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Goldenes Priesterjubiläum Manfred von Holtum: Rückblick auf eine große Reise im Dienst der Kirche

Goldenes Priesterjubiläum Manfred von Holtum : Rückblick auf eine große Reise im Dienst der Kirche

Der 4. Juli 1970 im Aachener Dom: Fünf junge Männer empfangen die Weihe zum Priester durch Bischof Johannes Pohlschneider, einer von ihnen: Manfred von Holtum. Damals wusste er noch nicht, dass er hier 50 Jahre später, am 4. Juli 2020, erneut stehen würde, um den Gottesdienst seines Goldenen Priesterjubiläums zu feiern und auf eine große Reise zurückzublicken.

Auf Wunsch von Bischof Klaus Hemmerle wurde von Holtum Direktor des Caritasverbandes für das Bistum Aachen, Bischof Heinrich Mussinghoff berief ihn zum Generalvikar, als die Finanzlage des Bistums extrem brisant war, als Dompropst war er Gastgeber im Dom für Karlspreisträger wie den französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron oder Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, mit denen ihn nicht nur höfliche Plaudereien verbanden. Große Ereignisse am Dom fielen in von Holtums Zeit: 600 Jahre Chorhalle, 40 Jahre Weltkulturerbe, Abschluss der äußeren Sanierungsarbeiten, stets war er als geistlicher Begleiter an der Seite vom Dombaumeister Helmut Maintz – und das gern.

Am Samstag nahm sich von Holtum Zeit zum Dank im Gebet für all das, zum Rückblick, zur Begegnung mit Freunden, einstigen Mitarbeitern und Amtskollegen. Ein schlichtes Hochamt – der Jubilar als Zelebrant allein am Altar. Oberbürgermeister Marcel Philipp, sein Vorgänger Jürgen Linden, Historiker und Dom-Experte Professor Max Kerner, ALRV-Präsident Carl Meulenbergh sowie Dr. Herta Lepie, langjährige Leiterin der Domschatzkammer, waren unter den Gottesdienstbesuchern. Im Chorgestühl saßen Amtsbrüder: Alt-Bischof Heinrich Mussinghoff, Weihbischof Gerd Dicke, der ehemalige Propst Manfred Pouqué und andere.

Vor einem Jahr verabschiedete sich von Holtum von seinem Amt als Dompropst. Endlich mehr Zeit – zum Lesen, zum Blick auf die Rosen im Garten und für Hund Alkuin, den schönen schwarzen Labrador, der damals als „Halbstarker“ mit ihm in die Propstwohnung einzog. „Ich bleibe den Menschen zutiefst verbunden“, sagte der 76-Jährige nachdenklich, den die aktuellen Probleme der Kirche sehr beunruhigen. „Dabei sollte die Botschaft der Kirche doch Hilfe zum Leben sein, gerade jetzt“, meinte er, der stets für eine verstärkte Öffnung plädiert hat.

Als er nach dem Studium der Philosophie und Theologie in Bonn und München das Priesterseminar in Aachen besuchte, nach Empfang der Weihe Kaplan in Setterich und schließlich Religionslehrer am Gymnasium in Kempen wurde, schien sein Leben klar. Optimismus prägte von Holtums Weg, gleichzeitig der permanente Wechsel.

Als jüngstes von fünf Geschwistern war er nicht verwöhnt. „Meine Eltern lebten einen selbstverständlichen Glauben, ohne Frömmelei“, meint er in seiner warmherzigen Predigt. „Wenn ich in ein Amt berufen wurde, war ich nicht immer begeistert, aber ich habe etwas daraus gemacht“, betont er, der gesundheitliche Grenzerfahrungen durchleben musste, zuerst als 16-Jähriger, später dann bei lebensgefährlichen Herz- und Rückenmarksproblemen.

In Kempen-Tönisvorst sollte er Dechant werden – im Alter von 34 Jahren der jüngste Amtsinhaber, den es je gab, und selbst die Position des Regionaldekans von Kempen-Viersen fiel ihm zu. Eine Vorbereitung auf die weiteren Aufgaben im Bistum. Stark sein, diplomatisch bleiben, selbst Risiken wagen, zu Entscheidungen stehen – von Holtum entwickelte Fähigkeiten, über die er staunte.

„Mir war oft bewusst, dass ich zunächst nicht die komplette Kompetenz mitbrachte, aber die hatten andere, die mich unterstützten“, sagt der Priester schlicht. Das blieb Bischof Heinrich Mussinghoff, Nachfolger von Klaus Hemmerle, nicht verborgen. In der tiefen Krise des Bistums brauchte er einen Ökonom als Generalvikar – und holte von Holtum, der sich eigentlich als Caritas-Direktor wohlfühlte.

Als von Holtum in seiner Predigt davon sprach, packte ihn die Rührung. Es war damals nicht nur priesterlicher Dienst, sondern ein Freundschaftsbeweis, als er die erwartet bleischwere Last übernahm. Zum Goldenen Jubiläum weiß er: „Aus eigener Kraft kann man das alles nicht, ich empfand stets eine starke Lenkung, doch ich spreche nicht gern von göttlicher Vorsehung.“

Die Nähe zum Aachener Dom, seinem Kraftzentrum, hat geholfen und hilft noch immer. Inzwischen hat von Holtum eine Stiftung zur Förderung von Kunst und Kultur im Bistum Aachen gegründet. „Ich selbst habe durch Kunst, Literatur und besonders durch Musik viel Kraft erfahren, das möchte ich weitergeben“, sagt er.

Zum Abschluss des Gottesdienstes ging er allein ein Stück ins Oktogon, wandte sich dem Gnadenbild zu, während Kantor Marco Fühnen ein Marienlied anstimmte. Ein bewegender Moment.

Danach wurde im Garten seiner Wohnung fröhlich angestoßen. Die Schlange der Gratulanten reichte fast bis zum Dom. Glückwünsche kamen pünktlich zum Jubiläum auch vom Limburger Bischof Georg Bätzing, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. Er schrieb: „Die Priesterweihe – ein Geschenk für Dich und die Kirche.“