Rückzug der Investoren am Büchel in Aachen kann positiv sein

Kommentiert : Chance auf einen wirklichen Neustart

Alles auf Anfang? Ja, wenn das so einfach wäre. Aber zumindest besteht wieder mehr Hoffnung auf bessere Zeiten. Die Entscheidung der beiden Investoren Norbert Hermanns und Gerd Sauren, sich aus dem Projekt Büchel zurückzuziehen, kann durchaus als die positive Nachricht der Woche verbucht werden.

Die Beweggründe der Investoren sind – aus ihrer Sicht – klar: Das erwartete Geschäft ließ sich unter den Gegebenheiten nicht realisieren. Da lagen zu viele Hemmschuhe im Weg herum, sagen sie. Ein Kaufmann muss dann die Reißleine ziehen. Nur: Die Gegebenheiten haben sich seit Jahren überhaupt nicht geändert. Fragt sich, mit welcher Intention die Herren seinerzeit zu Werke gingen, als sie mit dem großen Monopolyspiel anfingen? Es zeigt sich letztlich eben doch, dass man nicht alles dem freien Spiel der Kräfte überlassen soll. Aus freiem Spiel kann schnell freier Fall werden. Okay, Schnee von gestern – mitten im aktuellen Frühlingszwischenspiel. Nachkarten bringt nichts, der Blick geht nach vorne. Vergessen sollte man die vergangenen Jahre aber nicht. Sie sind schmerzlich lehrreich gewesen.

Dass es alles andere als einfach wird, jetzt wirklich Fahrt in die Sache zu bringen, dürfte allerdings allen Beteiligten klar sein. Über einen langen Zeitraum wird man die Schmuddelecken ertragen müssen. Aber: Die Stadt selber kann jetzt das Heft des Handelns in die Hand nehmen. Es gibt viele konkrete Ideen, mögliche Lösungswege, vage Ideen. Alles muss in ein Gesamtkonzept, in einen nachvollziehbaren Fahrplan. Aachens Bürger wollen eine Perspektive, sie wollen spüren, dass Sinn und Verstand hinter der Entwicklung steckt, dass eine Mehrheit wirklich an dem sprichwörtlichen gemeinsamen Strang zieht.

Und da beginnt die Sache doch noch komplizierter zu werden, als sie ohnehin schon ist. Denn wie sieht sie aus, die gemeinsame Leitlinie? Wer gibt sie vor? Fakt ist: Die Politik bleibt bei ihrem Beschluss, den Rotlichtbezirk an Ort und Stelle – wenn auch modifiziert – zu belassen. Das ist eindeutig, und es gibt keine Signale, dass eine große Mehrheit im Stadtrat eine Kehrtwende vollziehen wird. Auf der anderen Seite gibt es die – sicherlich nicht kleine – Fraktion, die darin den größten Hemmschuh für eine wirklich nachhaltige Entwicklung sieht. „Puff raus“, könnte man das Credo verknappen, „oder wir sind weg.“ Ist das reine Drohgebärde, was maßgebliche Einzelhändler gestern artikulierten? Wohl nicht. Denn dahinter steht die echte Sorge, dass mit Rotlicht die Signale eben nicht auf Grün gestellt werden können.

Eine ganz schwierige Kiste ist das. Und die Rotlichtfrage ist nicht die einzige, die wirklich intelligenter Antworten bedarf. Hoffen wir, dass es schnell losgeht mit dem Neustart. In rund einem Jahr werden schon wieder die Wahlkampfmaschinen angeworfen, im Herbst 2020 soll ein neuer Stadtrat die Arbeit aufnehmen. Und die Erfahrung lehrt, dass in den Monaten davor eher die Rhetorik als die Tatkraft regiert. Partieller Stillstand eben. Traurig, aber wahr.

Manchmal ist das Leben auf eine beeindruckende Weise einfach. Nehmen wir zum Beispiel das Thema Luftverschmutzung. Seit Monaten drohen Fahrverbote, fürchten Dieselbesitzer um Wohl und Wert ihrer Blechkarossen, und dann – wird einfach saubere Luft verordnet. Also im übertragenen Sinne. Man setze die Grenzwerte ein wenig herauf, und schon ist man das Problem größtenteils los. So wie in den 1990er Jahren. Waldsterben verboten, forderte die Politik. Und der Wald hat sich daran gehalten. Prima Sache! Okay, das könnte man als zu simpel abtun. Natürlich wird der Luftreinhalteplan durch die Grenzwertverschiebung nicht obsolet. Aber die Entwicklung zeigt, wie beliebig auch dieses Geschäft ist. Bis zur nächsten Klage der Umwelthilfe. Die müssen ja etwas zu tun haben, sonst wird denen langweilig!

Die Woche in Aachen, sie wird überschattet vom tragischen Tod einer Radfahrerin auf der Vaalser Straße. Wieder einmal mutmaßlich verschuldet durch einen unaufmerksamen Kraftfahrer. An der Unfallstelle scheint die Verkehrsführung – anders als an vielen anderen Stellen – so schlecht nicht zu sein. Aber auch dieser Unfall mahnt, noch mehr dafür zu tun, dass das größte Maß an Sicherheit gewährleistet ist.

In diesem Sinne: Ihnen ein friedliches Wochenende!