Rhein-Maas-Gymnasium vernetzt sich

Digitalisierung am Rhein-Maas-Gymnasium: Keine Spielerei, sondern ein übergeordnetes Lernziel

Es sind Fragen, die sich viele Schulen stellen: Nützt das Tablet im Unterricht? Und wie sollte es am besten eingesetzt werden? Das Rhein-Maas-Gymnasium wurde als eine von 25 Schulen für die Werkstatt „Schulentwicklung digital“ ausgewählt und will im Netzwerk nicht nur Antworten auf diese Fragen finden.

Dass die digitale Ausstattung von Schulen aktuell zu wenig mediale Aufmerksamkeit erhält, kann man nicht gerade behaupten. Den Streit zwischen Bund und Ländern um den Digitalpakt verfolgen Monika Eck-Kämper und Stefan Lindlahr natürlich ganz genau. Schließlich sind die stellvertretende Schulleiterin des Rhein-Maas-Gymnasiums (RMG) und der Oberstufenkoordinator als Pädagogen von der Vereinbarung, die Schulen schnelles Internet, Notebooks und Tablets einbringen soll, besonders betroffen.

Öffentlich äußern wollen sie sich zu der politischen Diskussion und dem vorläufigen Stopp der Grundgesetzänderung durch die Länder – bei der immerhin ein Mann aus Aachen, nämlich NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, eine herausragende Rolle spielt – dennoch nicht. Nur so viel: „Deutschland muss aufpassen, dass es nicht abgehängt wird“, sagt Stefan Lindlahr, der am RMG Mathematik und Physik unterrichtet. Statt großer Worte wollen er und Eck-Kämper lieber Taten sprechen lassen. Zum Beispiel, indem sie sich aktiv dafür einsetzen, den Umgang mit digitalen Medien im Unterricht voranzubringen – und zwar durch eine intensive Netzarbeit auf Bundesebene.

Das Rhein-Maas-Gymnasium wurde ausgewählt, an der Werkstatt „Schulentwicklung digital 2018/19“ teilzunehmen – als einzige Schule in der Region. Organisiert von der Stiftungsinitiative Forum Bildung Digitalisierung, sollen in dieser Werkstatt Schulen, bei denen der Einsatz digitaler Medien bereits zum Schulprogramm gehört, innovative Bausteine für Unterrichts- und Schulentwicklung erarbeiten, die bundesweit angewendet werden können.

24 Schulen aus ganz Deutschland sind dieses Jahr dabei, dazu kommt noch die Deutsche Schule Singapur. Die Auftaktveranstaltung war Mitte November in Berlin, ab Januar treffen sich die Schulen vier Mal in Kleingruppen, um für ihre jeweiligen Schwerpunkte Handlungsempfehlungen zu erarbeiten. Am 20. Mai wird das Rhein-Maas-Gymnasium etwa Kollegen aus Berlin, Hamburg, Rostock und Singapur in Aachen empfangen. Im September sollen die Ergebnisse dann in Berlin auf der Konferenz Bildung Digitalisierung 2019 präsentiert werden.

Freuen sich, dass das Rhein-Maas-Gymnasium als „digitale Werkstattschule“ ausgewählt wurde: Monika Eck-Kämper, stellvertretende Schulleiterin, und Oberstufenkoordinator Stefan Lindlahr. Foto: ZVA/Annika Kasties

Nützliche Erfahrungen durch iPad-Klasse

Bis dahin werden sich nicht nur Eck-Kämper und Lindlahr als „Delegation“ des RMG, sondern auch das gesamte Kollegium vor allem damit auseinandersetzen, welche „digitalen Lernarrangements“ Schüler wie Lehrer im Unterricht am besten unterstützen. Nützliche Erfahrungen in diesem Bereich habe man mit Einführung der iPad-Klasse bereits gesammelt, berichtet die stellvertretende Schulleiterin. „So eine Klasse muss man als Start ins digitale Schulwesen sehen, das betrifft nicht nur eine einzelne Klasse, sondern verändert eine ganze Schule.“

Seit Sommer nutzen 30 Jungen und Mädchen der 5. Klasse regelmäßig das iPad im Unterricht. Der Vorteil liegt für die Pädagogen auf der Hand: Den Schülern werden nicht nur anschaulich komplexe Sachverhalte auf dem digitalen Endgerät dargestellt. Auch die Schüler selbst werden stärker gefordert, sich aktiv am Unterricht einzubringen, erklärt Lindlahr, der für die Entwicklung der iPad-Klasse mitverantwortlich ist. Indem das „Brainstorming“ beispielsweise mitunter ins Digitale verlegt wird, hört der Lehrer nicht nur die Antworten von zwei bis drei Schülern, die sich melden, sondern sieht, was jeder einzelne Schüler auf seinem Tablet als Antwortmöglichkeit eingibt.

Dadurch erhalte der Lehrer einen guten Überblick über den individuellen Lernprozess seiner Schüler. Dass es immer noch viele Menschen gebe, die den Einsatz von digitalen Medien im Unterricht als „Spielerei“ abtun, empfindet er als „problematisch“. Zumal man im internationalen Vergleich erst wirklich sehe, was im Unterricht alles möglich sei.

Auch deshalb ist ihm wichtig, dass das Rhein-Maas-Gymnasium als „digitale Werkstattschule“ zumindest im Kleinen daran mitwirkt, dass es in Deutschland im Bereich der Digitalisierung vorangeht. Für Eck-Kämper ist die Digitalität sogar zu einem übergeordneten Lernziel geworden. Ein Lernziel, das alle Schulen vor ähnliche Herausforderungen und Fragen stelle. Einige Antworten erhofft sie sich von den kommenden Monaten. „Das Forum Bildung Digitalisierung bringt sehr unterschiedliche Schulen zusammen. Dadurch entstehen Ideen, auf die man sonst nicht gekommen wäre.“

Mehr von Aachener Zeitung