Aachen: Riesiger Ansturm auf Visa im Super C

Aachen: Riesiger Ansturm auf Visa im Super C

Nicht wenigen Studierenden, und vor allem den debütierenden, ist der Spaß an der Uni dieser Tage gründlich verdorben. Vor den berühmten Seminar-Scheinen sind derzeit nämlich gänzlich andere Papiere an der RWTH heiß begehrt — ohne ein Visum würde für Hunderte angehende Akademiker aus dem Ausland auf kurz oder lang überhaupt nichts mehr gehen.

Mindestens ebenso heillos überlaufen wie mancher Hörsaal ist deshalb derzeit die Außenstelle des Ausländeramts im Super C am Templergraben. Bereits in den frühen Morgenstunden, berichteten mehrere Betroffene der AZ am Dienstag, bildeten sich lange Schlangen vor den Türen des Hauses. Viele Studierende treibt die Torschlusspanik, weil sie bis zum Ende des Monats zumindest einen Antrag auf ein Visum vorweisen müssen — andernfalls drohe ihnen die Abschiebung.

So berichtet eine junge Ägypterin, dass sie mehrere Tage lang vergebens Einlass begehrt habe — spätestens zur Öffnungszeit um 8 Uhr harrten aber bereits rund doppelt so viele potenzielle Antragsteller vor dem Super C aus, als die Mitarbeiter bewältigen könnten. Zumal die Vergabestelle ihre Türen lediglich montags bis mittwochs von 8 bis 12.15 Uhr sowie mittwochs von 14 bis 16.45 Uhr und freitags von 8 bis 12 Uhr geöffnet hat.

Die junge Frau kam erst zum Erfolg, nachdem sie sich am dritten Tag ihres Bemühens bereits um 3.30 Uhr vor dem unbeleuchteten Gebäude eingefunden habe. Nach wie vor müssen die Studenten „vor Ort“ eine Nummer ziehen, um zum Zuge zu kommen. Ein AZ-Leser berichtet unterdessen, dass teils bereits in den frühen Morgenstunden „interne“ Listen kursierten, die von den Wartenden „organisiert“ worden seien.

Wirkliche Abhilfe scheint vorerst nicht in Sicht — aber: „Wir tun, was wir können. Wir können jetzt nur an die Studierenden appellieren, Ruhe zu bewahren. Viele von ihnen haben sicher noch einige Wochen Zeit, bevor ihr Antrag gestellt sein muss“, erklärt Detlef Funken von der Pressestelle der Städteregion, die für die Abwicklung der Verfahren zuständig ist. Und: „Zunächst reicht eine Bestätigung, dass der Antrag gestellt worden ist, völlig aus.“ Denn seit die Erteilung der Visa auf elektronischem Weg über die zuständige Bundesbehörde in Berlin abgewickelt werden muss, gehen laut Funken im Schnitt rund sechs bis acht Wochen ins Land, bis die Genehmigung vorliegt. Inzwischen könnten die Betroffenen ihr Visum nun auch bei den Kollegen im Ausländeramt im Hochhaus am Bahnhof abholen.

Anträge freilich könnten in aller Regel ausschließlich im Super C gestellt werden — eine Umleitung der Akten etwa Richtung Hochhaus sei jetzt schon logistisch nicht mehr zeitnah zu leisten. „Wir sind dort mit drei bestens qualifizierten Kräften im Einsatz — mehr geht personell derzeit einfach nicht“, sagt Funken. Daher habe die Verwaltung bereits seit Wochen mit zahlreichen mehrsprachigen Flyern und Postern im gesamten Hochschulviertel auf die Situation aufmerksam gemacht. Über die genaue Zahl der Studierenden, die ein Visum beantragen müssen, gebe die Hochschule im Übrigen aus Datenschutzgründen keine Auskunft; Funken schätzt aber, dass im Ganzen rund 900 Menschen betroffen sind.

Dennoch bestehe kein Anlass zur Panik. Ein persönlicher Mitarbeiter von Städteregionsrat Helmut Etschenberg werde sich umgehend ein Bild von der Situation vor Ort machen.