Aachen: Rennen zwischen Bauleuten und Studenten

Aachen: Rennen zwischen Bauleuten und Studenten

Früher haben hier hinter einer Mauer Hochschulautos getankt. Nun gibt die RWTH an der Claßenstraße Vollgas, um die Studentenströme einzufangen, wenn 2013 der doppelte Abiturjahrgang ins Hochschulleben startet.

Genau genommen sind es natürlich die Bauleute, die seit dem gestrigen Spatenstich Vollgas geben (müssen), um im Auftrag des Bau- und Liegenschaftsbetriebs (BLB) NRW die Pläne der dänischen Architekten „schmidt hammer lassen architects” zu verwirklichen. Das Büro aus Aarhus verantwortet nämlich den Entwurf des Hörsaalzentrums, das für sage und schreibe 45 Millionen Euro aus dem Hochschulmodernisierungsprogramm gebaut wird.

Vor etwa einem Monat sind auf dem Gelände die letzten alten Mauern gefallen, bis Ende 2013 soll das gewaltige Hörsaalzentrum stehen. Es muss stehen. Das sagt jedenfalls RWTH-Rektor Professor Ernst Schmachtenberg: „Am 15. Oktober 2013 brauche ich die Hütte, dann kommt der doppelte Abiturjahrgang. Sonst brennt hier die Hütte.” Das Wettrennen zwischen Bauleuten und künftigen Studierenden hat begonnen.

Schon ohne diesen Doppeljahrgang zählt die RWTH in diesem Jahr ein Allzeithoch mit mehr als 8000 neuen Studierenden. Und schon jetzt mangelt es an Vorlesungs- und Seminarräumen, weswegen einzelne Veranstaltungen beispielsweise in Kinosäle ausgelagert werden. Das neue Hörsaalzentrum wird zu den größten seiner Art in Europa zählen. Auf 87 000 Kubikmeter Raum beziehungsweise 14.000 Quadratmeter Grundfläche verteilt entstehen elf Hörsäle mit 3510 Plätzen. Der kleinste zählt 80, der größte 1000 Sitze. Hinzu kommen 60 Seminarräume mit weiteren 640 Plätzen. Macht unterm Strich 4150 Studierendenplätze. „Die brauchen wir endlich”, sagt Schmachtenberg.

28 000 Kubikmeter Erde müssen bis dahin bewegt werden, 7500 Kubikmeter Beton und 7300 Tonnen Stahl werden laut Klaus Heine, stellvertretender BLB-Niederlassungsleiter, verbaut und 25 Kilometer Kabel verlegt. „Ich hoffe, es gefällt”, sagt Architekt Carsten Hyldebrandt. Gisela Nacken ist beim Blick auf die Transparente mit dem Entwurf davon überzeugt. Die Planungsdezernentin der Stadt betont die städtebauliche Bedeutung des Hörsaalzentrums an der Claßenstraße. „Das ist ein wichtiger Knotenpunkt”, sagt sie. Denn der neue Campus Westbahnhof wird sich vom Hörsaalzentrum aus in den Westen der Stadt erstrecken.

Rektor Schmachtenberg würde vor allem die rechtzeitige Fertigstellung gefallen. Schließlich müssen die bisherigen Hörsaalriesen Audimax und Kármán-Auditorium in absehbarer Zeit saniert werden. „Im Audimax haben wir immer noch die Fensterscheiben von 1952, da können wir gleich nach draußen heizen”, sagt er schmunzelnd. Den Humor würde er aber verlieren, wenn eines dieser Gebäude vor Ende 2013 wegfallen würde. „Die RWTH ist mit diesem Neubau nicht größenwahnsinnig geworden. Wir brauchen Hörsäle!”, stellt er klar und kündigt an, jeden Tag an der Baustelle vorbeizufahren, um sich davon zu überzeugen, dass am 15. Oktober 2013 alles fertig ist. In langsamer Vorbeifahrt wird er kontrollieren, ob denn auch Vollgas gegeben wird.

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