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Reiter sollen draußen bleiben

Ärger um Sperrungen im Brander Wald : Bundeswehr plant mehr Übungseinsätze auf Aachener Gebiet

Um die Sperrung des Brander Waldes gibt es weiterhin Diskussionen. Viele Nutzer ärgern sich darüber, dass die Bundeswehr die Sperrzeiten ausgeweitet hat. Hintergründe sind Umweltschutz und mehr Übungen.

Unter der Woche soll die Gelbbauchunke ihre Ruhe haben: Montags bis freitags von 7 bis 17 Uhr sowie immer dann, wenn das rote Fähnchen gehisst wird, soll niemand den Standortübungsplatz Brander Wald betreten – außer den Soldaten, versteht sich.

Die neuen Zugangsregeln für das Naturschutz- aber auch Naherholungsgebiet zwischen Aachen und Stolberg sorgen weiterhin für Gesprächsstoff. Unter anderem Pferdefreunde, die ihre Tiere auf dem Gut Haumühle in Stolberg untergestellt haben oder das dortige Reittherapiezentrum Abenteuerland nutzen, fühlen sich vom Reitwegenetz abgeschnitten: Der Weg von Haumühle von Buschmühle führt quer über den Truppenübungsplatz, und ist ihnen jetzt versperrt. Den Ärger der Jogger, Spaziergänger, Hundebesitzer und vor allem auch Reiter kann man bei der Stadt Aachen zwar verstehen. Doch: Oberstes Ziel sei der Umweltschutz.

„Seit 2004 ist der Brander Wald ein sogenanntes FFH-Gebiet“, erklärt Winfried Engels, beim Fachbereich Umwelt der Stadt Aachen für Artenschutz zuständig. Das Gebiet gehöre zu den wenigen Stellen im Land, an denen die Gelbbauchunke zuhause ist. In den Fahrrillen, die die Fahrzeuge der Bundeswehr hinterlassen, entstehen temporäre Kleinstgewässer, genauer gesagt Pfützen, in denen die Tiere sich wohlfühlen. Und dort soll sie niemand stören, weder Mensch noch Haustier.

Foto: grafik

Ein Kernproblem waren in der Vergangenheit Hundebesitzer, die ihre Tiere frei laufen lassen. „Das geht in diesem Naturschutzgebiet einfach nicht“, sagt Engels. Die Freizeitnutzung sei von der Bundeswehr zwar großzügigerweise geduldet worden, doch irgendwann sei es einfach zu viel geworden. Die Konsequenz war, den Zutritt zu beschränken, auch für diejenigen, die sich anständig verhalten.

Frequentierung wird ausgeweitet

Das ist der eine Aspekt. Hinzu kommt, dass die Bundeswehr ihre Aktivitäten auf dem Standortübungsplatz wohl ausweiten will. Fachleute von kommunalen Behörden gehen davon aus, dass im Brander Wald künftig verstärkt Soldaten auf Einsätze im Ausland vorbereitet werden sollen. Folglich stören die vielen Besucher des Waldes nicht nur die Gelbbauchunke, sondern auch die Einsatzkräfte. „Die Übungsaktivitäten richten sich nach dem Ausbildungsbedarf der am Standort Aachen stationierten Truppe. Diese kann in Abhängigkeit des Auftrag zu- und abnehmen. Der Auftrag zur künftigen Übernahme der Offiziersanwärterausbildung wird die Frequentierung des Übungsplatzes voraussichtlich steigern“, lautet dann auch die offizielle Antwort der Bundeswehr auf Anfrage unserer Redaktion (siehe Infobox).

So seltsam das im ersten Moment auch klingen mag: Übungen der Bundeswehr und Naturschutz schließen sich in Augen von Fachleuten nicht gegenseitig aus. „Es ist kein Zufall, dass Bundeswehrübungsplätze und Naturschutzgebiete häufig zusammenfallen“, erklärt Winfried Engels. Zum einen hätten die Soldaten genau auf dem Schirm, an welcher Stelle beispielsweise gerade eine Gelbbauchunke laicht, „und die fahren dann andere Wege.“

Zum anderen sei die Belastung eines Naturschutzgebiets durch die Bundeswehr längst nicht so groß wie beispielsweise durch Hunde oder Pferde: „Viele der Arten brauchen dringend nährstoffarme Böden.“ Wenn aber Tiere sich im Naturschutzgebiet erleichtern, dann wirken ihre Hinterlassenschaften wie Dünger und reichern den Boden mit Nährstoffen an.

Trotzdem wollen die Fachleute genau beobachten, ob sich durch eine intensivere Nutzung des Geländes durch die Bundeswehr nicht die Situation verschlechtert.

„Wir sind mit der Bundeswehr im Gespräch“, erklärt Detlef Funken, Sprecher der Städteregion, am Montag auf Anfrage. Denn auch die Städteregionsverwaltung sehe ein, dass man nach einer Lösung für die Reiter suchen müsse. Und bei der Bundeswehr, so sagt Funken, sei man bereit, die jetzt getroffene Regelung eventuell dahingehend zu überdenken, außerhalb der Übungszeiten doch noch ein Durchreiten zu ermöglichen. Ob und wann diese Entscheidung fällt, sei allerdings noch offen.

Update: In einer älteren Version dieses Artikels hatten wir geschrieben, dass eine Reiterdemo am 1. Juni geplant ist. Diese Demo wurde zwischenzeitlich wieder abgesagt, weil die Reiter die Gespräche der Städteregion mit der Bundeswehr zunächst abwarten wollen.