Aachen: Rund um den Elsassplatz geht die Angst um

Aachen: Rund um den Elsassplatz geht die Angst um

„Plötzlich gab es einen lauten Knall“, erzählt ein Augenzeuge des Geschehens. Und rund um den Elsassplatz ging sofort die Angst um, nachdem der Schuss gefallen war. „Die Menschen flüchteten in Restaurants oder drückten sich an Wände und in Hauseingänge. Es wusste ja niemand, woher das gekommen war“, so der Zeuge.

Mancher Passant wird schon deshalb Angst bekommen haben, weil es ebenfalls am Elsassplatz im Juli 2014 bereits eine Schießerei gab. Damals gab es drei Schwerverletzte. Wenige Tage später sagte Polizeipräsident Dirk Weinspach: „Wir haben Glück gehabt, dass da nicht drei Leichen auf dem Boden lagen.“ Seinerzeit bekriegten sich dort die Streetgangs „Black Jackets“ und „United Tribuns“. Jetzt sind es die „Hells Angels“ und die „Bandidos“, die sich in Aachen Kämpfe um die Vorherrschaft liefern.

Und ein Schauplatz ist erneut das Ostviertel. Am Mittwochabend ist in dem seit Monaten schwelenden, teils schon blutig geführten Konflikt die nächste „Eskalationsstufe“, wie die Polizei das nennt, eingetreten. Schließlich waren nun erstmals Schusswaffen im Spiel. Die Staatsanwaltschaft spricht davon, dass es „mehrere Schussabgaben“ gegeben habe, als am Elsassplatz rund 20 Mitglieder der verfeindeten Gruppen unterwegs waren. Zeugen berichten, nur einen Schuss gehört zu haben, gefunden wurde zudem nur eine Patronenhülse. Außerdem berichten Zeugen, dass sie mehrere Personen sahen, die die Flucht ergriffen, als der erste Polizeiwagen heranrauschte.

Eine Gruppe flüchtete über die Weißenburger Straße Richtung Adalbertsteinweg. In dieser Gruppe trugen mindestens zwei Männer Kutten der „Hells Angels“. Die Polizei zog etliche Streifenwagen zusammen, auch ein Spürhund war im Einsatz. Laut Jost Schützeberg, Sprecher der Aachener Staatsanwaltschaft, wurde ein „Hells Angels“-Mitglied festgenommen. Bei ihm war eine scharfe Schusswaffe gefunden worden. Die Staatsanwaltschaft beantragte am Donnerstag Haftbefehl wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz. Die Ermittlungen zu den näheren Hintergründen, zu Beteiligten und zum Ablauf des Geschehens dauerten am Donnerstag noch an.

Bei der Polizei bleibt der Rockerkrieg der verfeindeten Gruppen ein Hauptthema. Aachen war bislang „Bandidos-Revier“. Doch vor einigen Monaten gründete sich aus dem „Hells Angels“-Ableger „Turkey Nomads“ heraus in Aachen ein eigener „Charter“ der „Hells Angels“. Dessen Mitglieder tummeln sich seither vornehmlich im Ostviertel, insbesondere am Elsassplatz.

Die „Bandidos“ findet man in erster Linie in der Innenstadt, so in der Antonius-straße, wo es zuletzt eine größere Polizeikontrolle deswegen gab. Immer wieder wurden in den vergangenen Monaten Rocker beim „Schaulaufen“ gesichtet, jedes Mal war die Polizei flott da. Zu größeren Zwischenfällen kam es nicht — bis Mittwoch. An diesem Abend wurde zum Glück niemand verletzt. Unklar ist derzeit, ob der Schuss oder die Schüsse auf Personen abgegeben wurden oder ob in die Luft gefeuert wurde.

„Wir stehen den Rockern auf den Füßen und wir werden alles tun, um eine weitere Eskalation zu verhindern“, hatte der Polizeipräsident bei einer Pressekonferenz gesagt, nachdem es eine blutige Auseinandersetzung zwischen Rockern an einer Tankstelle auf der Trierer Straße gegeben hatte. Donnerstag hielt sich die Polizei zunächst wegen der laufenden Ermittlungen bedeckt. „Wir stehen in intensivem Informationsaustausch mit der Staatsanwaltschaft“, versicherte Polizeisprecher Werner Schneider.

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