Rückblick: Die Woche in Aachen

Kommentar : Frohes Fest oder: Karneval in der Fastenzeit

Gute Nachrichten kann man nicht zu früh in die Welt hinausrufen. Zum Beispiel diese, die das städtische Presseamt am Donnerstag in die Redaktionen kabelte: „Dor Fastelovend zöröck in et Dörp.“ Alles klar?

Für die wenigen unter Ihnen, die nicht ganz im Thema sind, sei hier ein wenig Verständnishilfe geleistet: Es geht in erster Linie um den Karneval. Und um Eilendorf. Der Karneval ist, wie die Nachricht kundtut, wieder in Eilendorf zurück. Wie jetzt? Mitten in der Fastenzeit? Gehen alle Werte verloren? Gemach, gemach: Erst 2020 werden die Jecken im Aachener Stadtteil wieder die Regie übernehmen. Aber es war der Stadt offensichtlich wichtig, diese Meldung jetzt zu erstatten. Wir sagen danke und quittieren das – anders, als es das Presseamt tut – nicht mit einem Alaaf, sondern mit Schmunzeln. Für manch einen ist eben immer Karneval, sogar in der Fastenzeit. Verzicht will eben gelernt sein.

Glücklicherweise hat diese Woche aber auch ein paar wirklich wichtige Themen auf der Agenda gehabt. Zum Beispiel den Flächennutzungsplan. Die Sache kommt immer etwas sperrig daher. Aber es geht um nicht weniger als die Frage: Wie soll sich Aachen in den kommenden Jahren entwickeln? Der Planungsausschuss hat wegen des doch größeren öffentlichen Interesses eigens im Alten Kurhaus getagt. Mit erwartetem Ergebnis. Zum Beispiel: Der Stadt mangelt es weiter an Gewerbeflächen, die Beverau wird nicht bebaut, dafür kommt das Wohngebiet Dell in Richterich. Der Plan ist aber noch nicht in trockenen Tüchern. Jetzt geht es in die Bürgerbeteiligung, im Mai wird es wieder eine Informationsveranstaltung geben. Erst im nächsten Jahr, so schätzen die Experten, soll ein endgültiger Beschluss gefasst werden. Der Flächennutzungsplan zeigt dann auf, wie sich Wohnen, Freizeit und Gewerbe entwickeln können, aber nicht müssen. Eine Option für die Zukunft, mit vielen Gestaltungsmöglichkeiten.

Wie sich die freie Kultur in dieser Zukunft entwickeln kann, hängt maßgeblich auch davon ab, welche Unterstützung die vielen Initiativen und Organisationen von offizieller Seite erfahren. Es ist sicher nicht vermessen zu sagen, dass in dieser Hinsicht noch viel Luft nach oben ist. Oder andersherum: Manch ein Mensch, der sich Kulturpolitik auf die Fahnen geschrieben hat, blickte in der Vergangenheit doch eher Richtung Theater oder Ludwig Forum als auf – zum Beispiel – Musikbunker oder Kingz Corner. Es ist das alte Lied: In einer Stadt, die auch dank über 50.000 Studenten so junges Flair hat, kommt Kulturförderung bisweilen ziemlich altbacken daher. Um 22 Uhr ist meist Schluss mit lustig. Wenn Kultur auch einmal lauter ist, passt sie nicht mehr ins Bild. Dass sich jetzt Vertreter fast aller Ratsfraktionen mit jungen Kulturschaffenden (mal wieder) an einen Tisch setzten, um künftige Möglichkeiten auszuloten, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Dem müssen aber noch ganz viele weitere folgen, um der Sache zum Erfolg zu verhelfen.

Wenn man sich – siehe oben – in der Fastenzeit mit Karneval befassen muss, dann darf es auch das Thema Weihnachten kurz vor Ostern sein, oder? Sie erinnern sich sicher an den Streit um die Hütte 16, ein etwas aufgemotzter Bretterverschlag zur Abgabe von Extrawürsten jeder Art. Manch einem hat nicht gefallen, dass die Hütte am Rande des Elisengartens den Weihnachtsmarkt verschönern sollte. Das Streitobjekt schaffte es bis in den Stadtrat mit seinen entsprechenden Fachausschüssen. In dieser Woche berieten die Liegenschaftsexperten – ohne einen Beschluss zu fassen. So einfach ist die Sache wohl nicht. Grüne und Linke sind dafür, der umstrittenen Hütte des bekannten Aachener Fleischermeisters in der Vorweihnachtszeit auf dem Katschhof eine Heimat zu bereiten. Was zu Lasten des „Hexenhofs“ eines anderen Öcher Gastronomen gehen könnte. Schwierige Sache. Doch halt! Es zeichnet sich eine Lösung ab. Metzger und Gastronom sind doch Karnevalisten, also quasi Brüder im Geiste! Da schließt sich der Kreis, und es wird klar, warum Karneval auch vor Ostern seine Berechtigung hat: um weihnachtliche Probleme zu lösen. Das Leben ist ein Kreislauf oder: Herr, hilf!

Die Woche in Aachen: Da haben Leser und Leserinnen fleißig Schlaglöcher aufgelistet. „Bürgerbeteiligung auf dem kleinen Dienstweg“, haben wir in dieser Woche geschrieben. Die Liste liegt der Stadt vor. Wir wünschen gutes Gelingen. In diesem Sinne: schönes Wochenende!

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