Aachen: Rund 230 Flüchtlinge finden bald Platz auf 6000 Quadratmetern

Aachen: Rund 230 Flüchtlinge finden bald Platz auf 6000 Quadratmetern

In der Cafeteria direkt neben dem großen Supermarkt an der Roermonder Straße labt sich ein Grüppchen älterer Damen an Warmgetränken nebst Brötchen. Später bekommen die Seniorinnen vielleicht Gesellschaft durch ein paar Handwerker, die gleich nebenan zugange sind.

Von lärmend-nervöser Hektik kann allerdings auch auf den Fluren des riesigen Betonkomplexes am Amstelbach nicht wirklich die Rede sein. Auch wenn in wenigen Wochen die ersten 40 Flüchtlinge in die ehemaligen Geschäfts- und Büroräume im Gewerbegebiet einziehen sollen — und bereits bis kommenden Freitag nicht weniger als 300 weitere Schutzsuchende im Grenzland ankommen, von denen die meisten zunächst in provisorischen Quartieren wie Turnhallen und Kasernenstuben untergebracht werden müssen.

Erste Etappe ab November fertig

Petra Müller, Projektleiterin bei der Landmarken AG, kann da zumindest ein wenig Abhilfe leisten: „Wir werden den ersten Abschnitt des Objekts auf jeden Fall zum 1. November an die Stadt übergeben“, sagt sie. Denn als der umtriebige Immobilienentwickler das rund 6000 Quadratmeter umfassende ehemalige Logistikzentrum im vergangenen Sommer vom Discount-Riesen Netto erworben hat, fand er ein durchaus modern und komfortabel ausgestattetes Gebäude vor.

Große Fenster sorgen für angenehme Atmosphäre, die Teppiche sind vielfach praktisch neu oder zumindest gut in Schuss, Strom- und Wasseranschlüsse in ausreichendem Maße vorhanden. „Die baulichen Voraussetzungen sind im Grunde optimal“, weiß Müller.

Vom großen Parkplatz vor dem Portal zum hinteren Gebäudeteil aus, der als erster hergerichtet wird, betritt man ein Foyer im „klassischen“ Stil leicht gehobener Bürokultur — weiße Steinplatten, kleine Rezeption. Über 24 Stufen gelangt man in die erste Etage mit einem runden Dutzend Zimmern, viele durch Türen verbunden, so dass auch größere Familien bequem untergebracht werden können. Auch für Sanitär- und Umkleideräume, ein circa 500 Quadratmeter großes Lager sowie eine rund 100 Quadratmeter große Gemeinschaftsküche ist bereits gesorgt.

Warten auf Brandschutztüren

In der ehemaligen Betriebskantine werden gerade weitere Anschlüsse für Elektroherde und Spülbecken installiert. Und in einem kleinen Raum gleich neben Toiletten und Duschen blinken sechs taufrische Waschmaschinenanschlüsse. Ausgerechnet die Brandschutztüren lassen noch ein paar Tage auf sich warten. „Momentan ist der Markt leer gefegt“, weiß Müller, „aber bis Ende Oktober ist auch dieses Thema erledigt.“

Ganz so weit ist die „Ertüchtigung“ des zweiten Traktes, in dem ab Anfang 2016 Platz für weitere 190 Asylsuchende geschaffen wird, zwar noch nicht gediehen. Aber die rund 70 ehemaligen Büro- und potenziellen Schlafräume sind ebenfalls so gut wie bezugsfertig, sogar das Grün im großen Innenhof ist ein wenig „aufgeforstet“ worden. Zudem gibt es eine Reihe größerer Einheiten, in denen Versammlungen oder Kinderbetreuung stattfinden können. Eine Küche gibt es noch nicht. „Aber spätestens in fünf bis sechs Monaten“, sagt Petra Müller, „ist auch dieser Teil komplett hergerichtet.“

Immerhin hat die Stadt den gesamten Komplex für zunächst mindestens fünf Jahre gemietet — nicht zuletzt angesichts vergleichsweise hervorragender Infrastruktur im Umfeld, inklusive benachbartem Spielplatz, mit Supermarkt und „Kik“-Filiale unter einem Dach. Und mit Sicherheit werden die Planer das neue Quartier bis auf weiteres zu nutzen wissen: Weitere 300 Flüchtlinge sind der Stadt am Dienstag zwecks Unterbringung ab dem kommenden Freitag avisiert worden, berichtete Evelin Wölk vom Presseamt.

Der Großteil soll in den jüngst als Notschlafstellen eingerichteten Turnhallen Barbarastraße, Reumontstraße, Michaelsbergstraße und Vetschauer Straße unterkommen sowie in der ehemaligen Schule Franzstraße, der ehemaligen Förderschule Walheim, der Körner-Kaserne und dem FH-Gebäude an Kalverbenden. Mindestens 80 Asylsuchende werden auch weiterhin pro Woche erwartet.