Aachen: Rentner wegen Erpressung des Aachener Klinikums vor Gericht

Aachen : Rentner wegen Erpressung des Aachener Klinikums vor Gericht

Ein 67-jähriger Mann soll versucht haben, das Aachener Klinikum mit einer Bombendrohung und einer angeblichen Geiselnahme zu erpressen. Dafür steht er jetzt vor Gericht. Der Mann habe dem Klinikum im Juni 2011 mit fünf erfundenen Sprengsätzen gedroht und einem Kind als Geisel, stellte die Staatsanwaltschaft am Montag fest.

Sie wirft ihm versuchte räuberische Erpressung vor. Als ihm die Mitarbeiterin der Hauskasse das Geld nicht gab, sei er geflüchtet. Die Polizei hatte in einem spektakulären Großeinsatz das Groß-Krankenhaus durchkämmt, aber nichts gefunden. Der Fall hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht.

Ein 67-jähriger Rentner, der das Aachener Klinikum mit fünf erfundenen Bomben erpresst haben soll, steht seit Montagmorgen vor Gericht. Foto: Ralf Roeger

Der ordentlich gekleidete ältere Herr gestand vor Gericht die Tat. Er konnte demnach seine Hotelrechnung nicht bezahlen, hatte seinen Koffer als Pfand hinterlassen und brauchte Geld. Die Erinnerung an die Tat setze erst wieder ein, als er der Mitarbeiterin der Klinikumskasse einen handgeschriebenen Zettel hinschob.

Ein 67-jähriger Rentner, der das Aachener Klinikum mit fünf erfundenen Bomben erpresst haben soll, steht seit Montagmorgen vor Gericht. Foto: Ralf Roeger

Auf dem Zettel stand in fehlerhaftem Deutsch: „Überfall. Im Klinikum sind fünf Sprengsätze angebracht. Ein Sprengsatz in Tasche von Mann. Geben alles Geld. (...) Haben Kind von Mann. (...) Die Zeit läuft, wenn Zettel bei Euch in der Hand.” Zu dem Zeitpunkt lagen mehrere tausend Euro in der Kasse.

Ein 67-jähriger Rentner, der das Aachener Klinikum mit fünf erfundenen Bomben erpresst haben soll, steht seit Montagmorgen vor Gericht. Foto: Ralf Roeger

„Ich hab es gelesen und nicht geglaubt”, sagte die 53-jährige Kassiererin vor Gericht. Schließlich habe sie den Kopf geschüttelt: Er sollte kein Geld von ihr bekommen. „Sinngemäß hat er gesagt: „Sie spielen mit dem Leben der anderen und von ihnen””, sagte sie. Die Frau löste stillen Alarm aus, es gab Großalarm, die Zufahrtsstraßen wurden abgeriegelt, die Polizei durchkämmte das Gebäude.

Ein 67-jähriger Rentner, der das Aachener Klinikum mit fünf erfundenen Bomben erpresst haben soll, steht seit Montagmorgen vor Gericht. Foto: Ralf Roeger

Der mutmaßliche Täter habe eine Zigarette geraucht und sich dann Richtung Parkplatz davongemacht, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Diewald mit Verweis auf die polizeiliche Vernehmung. „Ich habe nie damit gerechnet, dass die Polizei so einen Aufmarsch macht”, habe der Mann gesagt.

Ein 67-jähriger Rentner, der das Aachener Klinikum mit fünf erfundenen Bomben erpresst haben soll, steht seit Montagmorgen vor Gericht. Foto: Ralf Roeger

Für die Justiz ist der harmlos wirkende ältere Mann ein Bekannter. Vor allem wegen Betrugs saß er nach Angaben der Staatsanwaltschaft 32 Jahre in Haft. In Aachen war er zu Besuch bei einer Frau, der er sich unter falschem Namen vorgestellt hatte. Immer wieder mal sei er ins Klinikum gegangen, um einen Kaffee zu trinken und Zeitung zu lesen. Die Polizei schnappte den Mann, weil Hotelangestellte den Mann im Fernsehen auf den Bildern der Überwachungskameras erkannten.

Ein 67-jähriger Rentner, der das Aachener Klinikum mit fünf erfundenen Bomben erpresst haben soll, steht seit Montagmorgen vor Gericht. Foto: dpa
(dpa)
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