvereinbarungen in den Versorgungsgebieten der drei regionalen Energieversorger. In Zukunft haben Haushalte, die Grundsicherungsleistungen beziehen und die mit Zahlungen in Rückstand geraten sind die Möglichkeit, bei einer drohenden oder bestehen Energiesperre mit dem Energieversorger eine Ratenzahlung zu vereinbaren.

Bei einer Einigung werden zum einen die Energieschulden der Betroffenen unmittelbar durch Abführung der Raten aus ihrem Budget an den Energieversorger getilgt, zum anderen zur Vermeidung neuer Rückstande auch die künftig fälligen Abschlagszahlungen an diesen geleistet.

Durch Sicherstellung dieser Zahlungen sieht der Energieversorger dann in der Regel von Energiesperren ab bzw. nimmt die Versorgung wieder auf. Bei Schwierigkeiten vermittelt das Jobcenter oder das Sozialamt. Voraussetzung für die in Inanspruchnahme des freiwilligen Angebots sei eine vollständige Offenlegung der finanziellen Verhältnisse seitens der Bezugsempfänger.

„Wenn der Kunde damit einverstanden ist, begleichen wir die Schulden unmittelbar. Energie ist in der Grundsicherung enthalten, wir helfen gerne, allerdings erwarten wir von unseren Kunden auch einen gewissen Grad an Eigeninitiative“, sagt Jürgen Schoenen vom Jobcenter der Städteregion Aachen.

Dass es auch in Zukunft noch Energiesperren geben wird sei für EWV-Mitarbeiter Johannes Hintzen aber nicht wegzudiskutieren. So lautet die Zielausgabe zunächst, die Energiesperren im kommenden Jahr auf unter 3000 Fälle zu bringen.