Aachen: Regenwetter verhagelt das Aachener Weihnachtsgeschäft

Aachen: Regenwetter verhagelt das Aachener Weihnachtsgeschäft

Die Wetterbilanz ist verheerend: Nur an vier Tagen (2., 5., 6. und 9. Dezember) hat es in den vergangenen vier Wochen in Aachen nicht genieselt, geregnet oder geschüttet. Das hat 2017 auch den Weihnachtsmarkt Besucher gekostet. Am Samstagabend, 21 Uhr, endet der Budenzauber — dafür öffnen ausnahmsweise am Sonntag, an Heiligabend, 24. Dezember, einige Geschäfte. Aber nicht nur das Wetter hat einigen Einzelhändlern das Vorweihnachtsgeschäft verhagelt.

Online-Shopping gewinnt nach wie vor Marktanteile — wodurch die Kundenströme in den Innenstädten dünner werden. Umso wichtiger sei der Weihnachtsmarkt in der Kaiserstadt als Publikumsmagnet, von dem eben auch der benachbarte Innenstadthandel profitiere, heißt es.

Stattliche 9130 Euro für den guten Zweck — trotz wochenlangen Regenwetters: Oberbürgermeister Marcel Philipp (1.v.r.) nahm die Spende der Weihnachtsmarktbeschicker (v.l. Jörg Wunderlich, Peter Loosen, MAC-Vorsitzender Klaas Wolters, Geschäftführer Manfred Piana und Heiko Bannwarth) im Rathaus entgegen. Foto: Andreas Schmitter Harald Krömer

Unterm Strich zeigen sich bei einem ersten Resümee die Veranstalter des Weihnachtsmarktes — der Märkte- und Aktionskreis City (MAC) — und Oberbürgermeister Marcel Philipp offiziell sehr zufrieden mit dem Verlauf, während der Geschäftsführer des Handelsverbandes Nordrhein-Westfalen Aachen-Düren-Köln, Jörg Hamel, erklärt: „In Aachen war es in puncto Einzelhandel nicht so berauschend.“ Man hoffe deshalb, dass in der Woche nach Weihnachten noch einiges in Bewegung komme, „denn erfahrungsgemäß werden viele Gutscheine und Geldumschläge verschenkt, die dann eingelöst werden“. Aachens Parkhäuser waren dieses Jahr seltener überfüllt als in den Vorjahren, der totale Verkehrskollaps blieb aus — obwohl es Freitagabend noch einmal ziemlich eng in der Stadt wurde, das dürfte sich am Samstag noch steigern.

Magnetwirkung: Besucher des Weihnachtsmarktes gehen in der Regel auch in den Geschäften — hier die Krämerstraße — einkaufen.

Ebenfalls bewegt dürfte es an Heiligabend in einigen ausgewählten Supermärkten zugehen. Wenn auch in einem deutlich geringeren Ausmaß als rein rechtlich möglich wäre. Von der Ausnahmegenehmigung, dass Geschäfte, die laut Gesetz „überwiegend Lebens- und Genussmittel feilhalten“, an Heiligabend von 10 bis 14 Uhr öffnen dürfen, machen in Aachen nämlich gerade mal eine Handvoll Betriebe Gebrauch. Die großen Ketten wie Aldi und Lidl haben bereits vor längerer Zeit entschieden, drei Tage am Stück geschlossen zu bleiben. Edeka, Rewe und Co. überlassen die Entscheidung den selbstständigen Kaufleuten. Zu ihnen gehört Josef Stenten. Der Betreiber der Filiale am Krugenofen begründet diese Entscheidung mit einem „Schlüsselerlebnis“ vor elf Jahren, als Heiligabend zuletzt auf einen Sonntag gefallen war.

Mehr Sicherheit: In den kommenden Monaten sollen weitere Pilomaten die Altstadt abschirmen.

„Damals habe ich vergessen, die Türe richtig zuzuschließen. Das Geschäft war stockdunkel, und trotzdem standen rund 20 Menschen um 8 Uhr morgens vor der Tür und wollten abkassiert werden.“ Der Bedarf beim Kunden, an Heiligabend noch frische Ware einzukaufen, sei also absolut vorhanden. Ähnlich sieht das Theo Reinartz, der die beiden Rewe-Filialen an der Von-Coels-Straße und an der Lütticher Straße betreibt. Eine Einstellung, die Werner Römgens, Filialleiter des Hit-Marktes an der Schurzelter Straße, hingegen nicht teilt. „Wir werden am Sonntag sowieso nicht mehr frisch beliefert. Da macht das für uns keinen Sinn.“ Zudem wolle er seinen Mitarbeitern einen ruhigen Heiligabend bescheren.

Aus ebendiesem Grund werden am Sonntag auch in deutlich weniger Filialen frische Brötchen verkauft. Denn obwohl seine Filialen normalerweise sonntags geöffnet haben, bleiben morgen bei Nobis die Schotten dicht. „Wir verzichten zugunsten unserer Mitarbeiter darauf“, teilt Michael Nobis mit. Als „Entschädigung“ habe man dafür die Öffnungszeiten am Samstag verlängert.

Jörg Hamel erklärt dies mit einem neuen Bewusstsein für die Belange der Mitarbeiter in der Bevölkerung. „Die Diskussion der letzten Wochen hat gezeigt, dass die Stimmung hinsichtlich der Sonntagsöffnung an Heiligabend durchwachsen ist.“

Wesentlich dazu beigetragen hat auch die Gewerkschaft Verdi, die jüngst sogar zu einem Einkaufsboykott an Heiligabend aufrief. Zudem werden auch in Aachen Mitglieder stichprobenartig kontrollieren, ob die Händler die gesetzlichen Bestimmungen einhalten und wirklich nur Lebens- und Genussmittel verkaufen. „Aber wenn jemand eine Packung Zahnpasta oder Klopapier kauft, wird schon keiner was sagen“, beschwichtigt Gewerkschaftssekretär Mathias Dopatka. Bei Spielwaren sehe das hingegen schon ganz anders aus.

Apropos Warenvielfalt: „Wir sind wirklich zufrieden mit dem Zustrom, die allermeisten Beschicker des Weihnachtsmarktes trotz des überwiegend miesen Wetters auch mit ihren Umsätzen“, sagt MAC-Geschäftsführer Manfred Piana. Mehr Belgier und Niederländer als in den Vorjahren hätten wieder nach Aachen gefunden, freut sich OB Philipp. Und die Macher denken schon an 2018: Die neuen Regenunterstände auf dem Katschhof neben dem Glühweintreff haben sich bewährt, auf die Fotoboxen — ebenfalls ein Pilotprojekt — will man nächstes Jahr wieder verzichten. Philipp regt zudem einen Shuttle-Service vom Tivoli-Parkhaus der Soers Richtung Weihnachtsmarkt an. Zudem sollen weitere Pilomaten die Altstadt schützen. „Unser Weihnachtsmarkt darf keinesfalls unter Terrorängsten leiden“, betont der OB.

Insgesamt 9130 Euro sammelten die Weihnachtsmarktbeschicker — nicht bei ihren Kunden, sondern untereinander. Eine stattliche Bilanz. Das Geld wird OB Philipp unbürokratisch über einen Sozialfonds an notleidende Aachener weiterleiten. Dieser Geldregen ist herzlich willkommen.