Aachen: Revue im Das Da Theater: „Airport“ weckt die Reiselust

Aachen: Revue im Das Da Theater: „Airport“ weckt die Reiselust

Hektik in der Abflughalle eines Flughafens in der Nähe von München. Geschäftsleute in Anzügen eilen umher — mittendrin eine Backpackerin, ein Reisende mit Rucksack. Am Flughafen treffen Gegensätze aufeinander. Es ist ein Ort der Ankunft, aber auch einer des Abschieds.

All diese Geschichten, die Träume von entfernten Ländern, aber auch die tägliche Routine werden im Das Da Theater in der neuen musikalischen Revue „Airport“ eingefangen. Ganz ohne Worte erzählen 28 zeitlose Melodien, Evergreens und unerwartete Stücke ab dem 17. März vom Fliegen, der Freiheit, der Liebe und vom Abschied.

Mit der neuen Produktion bricht das Theater alle bisherigen Rekorde. Noch nie standen 13 Darsteller und vier Bandmitglieder gleichzeitig auf der Bühne. Es wurden über 100 Kostüme ausgewählt und angepasst, es mussten 28 Musikstücke arrangiert und choreographiert und jeder Auf- und Abtritt geplant werden — eine logistische und künstlerische Meisterleistung für so ein kleines Theater. Ein besonderer Clou: Die Band sitzt als Teil des Bühnenbilds hinter dem Check-In-Schalter und ist nicht nur bildlich gesprochen für die Kofferabfertigung zuständig.

„Es gibt kein Musikstück, das nur ‚Show‘ ist. Es wird immer eine Geschichte erzählt“, fasst Choreographin Heike Sievert das Konzept in Worte. Sei es, dass ein Geschäftsmann von einer Reise nach New York träumt und den gleichnamigen Klassiker von Frank Sinatra stimmgewaltig zum Besten gibt, oder dass eine Gruppe junger Leute von einem Rockkonzert aus London zurückkommt und noch in der Melodie von „I love RocknRoll“ schwelgt. „Die Geschichten werden vielfach über die verschiedenen Flugziele erzählt“, erklärt Tom Hirtz, dramaturgischer Leiter des Theaters. „Jemand, der in Indien auf einem Selbstfindungstrip war, wird andere Dinge erlebt und zu erzählen haben, als jemand, der aus London zurückkehrt.“

Besonders interessant ist, wie die verschiedenen Reisegruppen miteinander umgehen, wenn sie aufeinandertreffen. Die Backpackerin, die offensichtlich die Nacht am Flughafen verbracht hat, wird von den Anzugträgern mit der Textzeile „Somebody better put you back into your place“ auf ihren Platz verwiesen und eine geistliche Rom-Reisegruppe versucht die anderen Reisenden dazu zu animieren, mit ihnen „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind“ im Kanon zu singen. Bei der Choreographie zu „Dirty Diana“ von Michael Jackson steigt die Temperatur im Saal — da geben die Tänzer alles.

Frank Rommerskirchen, zuständig für die Kostüme und das Bühnenbild, hat nach eigener Aussage alles „mit einem Augenzwinkern“ versehen. So heißt die Airline „DDT Air“ (für Das Da Theater), die Zielanzeige entwickelt zwischendurch ein Eigenleben und so manches Outfit ist stark überzeichnet und nicht immer ganz ernst gemeint. Christoph Eisenburger stand als musikalischer Leiter vor der herausfordernden Aufgabe, Orchesterstücke für eine Vier-Mann-Band umzuschreiben und Maren Dupont hatte als Regisseurin alle Hände voll damit zu tun, Musik, Tanz, Gesang und Schauspiel aufeinander abzustimmen und für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen.

Und so lässt „Airport“ den Zuschauer mit einem Gefühl der Sehnsucht und des Fernwehs zurück. Die Zeit vergeht im wahrsten Sinne des Wortes „wie im Flug“.