Aachen: „Rund um Dom und Rathaus”: Vibrierende Spannung auf dem Pflaster

Aachen: „Rund um Dom und Rathaus”: Vibrierende Spannung auf dem Pflaster

Ein schrilles Pfeifen erschreckt die Fußgänger mitten auf dem Münsterplatz, die im Schatten des Doms hastig über die Straße eilen und hinter den Absperrgittern Schutz suchen. Die Helfer in ihren orangenen Westen haben aber natürlich rechtzeitig gewarnt: Schon rasen die nächsten Radfahrer vorbei und rattern über das berüchtigte Kopfsteinpflaster in Richtung Katschhof.

Das 38. Radrennen „Rund um Dom und Rathaus” des Vereins „RC Zugvogel 09 Aachen e.V.” fordert den rund 120 gemeldeten Teilnehmern am Samstag wieder einiges an Durchhaltevermögen ab. Nur etwas mehr als ein Dutzend der 80 gemeldeten Teilnehmer des Hauptfeldes fahren das Rennen bis zum Ende. Stefan Ganser gewinnt schließlich in der Hauptklasse.

„Das ist wirklich eine Quälerei, das kann man sich nicht vorstellen”, erklärt Guido Diefenthal, Vorsitzender des Vereins, „aber durch die Altstadt-Kulisse entsteht eine besondere Atmosphäre, das hat man nirgendwo sonst.” Die rund 6000 Zuschauer verfolgen gespannt, wie die Fahrer mit zusammengepressten Zähnen wortwörtlich ,beißen müssen.

Besonders an der Steigung vom Katschhof in Richtung Markt. Dort verfolgt Hildegard Ortmanns aus Eschweiler das Rennen: „Ich habe mir die Stelle schon um fünf Uhr ausgeguckt, das ist einfach spektakulärer als auf flacher Strecke.” Sie wartet auf ihre Familie, gemeinsam schauen sie sich auch das Hauptrennen an. „Wir haben das Rennen auch schon im letzten Jahr besucht. Da war es so schade, dass dann abgebrochen wurde.” 2011 wurde die Rundenanzahl gekürzt, da das sowieso schon herausfordernde Kopfsteinpflaster durch den Regen zu rutschig wurde. Eine zu große Gefahr für die Radsportler.

In diesem Jahr verunsichert die Wetterprognose einmal mehr, es gibt eine Gewitterwarnung. „Das ist eine Sache, die beunruhigt einen als Veranstalter”, sagt Guido Diefenthal. Das Wetter will den RC Zugvogel wohl necken. Denn zu Beginn des ersten Rennens der Seniorenklassen tröpfelt es aus einer bedrohlich aussehenden Wolke. Rennfahrer wie Zuschauer beobachten kritisch das feuchte Pflaster. Doch das wars dann auch schon: Den Rest der Runden ackern die Sportler im gleißenden Sonnenlicht durch die Innenstadt.

Für das Traditionsrennen arbeiten rund 40 Helfer des Vereins beim Aufbau und dem Abbau am späten Abend mit. „Der Aufwand ist ja sehr groß, weil wir uns in der Innenstadt befinden”, sagt Franz Kirch vom RC.

Ungefähr 1000 Meter an Absperrgitter sind nötig, um die Runde zu sichern: Es geht vom Markt über Jakobstraße, Klappergasse, Rennbahn, Schmiedstraße, über den Münsterplatz, Richtung Katschhof wieder auf den Markt. „Das sieht besonders schwierig aus, als wäre das sehr anstrengend”, sagt Zuschauerin Ulrike Lieb. Familie Lieb besucht Sohn Jonas in Aachen und kommt eher zufällig vorbei.

Fasziniert bleiben die Liebs stehen - denn dank hunderter Kilometer im Fahrradurlaub sind sie dem Radsport durchaus zugeneigt. „Man sieht schon, dass die Räder auf dem Kopfsteinpflaster viel vibrieren”, erklärt Jonas Vater Elmar Lieb. Bisher gab es keine schweren Stürze - trotz des hohen Schwierigkeitsgrades. „Gefährlich sind vor allem die Fußgänger, die einfach über die Straße laufen”, sagt Rettungssanitäter David Steber von den Maltesern.

Die Nähe zum Publikum, haarscharf an den Absperrgittern vorbeizurasen, all das macht zugleich allerdings den besonderen Reiz in der Innenstadt aus. Die vielen Freiwilligen sorgen dafür, dass das Rennen für Zuschauer und Teilnehmer ein unfallfreies Erlebnis bleibt.