Robert Menasse diskutiert mit Schülern im Einhard-Gymnasium

Interrail-Tickets und Technokraten : Robert Menasse diskutiert mit Schülern im Einhard-Gymnasium

Erst begeisterte er mit seiner schonungslosen und bewegenden Analyse Europas im Ludwig Forum, dann beeindruckte er Schüler im Einhard-Gymnasium: Der Wiener Schriftsteller und Essayist und zudem noch frisch ausgezeichnete Träger des Walter-Hasenclever-Literaturpreises, Robert Menasse, diskutierte jetzt mit Schülern in der Aula an der Robert-Schuman-Straße.

Die Stippvisite in dem Gymnasium gehört konstitutiv zum Literaturpreis. Schließlich war Hasenclever selbst einst Schüler am Einhard-Gymnasium, wo er vor 110 Jahren das Abitur ablegte. Die Schule hat sogar eine Stimme in der Jury des Walter-Hasenclever-Preises.

Zu sagen hatten die Schülerinnen und Schüler in Anwesenheit des Preisträgers eine ganze Menge. Sie hatten seinen Roman „Die Hauptstadt“, der in Brüssel als Amtssitz der Europäischen Union spielt, im Unterricht gelesen und interpretiert und brachten einzelne Szenen auf die Bühne. Musik gab es von den „Einhard-Symphonikern“. Vier Figuren hinter den Fassaden der Europa-Gebäude nahmen die Schüler als Romangestalten in den Blick: Leon Elsbroek gab Martin Susman seine Stimme, Rebecca Richter Fenia Xenopoulou, Vincent Simons David de Vriend und Caspar Krones Alois Erhart. Intensiv hatten sich die Jugendlichen mit dem Buch auseinandergesetzt, mit der Schilderung der oberflächlichen Egomanie von Bürokraten und Technokraten, die nur an sich selbst denken.

Dabei zeigten die Schüler auch, welche Bedeutung das Konstrukt Europa für sie persönlich hat. „Romane lesen, das ist schön und gut – aber das Leben ist das Wichtige, das freie Reisen in Europa zum Beispiel mit dem freien Interrail-Ticket für 18-Jährige“, sagte ein Schüler zum Preisträger. Der erwiderte: „Du hast recht, aber nutze doch die Zeit zwischen den Stationen zum Lesen von Romanen im Zug.“

(red)
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