Aachen: Rockerkrieg: Aachens Polizei will Eskalation verhindern

Aachen: Rockerkrieg: Aachens Polizei will Eskalation verhindern

Die Gründung eines neuen „Charters“ der Hells Angels in Aachen sorgt bei der Polizei für Alarmstimmung. Denn die nach Polizeierkenntnissen rund 20 Rocker umfassende Gruppe, die derzeit massiv von „Kollegen“ aus Belgien, den Niederlanden, ganz NRW und darüber hinaus unterstützt wird, trifft auf seit langem in Aachen bestehende Strukturen der Bandidos, den Erzfeinden der Hells Angels.

Mehrfach kam es im Aachener Ostviertel in den vergangenen Tagen zum „Schaulaufen“ der Hells Angels. Am Wochenende gab es eine Massenschlägerei der verfeindeten Gruppen, an deren Ende es durch Messerstiche drei Verletzte gab. Gegen den mutmaßlichen Täter, der den Hells Angels angehört, ermittelt eine Mordkommission der Aachener Kripo.

Polizeipräsident Dirk Weinspach erklärte am Donnerstag, man werde der Situation „konsequent entgegentreten“ und nehme die Lage „sehr, sehr ernst“. Seit Mitte August seien mehr als 200 Personen aus den Rockergruppierungen kontrolliert worden. Bei jedem Auftreten der Rocker werde man mit entsprechendem Personaleinsatz reagieren, so Weinspach.

Gerade bei den Aachener Hells Angels handelt es sich nicht um „klassische“ Motorradrocker. Vielmehr sind sie aus der Gruppe Turkey Nomads hervorgegangen. Diese wurden vom „Paten von Köln“, Neco Arabaci, gegründet. Dieser flüchtete vor seiner Verhaftung in die Türkei und lenkt von dort aus die Geschicke.

Die Turkey Nomads haben durchgesetzt, jetzt auch Hells-Angels-Charter gründen zu können. Die Polizei stuft sie als „noch gefährlicher und gewaltbereiter“ ein als die „Old-School-Rocker“ ohnehin schon. Bei den Aachener Bandidos wiederum gibt es, so Weinspach, „Überschneidungen“ mit Hooligankreisen und der rechtsextremen Szene.

Alarm schlägt indes auch die Gewerkschaft der Polizei. Bundespolizist Michael Schaffrath von der Kreisgruppe Aachen forderte am Donnerstag mehr Personal sowohl für die Bundespolizei wie auch für die Aachener Polizeibehörde.

Mit den jetzigen Käften werde man die Rocker nicht adäquat aufhalten können — gerade auch an den Grenzen. Stattdessen werde im Gegenteil am Personal gespart. Schaffrath: „Das gefährdet die Bürger.“